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Michael We.

PACIFIC 231 & LIEUTENANT CARAMEL

"Aunt Sally". Blühende Sound-Landschaften


PACIFIC 231 & LIEUTENANT CARAMEL
Genre: Musique concrète
Verlag: Alone At Last
Erscheinungsdatum:
September 2013
Medium: CD
Preis: ~13,00 €
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Zwei Erben von PIERRE SCHAEFFER, den beide gerne zitieren, treffen hier aufeinander. Zum einen der in Irland lebende Franzose PACIFIC 231 alias PIERRE JOLIVET, dessen Moniker bereits die musikalische Ausrichtung verrät: Bei "Pacific 231" handelt es sich um ein kurzes Werk von ARTHUR HONEGGER, welches die Fahrt mit der gleichnamigen Dampflokomotive (allerdings mit einem regulären Orchester, nicht als Musique concrète) umsetzt. JOLIVET ist seit Anfang der 1980er-Jahre aktiv und kann, obwohl sich seine Arbeiten immer in viele unterschiedliche Genres hinein bewegten, zur 'ersten Industrial-Welle' gezählt werden.
Zum anderen LIEUTENANT CARAMEL alias PHILIPPE BLANCHARD, ebenfalls in Frankreich geboren und mit seinem Studio in den französischen Alpen angesiedelt. Er sammelt Sounds für Kompositionen vor allem auf seinen zahlreichen Reisen, insbesondere nach Südeuropa und Vorderasien. (Passenderweise hat er deshalb neben mehreren anderen Preisen auch den "Hunters Of Sounds" von einem französischen Radiosender verliehen bekommen.) Beide reisten im vergangenen Jahr (2012) gemeinsam auf Einladung dortiger Künstler nach Beirut und sammelten – natürlich – eine Reihe von Field Recordings, auf deren Basis nun dieses gemeinsame Werk entstanden ist. Dazu kamen aber auch ältere Aufnahmen, so dass insgesamt Klänge und Arbeiten der letzten drei Jahre in "Aunt Sally" einflossen. Bei zwei Tracks (01 und 06) handelt es sich sogar um Liveeinspielungen aus Beirut und Dublin, die sich auf Anhieb nicht von einer Studioumgebung unterscheiden, was für die Qualität der beiden Musiker im Umgang mit ihren vielen Sounds spricht.

Der Opener "Yellow House In Beirut" (01) lebt von vielen Vocals, hauptsächlich scheint es sich dabei um den Mitschnitt irgendeiner Ansprache zu handeln. Begleitende Klänge sind meistens organischen Ursprungs, auch die sporadischen Trommeln, die teilweise fast eine Art Rhythmus vorgeben und jazziger Percussion recht nahe kommen. Gemeinsam mit den spacigen Pfeif-, Kratz- und Gluckerlauten entsteht so die Atmosphäre einer Stadt; Dark Ambient mit einem sehr stark visuellen Charakter. "Birolo" (02) erinnert mich deutlich an COLUMN ONE, die collageartigen Vocalstrecken mischen sich mit Sounds und Geräuschen, bilden einen sehr dichten Klangteppich und wirken ungeheuer räumlich – unter dem Kopfhörer mindestens wie 7.1! Auch "Bagliore" (03) hat den das Album durchziehenden optischen Charakter, könnte eine Videoinstallation begleiten. Vocals mit Hall, mehrfach geloopt, treffen auf zerrende und doomige E-Gitarre. Der Track geht zunehmend ins jammende und kippt gleichzeitig mit verfremdeten Vocals und dem unheimlichen Stönen Richtung (Alp)Traum. Die Sprechstimme in "Perhentian Kecil" (04) gleicht lyrischer Rezitation, passend unterlegt mit klavierähnlichen, hämmernden Sounds und insgesamt mit einem unheimlichen, schicksalhaften Flair, auch verdeutlicht durch immer wieder auftauchende, sekundenlange Stille. "Angela Palnep Chu" (05) vermittelt zum ersten Mal wirklich orientalische Stimmung, durch entsprechenden Frauengesang mit Gong, später dann abgelöst von Dark Ambient-Passagen und einzelnen Tönen einer Melodica. "L'Autre Massacre" (06) bildet als einheitlich gluckerndes, quäkendes und noisiges Stück den Schluss.

Beeindruckend, wie bildreich die Sprache von "Aunt Sally" ist, obwohl es sich ja 'nur' um Field Recordings handelt! Das Album fühlt sich immer wieder an, als würde man in einem Fotobuch blättern. Hier treffen sich zwei Künstler, denen es gelingt, bloße Sounds mit viel Leben zu füllen. Die gewohnt aufwändige Verpackung von ALONE AT LAST – im verschachtelten Faltcover mit schönen Postkarten – rundet das Werk ab.

 
Michael We. für nonpop.de


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Zusammenfassung
Beeindruckend, wie bildreich die Sprache von "Aunt Sally" ist! Das Album fühlt sich immer wieder an, als würde man in einem Fotobuch blättern. Hier treffen sich zwei Künstler, denen es gelingt, bloße Sounds mit Leben zu füllen.

Inhalt
* lim. 500
* Faltkarton
* Postkarten

01. Yellow House In Beirut (5:59)
02. Birolo (10:16)
03. Bagliore (16:51)
04. Perhentian Kecil (15:34)
05. Angela Palnep Chu (10:54)
06. L'Autre Massacre (8:14)

~ 67 min.
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