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Tony F.

DEUTSCH NEPAL: Amygdala


DEUTSCH NEPAL: Amygdala
Genre: Industrial
Verlag: Autarkeia
Erscheinungsdatum:
März 2011
Medium: CD
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Zu Recht wird der kundige Leser fragen, warum die Rezension des – vorsichtig umschrieben – nicht mehr ganz so neuen Albums „Amygdala“ von DEUTSCH NEPAL erst jetzt erscheint. Zur Erklärung sei gesagt, dass sich NONPOP natürlich stets um alle relevanten Veröffentlichungen bemüht aber auch keine Arbeit um jeden Preis abliefert. Da sich der Kontakt mit dem Label als – abermals vorsichtig umschrieben – recht schwierig erwies, haben wir letztlich von einer Rezension zunächst abgesehen. Leider gibt es in der Musikszene einige Label, die sich mit einer vernünftigen Promo-Arbeit schwer tun – und bei uns muss niemand Anzeigen schalten oder Berichte kaufen, damit man vorkommt. Was man sich als Labelmacher unter einer erfolgreichen Labelarbeit so vorstellt, bleibt dabei insgesamt wohl ein Geheimnis. Warum man als Künstler dann aber nicht gleich alles selbst veröffentlicht, ist mir mittlerweile allerdings auch ein Rätsel. Mich treibt dabei jedenfalls die Befürchtung um, dass viele Musiker überhaupt nicht wissen, wie die Promo-Arbeit ihres Labels eigentlich genau aussieht. Seltsamerweise ist es aber auch kein Sonderfall, dass uns Künstler von sich aus Material überlassen – so auch in diesem Fall. Eine zugegeben späte Rezension dieses recht guten Albums wollte ich deshalb nicht unter den Tisch fallen lassen.
 
Was mir persönlich an DEUTSCH NEPAL seit jeher gefällt, ist, dass man sich, was das Soundbild angeht, nie an irgendwelche Trends angehängt hat. Damit einher geht ein bis heute leicht unsauberer, ja fast organischer Sound, obwohl LINA BABY DOLL natürlich weitestgehend mit Samples und elektronischen Strukturen arbeitet. Der Klang erschafft dabei eigentümliche Atmosphären, die nie steril wirken, sondern eher das Leben widerspiegeln – auf eine bestimmte Art warm – also nicht leblos – wirken, aber auch dreckige Abgründe heraufbeschwören. Auch dem martialischen Bombast, der heute bei einigen Bands nur noch überzogen und tot klingt, hat man sich nie genähert. Symphonische Samples bleiben immer rauschig oder bleiben oft eher im Hintergrund – wurden nie zu prominent nach vorne geschoben. Rhythmuselemente klingen oft dumpf, organisch und nicht hochgezüchtet konzertant. 

Gemocht habe ich auch immer gerade die Stücke, in denen LINA seine, in ihrer Brüchigkeit und Rauheit zur Musik passende Stimme hören ließ – und da kommt „Amygdala“ gerade recht, da hier ein doch beträchtlicher Teil der Stücke mit Gesang aufwartet. Somit hat man auch mehr als auf früheren Alben das Gefühl, dass es sich bei den Stücken auf „Amygdala“ vermehrt um echte Songs handelt, statt um Sound-Collagen oder Ambientsounds. Das macht es dem Hörer natürlich einfacher, für sich Ankerpunkte zu finden. Gleich der erste Ankerpunkt ist dann auch mit dem geradezu hymnischen „Eternal Day“ gesetzt. Kräftige Bläserpassagen werden von der sich in die Höhe schwingenden Stimme von LINA begleitet und drum herum breitet sich ein treibendes Schlagwerk aus. Dieses Eröffnungsstück wird aus meiner Sicht später allerdings noch durch das eigentliche Highlight des Albums „An Invitation To Heaven“ getoppt, bei dem LINA inbrünstig, beschwörend, wie einer Litanei folgend singt, während sich typische Klanglandschaften á la DEUTSCH NEPAL darum herum ausbreiten. Interessant ist die künstlerische Doppeldeutigkeit des Stücks, das so einige Interpretationsmöglichkeiten liefert, da die mantraartige Anrufung von „Amygdala“ kombiniert mit dem Namen des Stücks eher auf einen weiblichen Bezug deutet – wobei „Amygdala“ eigentlich ein Kernbereich des Gehirns ist, der wesentlich an der Entstehung der Angst beteiligt ist. Das vor „An Invitation To Heaven“ angesiedelte Titelstück „Amygdala“ weist mit seinen düsteren, kratzigen Sounds dann auch vielmehr zu der eigentlichen Bedeutung. Die äußerst gelungenen Beiträge von LINA auf dem jüngsten Album von DER BLUTHARSCH & THE INFINITE CHURCH OF THE LEADING HAND (Besprechung) haben in diesen beiden Stücken aber auch in „We Shall Live Again“, dessen Rauheit durch E-Gitarrenanschläge verstärkt wird, auf jeden Fall würdige Vorgänger. 

Die Mischung des Albums gefällt insgesamt, da zwischen den Stücken mit Gesang immer wieder instrumentale Soundcollagen wie eben das Titelstück, „The Carnivors Cave“ oder „A Swinging View From The Gallows“ eingestreut werden. Ein vielleicht etwas unauffälliger aber sehr packender Song steht dann schon fast am Ende des Albums: das formidable „Dead Dogs Entertainment“. Ein Song, der die ruhigere, melancholische Seite DEUTSCH NEPALs betont, mit rauschigen Klassiksamples arbeitet, eine leicht verstörend klaustrophobische Atmosphäre heraufbeschwört und mit einem packenden, melancholischen Gesang daherkommt. 

Tatsächlich fällt mir kaum ein DEUTSCH NEPAL-Album ein, das derart kompakt und über das Ganze gesehen so überzeugend ausfällt. „Amygdala“ ist letztlich ein ausgewogenes, abwechslungsreiches Album geworden, das mit allen Pfunden wuchert, die DEUTSCH NEPAL so zu bieten hat. Für mich nach wie vor ein eher unterschätztes Projekt.


 
Tony F. für nonpop.de


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Zusammenfassung
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Inhalt
Eternal Day
Take U Out Of Control
Amygdala
An Invitation To Heaven
The Carnivors Cave
We Shall Live Again
A Swinging View From The Gallows
Dead Dogs Entertainment
Hard To Breath
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