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Markus B.

O. CHILDREN: Apnea

Auferstanden aus Ruinen


O. CHILDREN: Apnea
Genre: Post-Punk
Verlag: Deadly People
Vertrieb: Deadly People
Erscheinungsdatum:
15.06.2012
Medium: CD / LP
Preis: ~13,00 €
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Das selbstbetitelte Debütalbum der Londoner von 2010 wurde von der britischen Musikpresse in den höchsten Tönen gelobt, leider jedoch von der Mehrzahl der Post-Punk-Fans außerhalb der Insel kaum beachtet. Mit dem nun erschienenen Nachfolgewerk sollte die Zeit für die Band gekommen sein, auch die Knochenschüttler in heimatlichen Gefilden aus der Gruft zu locken. Doch schippern O. CHILDREN mit „Apnea“ tatsächlich wieder in bekannten „New-Wave-Gewässern“?
Ganz so ist es nicht, denn wie so oft haben Lebensumstände einen großen Einfluss auf die Kreativität und Richtung, in welche der Kahn gesteuert wird. Im Falle von O. CHILDREN wäre das Ende der Band durch widrige Umstände beinahe erzwungen worden.
Als Sänger und Frontmann TOBIAS O’KANDI während einer Bahnfahrt mit seinen Bandkollegen keinen gültigen Fahrausweis vorzeigen konnte, wurden die Behörden im Zuge der Ermittlungen darauf aufmerksam, dass das Visum des Sängers bereits 1997 abgelaufen war. Die darauf folgenden Gerichtsverfahren und die drohende Abschiebung beflügelten den dunkelhäutigen Hünen dazu, in vielen schlaflosen Nächten das nächste Kapitel in der noch jungen Bandgeschichte aufzuschlagen. Der Titel des Albums entstand in Anlehnung an die gesundheitlichen Probleme, die mit dieser nervenaufreibenden Lebenssituation einhergingen.
Fast schon könnte man dafür dankbar sein, denn auf Apnea ist die nahezu beklemmend-düstere Stimmung des Debüts nur noch vereinzelt spürbar. Alles andere wäre doch auch Stillstand gewesen, denn die Stimmung von Songs wie „Ruins“ sollte man nicht zu kopieren versuchen. (Jedem der sich mit O. CHILDREN befassen möchte, sei dieser Song als Einstieg ans Herz gelegt. Dies nur als Randnotiz ...)
„Holy Wood“ knüpft dort an, wo „Ruins“ aufgehört hat. Ein fantastischer Auftakt, welcher beim Hörer spätestens mit den ersten Gesangszeilen von TOBIAS’ tiefem Bariton unter Garantie eine Gänsehaut bewirken wird. Seine unverwechselbare Stimme verleiht den Songs auch hier wieder die einzigartige Note, die vielen Bands der trendigen Post-Punk Epoche der letzten Jahre leider fehlt. Frei von Einflüssen sind O. CHILDREN selbstverständlich nicht. Hier und da ertönt die Gitarre im Stile der Spielart eines DANIEL KESSLER (INTERPOL).
„Oceanside“ erinnert merkwürdigerweise irgendwie an 70er Schmachtpop à la ROXY MUSIC. An dieser Stelle fällt auf, dass „Apnea“ wesentlich fröhlicher ist als das Erstwerk, auch wenn eine melancholische Grundstimmung nicht von der Hand zu weisen ist. Dennoch spielen O. CHILDREN längst nicht mehr nur den „Gruftpop“ (die Briten bezeichnen es als „New Grave“), auf welchen sie bis anhin gerne reduziert werden. Es dominieren eingängige Melodien und tanzbare Songs, die sich sehr angenehm mit den eher ruhigen Passagen abwechseln.
„The Realest“, „Yours For You“ und das hymnische „Chimera“ legen ein ordentliches Tempo vor, stets wird ordentlich getrommelt und gerockt. Die Songs leben auch von den atmosphärischen Keyboards und dem allgegenwärtigen Bass – eine unwiderstehliche Mischung.


Wer nach dem Genuss von „Apnea“ wieder den Stempel JOY DIVISION auf das Cover drücken möchte, kennt den zumeist betrübenden Sound der Manchester wohl nur aus Erzählungen. Denn in dieser Produktion verbirgt sich eindeutig zu viel „Joy“, als dass sie dieses Zeugnis verdient hätte.
Es wird also wirklich Zeit, die Band nun endlich für ein paar Konzerte auf das europäische Festland zu holen. Der Anfang ist schon getan, denn Ende Juli werden O. CHILDREN auf dem niederländischen WGT, dem Festival SUMMER DARKNESS in Utrecht spielen. Hoffen wir auf ein paar Gigs in Deutschland in naher Zukunft – es muss ja vielleicht nicht immer nur auf Gothic-Festivals sein.

 
Markus B. für nonpop.de


Verweise zum Artikel:
» Offizielle Band-Webseite
» MySpace-Seite

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Zusammenfassung
Das zweite Album besticht durch eine gute Produktion und eine bunte Palette unterschiedlicher Stimmungen. Ganz im Sinne des farbenfrohen Covers sind O. CHILDREN längst nicht mehr nur eine von vielen Gothic-Truppen der Post-Punk-Generation.

Inhalt
01. Holy Wood
02. The Realest
03. Red Like Fire
04. Oceanside
05. PT Cruiser
06. I Know (You Love Me)
07. Yours For You
08. H8 City
09. Swim
10. Solid Eyes
11. Chimera

2 Bonus Tracks im iTunes-Shop erhältlich:
(12.) Decider
(13.) Chimera (Instrumental)
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