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Tony F.

LA PIETRA LUNARE: s/t


LA PIETRA LUNARE: s/t
Genre: Neofolk
Verlag: Lichterklang
Erscheinungsdatum:
März 2015
Erstellt: 19.05.2015
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Wie hört sich zeitgenössischer, italienischer Neofolk eigentlich heute an? Irgendwie hat man ja schon das Gefühl, das hier in den letzten Jahren so einiges unter die Räder gekommen ist. Zumindest war die Szene Mitte der Nuller-Jahre einmal deutlich aktiver – und spannender. Eine mögliche Antwort auf die Eingangsfrage liefern vielleicht LA PIETRA LUNARE auf ihrem jüngst erschienen, selbstbetitelten Album, das – so viel kann man vorwegnehmen – auf jeden Fall als gelungen bezeichnet werden kann. 

Aber der Reihe nach. LA PIETRA LUNARE ist im Kern ein Duo aus DUCCIO DEL MATTO und GIANNI CALDARARO, das sich allerdings reichlich verschiedener Gäste bedient. Die beiden Protagonisten sind dabei vor einigen Jahren schon einmal – auch von NONPOP begleitet – als VESTFALIA’S PEACE unterwegs gewesen, wobei sie allerdings nicht über das Stadium der Eigenveröffentlichung hinaus gekommen sind. Mit neuem Namen, der sich auf die Novelle „La Pietra Lunare“ (dt. „Der Mondstein“) von TOMMASO LANDOLFI aus dem Jahr 1972 bezieht, wartet man nun also erstmals mit einer „richtigen“ Veröffentlichung auf. Der Bezug zur Novelle „Der Mondstein“ ist deshalb gewählt, weil man das Bild eines mystischen Italiens erstehen lassen will; geht es in der Novelle doch um das Eintauchen eines Studenten in die mystisch, märchenhafte Unterwelt eines italienischen Bergdorfes. Insofern ist auch das Cover-Motiv, das eine Ziege zeigt, schlüssig, da die weibliche Hauptfigur der fantastischen Novelle tatsächlich eine Wer-Ziege ist. 

Musikalisch weist das Ganze eine klassische Neofolk-Grundierung auf, wobei allerdings der italienische Einfluss und Ähnlichkeiten zu Bands wie IANVA, CALLE DELLA MORTE oder INNER GLORY unüberhörbar sind. Insofern stehen männlicher sowie weiblicher Gesang, akustische Gitarren, Bass, Percussion, Flöte, Akkordeon und Cello im Vordergrund. Im Hintergrund sirren aber auch einmal elektrische Gitarren und ab und zu ist ein Saxophon zu vernehmen. Demjenigen der vielleicht denkt, dies würde klanglich nicht funktionieren, sei gesagt: Es funktioniert. Gerade beim flotten Eingangsstück „Il Male dell’Arco“ aber auch bei „Pane Nero“ sorgt das Saxophon für die etwas dreckig, wild vorgestellte Melodielinie im Refrain. Erfrischend. Ansonsten herrscht eine eher melancholische Stimmung vor, die in Klassestücken wie dem komplexen „Gurù“ oder den berührenden „La Casa Dei Vecchi“, „Sangue D’Osterie“ oder „Città Nascosta“ ihren Höhepunkt findet. Wer auf die leider – aus meiner Sicht – oft üblichen Cabaret-Einschläge oder schlimmer: Musical-ähnliche Ausflüge bei ähnlich gelagerten Bands verzichten kann, liegt hier übrigens ebenfalls richtig, da etwas in der Richtung nur bei „La Merica“ zu vernehmen ist. 

Mit diesem Album legen LA PIETRA LUNARE jedenfalls ein abwechslungsreiches, sehr gut produziertes Album vor, das auch spieltechnisch zu jeder Zeit überzeugt. Dabei hat man es vielleicht nicht mit einem wer weiß wie progressiven Werk zu tun, da das Album klangtechnisch auch locker vor zehn Jahren hätte erscheinen können. Darauf kommt es meiner Meinung nach aber auch nicht an. Vielmehr erwartet den Hörer hier ein klassisches Neofolk-Album mit deutlicher italienischer Note, das zu den überzeugendsten Alben dieses Genres in den letzten Monaten gehört.


 
Tony F. für nonpop.de


Verweise zum Artikel:
» LA PIETRA LUNARE @ Facebook
» Interview mit VESTFALIA'S PEACE auf NONPOP


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Zusammenfassung
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Inhalt
Il Male dell’Arco
Che Fare?
Pane Nero
Gurù
L’Uva Puttanella
La Casa del Vecchi
Sangue d’Osterie
La Merica
Cittâ Nascosta
Battesimo di un Somaro
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