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Michael We.

BRUME: Two Characters

Plastisch, dicht und zum Anfassen


BRUME: Two Characters
Genre: Drone
Verlag: Drone Records
Erscheinungsdatum:
September 2013
Medium: Vinyl 10''
Preis: ~12,00 €
Kaufen bei: Labelshop


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Die 10inch-Serie von DRONE RECORDS mit dem Slogan "Sing the song of the unknown!" geht in die 19te Runde. Mit BRUME beteiligt sich ein Projekt, das es eigentlich gar nicht mehr gibt. Wie der Franzose CHRISTIAN RENOU hier schon im Interview erzählt hat, war er sich Ende des Jahres 2000 sicher, BRUME für immer auflösen zu wollen. Unter 'neuem' Namen (C. RENOU) und mit neuer Ausrüstung (die überwiegend aus kaputten, uralten PCs bestand) ging es damals weiter. 2008 allerdings, unzufrieden mit den vielen Experimenten, besann sich CHRISTIAN wieder auf seine Anfänge und belebte BRUME neu, so dass die Spanne der unter diesem Namen veröffentlichten Tonträger inzwischen rund 30 Jahre umfasst; erste Tapes erschienen schon Mitte der 1980er-Jahre.
BRUMEs Musik wird gerne in die Nähe von Musique concrète gerückt, weil der französische Komponist mit vielen originalen Sounds arbeitet, die er einbaut, loopt, verfremdet oder einfach im Original belässt. So entsteht eine sehr eigene, oft in dramatisch klingenden Passagen aufgebaute, industrielle Umgebung. An den beiden rund 15minütigen Stücken auf SUBSTANTIA INNOMINATA, welche offenbar zwei unterschiedliche Seelenzustände einer Person darstellen sollen, waren unter anderem Synthesizer, eine quietschende Tür, ein Altsaxofon, ein Grammofon und viele weitere Geräusch- und Klangquellen beteiligt.

"Zaklasta-Re, The Beautiful" (A) ist der ruhigere, gefälligere Track von beiden. Nach kurzem, rhythmischem Plingen folgen Drones wie langes Ausatmen, wie aus einem großen Lebewesen entweichende Luft, sehr mächtig. Dazu tönt aber plötzlich ein kratziger Instrumentenansatz (Dudelsack, Geige oder tatsächlich die knarzende Tür?), welcher bei zunehmender Kratzigkeit die ruhige, weite Atmosphäre unterbricht und eher bedrohlich oder zerstörerisch für die eleganten Drones wirkt. Zusammen mit den kurzen Vocal-Samples ergibt sich ein 'komponiertes', elegisches Ambiente, das aufgrund seiner Wiederholungen und der hypnotisierenden Stimmung gut als 'rituell' bezeichnet werden kann. Dazu passen auch die langsamen, rhythmischen Schläge am Ende.
"Clazüük, The Dreamer" (B) arbeitet mit beweglicheren Drones, die schneller auf- und absteigen und heller, flirrender klingen. Der Einsatz von Field Recordings (hier ist sie, die knarzende Tür!) nimmt zu, auch Vocals tauchen vermehrt auf. Die vielen Verfremdungen und Stimmsamples verleihen diesem zweiten Stück oft Hörspiel-Charakter, bei Stellen mit viel Text könnte es sich fast um moderne Lyrik plus Untermalung handeln. Zum Schluss hin fügen sich (noch) schnellere Drones zu sphärischen Melodien, Vocalfetzen dazu wirken wie Gesang. Zum Schluss hin arbeitet BRUME aber wieder vermehrt mit Pfeifen und Fiepen, die Geräusche verstummen nie, es herrscht ungemütliche Bahnsteig-Atmo.

Schon die ersten paar Minuten von Seite A zeigen, wie ungeheuer plastisch, dicht und zum Anfassen die Musik von BRUME ist. Zurecht läuft CHRISTIAN RENOU unter 'Komponist', denn ein durchgeplantes Arrangement mit vielen Verdichtungen ist jederzeit zu spüren, im Gegensatz zu vielen zufällig wirkenden Stücken der Genres Dark Ambient et cetera. Ein weiterer würdiger Vertreter der SUBSTANTIA INNOMINATA-Serie!

 
Michael We. für nonpop.de


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Zusammenfassung
Ein paar Minuten zeigen schon, wie ungeheuer plastisch die Musik von BRUME ist. Zurecht läuft CHRISTIAN RENOU unter 'Komponist', denn ein durchgeplantes Arrangement mit vielen Verdichtungen ist jederzeit zu spüren. Ein weiterer würdiger Vertreter der SUBSTANTIA INNOMINATA-Serie!

Inhalt
* lim. 500
* coloured vinyl

A. Zaklasta-Re, The Beautiful
B. Clazüük, The Dreamer
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