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Endsal

ABJECTION RITUAL: Futility Rites

Riten der Redundanz, solide inszeniert.


ABJECTION RITUAL: Futility Rites
Genre: Death Industrial
Verlag: Malignant...
Vertrieb: Malignant...
Erscheinungsdatum:
15. September 2015
Medium: CD
Preis: ~12,00 €
Kaufen bei: Loki/Deep Audio


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ABJECTION RITUAL ist ein relativ neues Mitglied der MALIGNANT-Familie, fügt sich jedoch bestens in deren klassisches Portfolio: "Death industrial influenced by mental illness, disease, self-hatred, shame, failure and disgust for humanity", weiß die nicht eben von überbordender Originalität strotzende Beschreibung bei discogs zu vermelden, und das lässt im guten wie im weniger guten Sinne bereits ziemlich genau darauf schließen, was den Hörer im Verlauf von insgesamt 49 Minuten Spielzeit erwartet.

Fangen wir mit den Pluspunkten an: "Futility Rites" wurde, wie bereits der auf eigene Kappe veröffentlichte Vorgänger "Psychiatric Failures", von der grauen Eminenz des US-Noise, dem notorischen STEEL-HOOK-PROSTHESES-Mastermind JOHN STILLINGS gemastert, der Hörer bekommt also jene typischen, ebenso dichten wie massiven Soundscapes auf die Ohren, die sich ungeachtet aller Harsh- und Crunchiness immer auch durch einen ganz speziellen, atmosphärischen Flow auszeichnen, der die degustative Flutschigkeit zu gewährleisten weiß. Die Tracks selbst bedienen die gesamte stilistische Bandbreite, die für Produkte aus dem Hause MALIGNANT charakteristisch ist, bewegen sich also primär im Slow-Motion-Bereich und lavieren irgendwo zwischen Death Industrial, PE/Noise US-amerikanischer Prägung und Dark Ambient hin und her, ohne dabei konzeptlos oder beliebig zu wirken. Für sich betrachtet weist "Futility Rites“ durchaus einen gewissen Abwechslungsreichtum auf, will heißen neben eher statisch-monotonem Death-Industrial-Gedröhne wie im Fall von "Barren" oder "Entropic Embrace" finden sich durchaus wuchtige, nach vorn losgehende Tracks – allem voran wäre hier das energetisch-aggressive "Objects Of Wrath" oder das beinahe schon schmissige Titelstück zu nennen. So gesehen kann das offizielle Debüt des Projektes aus Pennsylvania also erst einmal als durchaus solide durchgehen.

Kommen wir nun zu den negativen Aspekten – und hier scheint dem Rezensenten der, freilich religionskritisch (und dies – wie könnte es anders sein? – primär hinsichtlich der zeitgenössischen Terror-Religion Nr. 1, dem Christentum ...) gemeinte, Titel der CD unfreiwillig programmatisch zu sein, denn so nett das irgendwie alles klingt, was DOUGLAS CORIE, der Mann hinter ABJECTION RITUAL, mit "Futility Rites" so auffährt, so redundant ist es dann auch, denn letztlich sind die ewig grollenden, von allerlei Gerumpel, Gequietsche und Geschnarre durchzogenen Soundflächen, über die sich die genretypisch bis zur Unkenntlichkeit verzerrten Vocals legen, dann doch weit mehr als hinreichend bekannt. "Es ist zwar alles schon gesagt, aber eben noch nicht von allen", so denkt man unwillkürlich – und dieser spontane Eindruck verstärkt sich von Hördurchgang zu Hördurchgang eher, als dass er sich etwa reduzierte. "Futility Rites" ist zwar, wie gesagt, ein solides Album, das artig alles abhakt, was zu einer gediegenen US-Noise-Veröffentlichung dazugehört, es mangelt ihm jedoch an Originalität, Innovation und Eigenständigkeit, so dass am Ende doch nur eine mittelmäßige Veröffentlichung steht, die jeder, der ein paar Scheiben von STEEL HOOK PROSTHESES, VOMIT ARSONIST oder THEOLOGIAN im Regal stehen hat, guten Gewissens auch umgehen kann. Seitens MALIGNANT wird das Opus übrigens als "particularly bleak and virulent strain of death industrial that takes the unbridled, feral violence of American power electronics and combines it with the classic charnel house, necro-atmospherics of vintage Cold meat Industry" beschrieben – und wer jetzt möglicherweise findet, das klinge im Grunde ebenso gefällig wie nichtssagend, der hat des Pudels Kern haarscharf getroffen: Hier wurde im Prinzip zwar alles richtig gemacht, doch mangelt es einfach an Substanz, Authentizität und Originalität – ein geschärftes, wirklich eigenständiges Profil, das es aus der Masse ähnlicher Projekte heraushöbe, muss sich ABJECTION RITUAL noch erarbeiten.

Fazit: Für Novizen mag "Futility Rites" einen unterhaltsamen Einstieg ins Genre darstellen, da hier all jene stilistischen Versatzstücke, die eine gute Noise-Veröffentlichung aus Übersee gemeinhin so auszeichnen, versiert, souverän und effektiv zusammengesetzt, variiert und immer wieder neu gruppiert werden. Für "alte Hasen" hingegen bietet die Scheibe schlichtweg zu wenig Innovation und Eigenständigkeit, um nennenswert über den Durchschnitt hinauszureichen und von echtem Interesse zu sein – der Sound bleibt in jedem Moment vorhersehbar und verlässt die hinlänglich ausgetrampelten Pfade leider nicht. – Im Grunde und mit Blick auf den Titel also ein klassischer Fall von "nomen est omen".


 
Endsal für nonpop.de


Verweise zum Artikel:
» ABJECTION RITUAL @ facebook
» ABJECTION RITUAL @ bandcamp
» ABJECTION RITUAL @ discogs
» MALIGNANT RECORDS-Homepage
» "Futility Rites" @ MALIGNANT
» "Futility Rites" @ bandcamp
» ABJECTION RITUAL-Interview @ Nø Echo


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Zusammenfassung
Technisch und musikalisch durchaus solides Debüt, das die genretypischen Mittel souverän und stilsicher zum Einsatz bringt, dabei jedoch Originalität, Innovativität & Eigenständigkeit weitestgehend missen lässt, so dass am Ende nur gutes Mittelmaß steht. – Kann man zwar, muss man aber keineswegs.

Inhalt
01: Aversor
02: Barren
03: Objects Of Wrath
04: Scum Immersion
05: Thrust In Thy Sickle And Reap
06: Entropic Embrace
07: Futility Rites
08: Tabernacle Of Teeth And Tongues

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