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Michael We.

HERMANN KOPP: Zyanidanger

"So bin ich Gift und bleibe Gift ..."


HERMANN KOPP: Zyanidanger
Genre: Angst Pop
Verlag: Galakthorrö
Erscheinungsdatum:
Mai 2013
Medium: CD / LP
Preis: ~14,00 €
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Was für ein Soundtrack! Einige Jahre nach "Under A Demon's Mask" (Besprechung) präsentiert HERMANN KOPP (NONPOP-Interview) nun sein zweites Vollzeitalbum auf GALAKTHORRÖ. Er widmet es einem Buch, welches in vier Bänden zwischen 1843 und 1847 erschien: "Die Geschichte Der Chemie" von – Überraschung – einem Namensvetter des Musikers, dem deutschen Chemiker HERMANN (FRANZ MORITZ) KOPP. Der hessische Professor ist vor allem für seine Grundlagenforschung in der physikalischen Chemie bekannt. Sein Werk stammt zwar aus einer Zeit, welche Chemie bereits als Wissenschaft – mit zahllosen Messungen und Experimenten – anerkannte. Allerdings wurden die so genannten Alchemisten noch im 18. Jahrhundert, also nur kurz zuvor, als 'Hexer' und 'Magier' verfolgt und getötet – obwohl sie oft die selben Versuchsanordnungen verwendeten wie später die Chemiker. An dieser Grenze steht "Zyanidanger", zwischen Wissenschaft und verbotenem Kellerexperiment.

Der Opener, "An Die Chemie" (01), ist – wie das gesamte Album – sehr geheimnisvoll, mysteriös. Mehrere Geigen spielen leicht schräg gegeneinander, wobei eine nicht unschöne, aber dennoch sehr gruselige Melodie entsteht. Neoklassisch und – dieser Vergleich passt zum einen oder anderen Stück auf "Zyanidanger" – WAKEFORDianisch. "Jabir Ibn Hayyan" (02) verstärkt den Eindruck, dass sich ein Großteil der Songinhalte in düsteren Londoner (oder hessischen) Kellern abspielt. Auch hier übernehmen die Geigen (fast) alle Parts (Melodieführung, Rhythmus ...), wodurch sich ganz unterschiedliche Klänge ergeben. Dazu noch eine laute Schelle und ein geisterhaftes Raunen / Stöhnen – die perfekte Begleitung für einen Film Noir! "Mutus" (03) gibt einen Einblick in die Vielfalt, die uns während der kommenden Tracks noch erwartet: Zu einem schepperigen Klavier, wohnhaft auf einem bespukten Dachboden, rezitiert HERMANN KOPP lateinische (Beschwörungs)Formeln, schwebend und flirrend mit Beat versehen. So entsteht geisterhafter 70er-Jahre-Angst-Prog.
Die restlichen, variantenreichen Lieder in Kürze: kratzige Geigentöne (natürlich), flüsternd-manische Rezitation, neoklassischer Kanon, Gefahr und Nervenzerren, chemische Elemente, eine lateinische Frauenstimme und und und. Den Abschluss bildet das auf einer Geschichte von EDGAR ALLAN POE basierende "The Gold Bug", mit dronigem Hintergrund und bedrohlichen Vocals.

'Alchemie' ist ja nun beileibe kein exklusives Thema. Der große Vorteil dieses Albums von HERMANN KOPP ist allerdings, dass es sich auf Stimmungen beschränkt und nicht versucht, Formeln, Texte oder Ähnliches direkt in Musik umzusetzen. So hören wir hier die Gefahr, der sich Chemiker der damaligen Zeit mit ihren Versuchen aussetzten. Die Skepsis, mit der Alchemisten beäugt wurden. Das Geheimnisvolle, nach Feierabend in steinernen Kellern exerziert. "Zyanidanger" ist leicht giftig, morbide und im besten Sinne magisch, stets basierend auf der typischen, kratzigen Geige. Die Chemie stimmt!

 
Michael We. für nonpop.de


Verweise zum Artikel:
» Hörbeispiel "Raven's Head"
» Hörbeispiel "Henry Cavendish"
» Hörbeispiel "An Die Chemie"
» Hörbeispiel "The Gold Bug"
» HK @ Label
» HK @ Wiki
» HK @ Discogs

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» HERMANN KOPP: Cerveau D'Enfant
» HERMANN KOPP: Under A Demon's Mask


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Zusammenfassung
'Alchemie' ist ja nun beileibe kein exklusives Thema. Der große Vorteil dieses Albums von HERMANN KOPP ist allerdings, dass es sich auf Emotionen, auf Szenen beschränkt. Leicht giftig, morbide und im besten Sinne magisch. Die Chemie stimmt!

Inhalt
LP (lim. 343) und CD

01. An Die Chemie
02. Jabir Ibn Hayyan
03. Mutus
04. Arsenicum
05. Raven's Head
06. Metalmorphosis
07. Tabula
08. Alaun
09. Henry Cavendish
10. Black Chemistry
11. Gas Hinter Glas
12. The Gold Bug
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