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Endsal

TREPANERINGSRITUALEN: Veil The World

Alter Wein in neuen Schläuchen


TREPANERINGSRITUALEN: Veil The World
Genre: Death Industrial
Verlag: Cold Spring
Vertrieb: Cold Spring
Erscheinungsdatum:
8. Januar 2015
Medium: CD
Preis: ~13,00 €
Kaufen bei: Deep Audio


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Einleitend sei ebenso aus- wie nachdrücklich betont, dass das musikalische Treiben des THOMAS MARTIN EKELUND in seiner Inkarnation als TREPANERINGSRITUALEN vom Autor dieser Zeilen seit vielen Jahren ebenso aufmerksam wie enthusiastisch verfolgt wird. Insbesondere regelmäßigeren NONPOP-Lesern dürfte der frenetische Jubel schwerlich entgangen sein, den der Rezensent insbesondere den jüngeren Veröffentlichungen des schwedischen Post-/Death-Industrial-Projektes gezollt hat, als deren unumstrittenes Kronjuwel bis dato wohl das, im vergangenen Jahr bei COLD SPRING erschienene, Album "Perfection & Permanence" gelten muss. Dem kundigen Leser schwant nach dergestalt penetrant verteilten Vorschusslorbeeren freilich nichts Allzugutes, doch gemach – immer hübsch der Reihe nach.

Grundsätzlich lässt sich festhalten, dass der sympathische Göteborger Vollbartträger mit dem dezidiert okkulten Habitus in den letzten Jahren einen kontinuierlichen stilistischen Wandel vom rituell-atmosphärischen und doch noisigen Dark bzw. Black Ambient hin zu zunehmend rhythmisch-tribalesker tönendem Death Industrial mit nachgerade danceflooraffinen Tendenzen vollzogen hat, wenngleich eine gewisse archaische, ja – im positivsten Sinne des Wortes: primitiv-rohe Grundstruktur das Oeuvre bis heute wie ein roter Faden durchzieht. Unverkennbar wurde diese Umorientierung zuerst auf der, 2012 beim, mittlerweile leider in die ewigen Jagdgründe eingegangenen, schwedischen Label RELEASE THE BATS erschienenen 10" "Deathward, To The Womb", und setzte sich in Gestalt der 7"s "Judas Goat" (FANG BOMB 2012) und "Papist Pretender" (LA ESENCIA 2014) sowie dem besagten, letztjährigen Album fort. Parallel zu dieser stilistischen Umorientierung bzw. Horizonterweiterung (angesichts des Umstandes, dass TxRxP auch weiterhin durchaus imposante, rituell-atmosphärische Soundscapes kreiert, ist dieser Terminus im Grunde treffender) war eine zunehmende, genreübergreifende (insbesondere in den Bereich des Black Metal diffundierende) Popularisierung des Projektes zu beobachten, so diese Charakterisierung bei einem dezidierten Nischengenre wie dem Noise-/Dark-Ambient-/Post-Industrial-Sektor überhaupt angemessen sein kann – doch sprechen die Auflagensteigerungen der letzten Veröffentlichungen in dieser Hinsicht eine einigermaßen unmissverständliche Sprache. Im Zuge der geschilderten Entwicklung entfaltete EKELUND auch hinsichtlich seiner Live-Aktivitäten eine Generalmobilmachung ungeahnten Ausmaßes, und wer die Aktivitäten des Projektes während der letzten zwei Jahre qua Zuckerbergs Netzwerkmoloch aufmerksam verfolgt hat, wird den diffusen Eindruck nicht ganz los, als bewege sich der manisch kreative TxRxP-Hohepriester langsam aber sicher in gefährlicher Nähe zu jener kritischen Demarkationslinie, die den Bereich des Umtriebigen gegen den des Inflationären abgrenzt. Bedauerlicherweise stützt die vorliegende CD-Reissue diesen Eindruck mehr, als dass sie ihn entkräftete.

"Veil The World" erschien ursprünglich 2011 als streng limitiertes C-40-Deluxe-Boxset beim polnischen Label NEW NIHILISM bzw. dem angeschlossenen Sublabel KOSCI TAPES. Angesichts des Umstandes, dass es lediglich 40 Personen vergönnt war, ein Exemplar des kultigen Holzkästchens inklusive Booklet nebst beigelegten, rostigen Nägeln zu ergattern, erscheint eine Wiederveröffentlichung in (deutlich) höherer Stückzahl ("1000 copies only“, wie COLD SPRING bescheiden vermeldet) zuerst einmal durchaus sinnvoll, nimmt der aufmerksame "Götisk Dödsindustri"-Freund die Tracklist jedoch genauer in Augenschein, so bemerkt er zu seiner nicht allzu knappen Verwunderung, dass ihm von den dargebotenen neun Tracks geschlagene sechs bereits von der Monumental-Werkschau "The Totality Of Death" bekannt sind, die im vergangenen Jahr, auf zwei separate CDs verteilt, von MALIGNANT RECORDS und SILKEN TOFU unters Volk gebracht wurde. Und leidergottes – auch das gilt es nüchtern zu diagnostizieren – zählen die drei übriggebliebenen Stücke, auf deren Publikation man seinerzeit verzichtet hat – namentlich "Avgrunden", "Akeldama" (auf der ursprünglichen Version "Field Of Blood" betitelt) und "Invocation" -, obendrein nun auch nicht gerade zur Crème TREPANERINGSRITUALEN'scher Wertschöpfung – um es mal mit höflichem Understatement zu formulieren.

Auf eine allzu detaillierte Stück-für-Stück-Besprechung sei vor diesem Hintergrund denn auch verzichtet und stattdessen auf die Rezension verwiesen, die der Kollege Tony F. im vergangenen Jahr bereits zur besagten Anthologie verfasst hat. Inhaltlich nur so viel: Die rituelle, düster-introvertierte Seite des Projektes überwiegt auf "Veil The World" bei weitem, genau genommen eignet lediglich dem Titeltrack dieser projekttypische, massiv nach vorne losgehende Wucht, die eine abgründige Form der Partytauglichkeit generiert; nur er besticht durch den charakteristischen, archaisch-primitiven Tribal-Beat, der Stücke wie "All Hail The Black Flame", "Judas Goat" oder "Konung Kront I Blod" ungeachtet ihrer nihilistischen Zersetzungskraft durchaus tanzflächenkompatibel macht. Auf dem Rest der CD dominiert eine mal mehr, mal weniger stark ausgeprägte, ebenso amorphe wie bedächtig-chthonische Grundatmosphäre mit viel, viel sinistrem Gerumpel und Geschepper, immer wieder durchbrochen – oder besser: durchröchelt, durchgrunzt, durchkrächzt und durchbrüllt von des Meisters, mal mehr, mal weniger durch den akustischen Fleischwolf geschredderten, unverwechselbaren, aus den Tiefen des Abyssos emporquellenden … äh … Stimme. Charakter und Klasse hat "Veil The World" ganz ohne Zweifel, auch wenn das Album sicherlich nicht zu den ausgereiftesten Werken EKELUNDS gehört. Sieht man also von dem extrem hohen Redundanz-Faktor einmal ab, der die vorliegende CD aus den erörterten Gründen auszeichnet, so handelt es sich durchaus um eine solide, professionell umgesetzte und im schnieken 6-panel-Digipak hübsch verpackte Neuauflage, die für stramme Anhänger schon alleine aus Gründen der Vollständigkeit die Anschaffung wert ist. Wer allerdings eine weitere Ausnahmescheibe mit dem Abwechslungsreichtum und dem Unterhaltungswert von "Perfection & Permanence" erwartet, ist hier leider an der falschen Adresse.


 
Endsal für nonpop.de


Verweise zum Artikel:
» TREPANERINGSRITUALEN-Homepage
» TREPANERINGSRITUALEN @ bandcamp
» TREPANERINGSRITUALEN @ facebook
» TREPANERINGSRITUALEN @ discogs
» Veil The World @ COLD SPRING
» Veil The World @ bandcamp

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Zusammenfassung
Reissue eines Boxsets von 2011: Abgesehen vom hohen Redundanz-Faktor – zwei Drittel der Tracks finden sich bereits auf der "Totality Of Death"-Anthologie – solide, hübsch präsentierte Veröffentlichung, die für Fans des Projektes reizvoll, für Gelegenheitshörer eher verzichtbar sein dürfte.

Inhalt
01: Cherem
02: Veil The World
03: Avgrunden
04: Lightbringer
05: Drunk With Blood
06: Nekyia
07: Akeldama
08: Invocation
09: C'est Un Reve

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