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Tony F.

IN THE NURSERY: The Calling

Featuring SIMON BECKETT


IN THE NURSERY: The Calling
Genre: Experimental
Verlag: ITN Corporation
Vertrieb: Cargo
Erscheinungsdatum:
Februar 2013
Medium: CD
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Nicht unerwartet veröffentlichen IN THE NURSERY nach dem 2011er Album „Blind Sound“ kein weiteres „normales“ Bandalbum, sondern stellen sich wieder einmal eher in den Dienst anderer Kunstformen. Unerwartet ist es aber, dass man sich diesmal nicht der Vertonung eines Stummfilms oder sonstiger Film-Soundtrack-Arbeiten widmet, sondern sich die Untermalung oder Vertonung von Buchvorlagen vornimmt. Der Albumtitel „The Calling“ und das schlichte schwarz-weiße Cover deuten dabei nicht durch Zufall auf das Buch „The Calling Of The Grave“ (dt. „Verwesung“) von SIMON BECKETT hin – er ist Programm. Das neue Album beschäftigt sich nämlich mit den Romanen um den Forensiker DAVID HUNTER, der von eben jenem SIMON BECKETT ersonnen wurde. Tatsächlich ist der Weg von IN THE NURSERY zu SIMON BECKETT auch gar nicht so weit wie angenommen – zumindest räumlich – denn alle eint der Bezugspunkt Sheffield.

Ob die DAVID HUNTER-Reihe nun als literarisch besonders herausragend einzustufen ist – das Ganze ist ja mehr Teil einer momentan angesagten Strömung –, soll hier nicht Thema sein. Musikalisch liefern IN THE NURSERY jedenfalls einen eher zurückhaltenden aber sehr atmosphärischen, elektronischen Soundtrack ab wie man es auch von älteren Arbeiten gewohnt ist. Damit fällt man insofern nicht auf die üblichen oder erwartbaren Strukturen einer solchen Vertonung herein, als dass kein aufgeregt orchestraler Bombast auf einen einströmt und auch übliche Soundtrackklischees wie die typischen, auf Spannung hindeutenden Keyboardläufe unterbleiben. Die HUMBERSTONEs setzen eben nicht auf Effekthascherei sondern vielmehr auf warme, ja organisch klingende Elektronik, die mit Field-Recordings, Pianoklängen, dosiert eingesetztem Sampling sowie einigen Schlagzeugparts und in zwei Stücken mit dronig, schwebenden Gitarrenflächen angereichert ist. Gleich zu Anfang wird einem so ein gefühlvoll packender Opener mit „Tenure 1“ kredenzt, bei dem IN THE NURSERY-Schlagzeuger DAVID ELEKTRIK dezent Rhythmuselemente einbringt, während ROB MARSHALL die melodischen und eindringlichen E-Gitarren-Flächen ausbreitet. Ähnlich gelagert – wenn auch ohne Schlagzeug – fällt „3 AM“ aus. Ansonsten bleibt die Musik zurückhaltender arrangiert und setzt mehr auf ideenreiches Sounddesign, auch wenn einmal etwas wuchtigere Percussion eingesetzt wird wie in „Afterimage“. Zudem fällt sie im Grunde nicht übermäßig bedrohlich oder betont düster aus.

Abwechslung bringt außerdem der Umstand, dass man es geschafft hat, SIMON BECKETT dazu zu bewegen, einige Passagen aus seinen Romanen zu lesen. Das führt allerdings nicht zu einem Gefühl, als hätte man es mit einem Hörbuch zu tun. Dazu steht die Musik zu weit im Vordergrund und auch nicht jedes Stück ist mit Textpassagen ausgestattet. Vielmehr unterstützen die eher ruhige, nüchterne Art des Lesens und der klare, schnörkellose Stil der Texte die Gesamtatmosphäre wie auch die etwas zurückhaltende, gedrückte Musik besser zum Wesen des Romanhelden passt, als es eine prätentiösere Umsetzung getan hätte. Letztlich gelingt IN THE NURSERY ein sehr interessantes und nicht unbedingt vorhersehbares Werk, das den Automatismus der Produktion von Film-Soundtracks durchbricht, damit auch eigenständiger wirkt als zum Beispiel der letzte Soundtrack zu „The Passion Of Joan Of Arc“ (Besprechung) und somit ein neues Feld für die Band auftut.


 
Tony F. für nonpop.de


Verweise zum Artikel:
» IN THE NURSERY Homepage

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Zusammenfassung
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Inhalt
Tenure 1
Final Metamorphosis
Ensnare
Capture And Control
Third Movement
Tenure 2
Swarm
Inhale
Aspect Dawn
Afterimage
Indicia
3 AM
Entoptics
Thanatophilia
Tiled Room
Black Tor
The Calling
Portal
Foul And Feral
Mortify
Tenure 3
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