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Tony F.

SOL INVICTUS: In A Garden Green

Rerelease


SOL INVICTUS: In A Garden Green
Genre: Neofolk
Verlag: Auerbach...
Vertrieb: Prophecy
Erscheinungsdatum:
August 2011
Medium: 2xCD
Preis: ~19,00 €
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Mit „In A Garden Green“ wird in der Re-release-Reihe eines der stärksten SOL INVICTUS-Alben überhaupt endlich wiederveröffentlicht.
 
Beginnend mit dem Album „In The Rain“ hatte SOL INVICTUS personell damals eine gehörige Runderneuerung erfahren. KARL BLAKE blieb natürlich eine Konstante aber mit MATT HOWDEN, SALLY DOHERTY und ERIC ROGER gesellten sich über die Jahre Musiker hinzu, die SOL INVICTUS musikalisch in etwas andere, auch opulentere Bahnen lenkten.

Nach dem ersten Album dieser neuen Besetzung namens „The Blade“ im Jahr 1997 legten SOL INVICTUS schließlich mit „In A Garden Green“ ein aus meiner Sicht grandioses Album vor.
Auf diesem Album passte eigentlich alles. Wunderbar wehmütige Songs wie „Europa Calling“ oder das fantastische WAKEFORD/BLAKE-Duett „In A Garden Green“ – ausladend wie nie arrangiert – nehmen den Hörer eigentlich noch bis heute gefangen. Aber auch das kräftigere „Come The Morning“ oder „No One“ sind Höhepunkte im Schaffen von SOL INVICTUS. Dazu wurden perfekt auflockernde, weil andersartige Stücke wie die Litanei „O Rubor Sanguinis“ oder auch das traditionelle „The Praties Song“, das allerdings aus meiner Sicht später von SALLY DOHERTY auf ihrem „Black Is The Colour“-Album noch packender umgesetzt wurde, gestellt.

Was dieses Album ausmacht, ist das perfekte Zusammenspiel aller Akteure. MATT HOWDENs damals noch unbekanntes, nicht so dauerpräsentes, sich verzehrendes Violinenspiel, SALLY DOHERTYs charakteristischer, TONY WAKEFORDs Stimme quasi auf einer anderen Ebene doppelnder Gesang, KARL BLAKEs grummelnder Bass und ERIC ROGERs Beiträge mit Flöten und Trompeten – TONY WAKEFORD natürlich im Zentrum.
Was einen letztlich aber gepackt hat und bis heute nicht loslässt, war diese Erhabenheit und tiefe Melancholie, die die Stücke des Albums ausmachen und die heute zu sehr fehlen. Man hatte das Gefühl, die Essenz von SOL INVICTUS vor sich zu sehen – durchzogen von Erfahrungen der Jahre; mit einem vielleicht wehmütigen Blick auf stürmischere Zeiten und Lieder à la „Amongst The Ruins“.

Ein fast ähnlich starkes Album gelang SOL INVICTUS dann nur noch mit „Hill Of Crosses“. Danach begann allerdings der lange Abstieg mit dem Tiefpunkt „The Devil’s Steed“. Vielleicht hat „In A Garden Green“ auch deshalb eine Sonderstellung bei mir, weil es den bisher letzten Höhepunkt der Geschichte der Band darstellt.

Um die Veröffentlichung von „In A Garden Green“ in einen musikalischen Kontext zu setzen, erschien dieses Album allerdings auch zu einer Zeit, in der es mit dem Apocalyptic-Folk unter dem neuen Label „Neofolk“ – mitsamt anverwandter Bereiche – nach einer merklichen Talsohle wieder bergauf ging. Zwar hatten DEATH IN JUNE ihre beste Zeit unwiderruflich hinter sich und auch CURRENT 93 befanden sich eher in einer aufkommenden Schwächephase aber andererseits war WORLD SERPENT DISTRIBUTION noch in voller Blüte, sodass im gleichen Jahr auch BACKWORLDs „Anthems Of The Pleasure Park“ dort vertrieben wurde. Der deutsche Neofolk stand mit FORSETI, DARKWOOD und ORPLID mit den ersten Veröffentlichungen zudem auf der Schwelle. Und auch im angrenzenden Martial Industrial und Military Pop tat sich nun einiges.

Im Zuge der Wiederveröffentlichung von „In A Garden Green“ hat man es sich nun aber nicht nehmen lassen, noch einmal Hand anzulegen. Das gilt zum einen für das Artwork, das sich nun an das Artwork des neuen Albums „The Cruellest Month“ wie auch die anderen Wiederveröffentlichungen anlehnt. Im Vergleich zum TURSA-Release, das einheitlich in Grün gehalten war und teilweise in einem Pappschuber mit Mini-Poster des TOR LUNDVALL-Covermotivs erhältlich war, dominiert nun ein eher steril wirkendes Weiß, was für mich doch einer Verschlechterung gleichkommt, zumal auch einige Bilder des Originalbooklets nicht übernommen wurden.

Zum anderen wurde dem Original-Album nun erfreulicherweise eine zweite CD beigelegt, die ein Konzert der Band im französischen Villeurbanne dokumentiert. Wohlweislich mit „Bootleg“ tituliert, ist hier nicht mit einem hochauflösenden Live-Mitschnitt zu rechnen, sondern mit einem Dokument der damaligen 1999er Tour, das den typischen wattigen, undynamischen und flachen Sound einer Raumaufnahme zeitigt – störendes Gerede oder andere Geräusche sind glücklicherweise aber nicht zu vernehmen. Der Gesamtsound ist stabil und lässt sogar das Heraushören so einiger Details zu. Die Setlist bestand bei dem Konzert im Grunde aus den Stücken, die man auch auf den Konzerten in Deutschland zu hören bekam – also hauptsächlich aus Material der Alben „The Blade“ und „In A Garden Green“, garniert mit Klassikern wie „Amongst The Ruins“, „Media“ oder „A Ship Is Burning“. Dies ist zusätzlich reizvoll, weil man von SOL INVICTUS heute aus der Phase „The Blade“ bis „Thrones“ eigentlich leider gar nichts mehr live zu hören bekommt – ausgenommen „Eve“. Fast wehmütig wird sich der damalige Konzertgänger aber an den Charakter erinnern, die diese Inkarnation von SOL INVICTUS besaß. TONY WAKEFORD saß noch nicht während des Konzerts wie er es heute tut, MATT HOWDEN wirbelte auch schon damals in seiner typischen Art über die Bühne und der bärbeißige KARL BLAKE, der wenn er fotografiert wurde auch schon einmal minutenlang mit dem Rücken zum Publikum spielte, ist für mich ohnehin einer der größten Verluste der Band. Die Live-Aufnahme zeigt aber auch die musikalische Klasse der Band zu jener Zeit – dies vor dem Hintergrund, dass man heute oft über doch deutliche Spielfehler und Rhythmusprobleme der neuen Mitstreiter WAKEFORDs hinwegsehen muss. So gesehen rundet diese zweite Live-CD die Wiederveröffentlichung perfekt ab.


 
Tony F. für nonpop.de


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Inhalt
CD1
Europa
Come The Morning
O Rubor Sanguinis
Song Of The Flower
Ave Maria
In A Garden Green
The Praties Song
No One
Europa Calling

CD2
O Rubor Sanguinis
Come The Morning
In My Garden
In A Garden Green
Remember & Forget
Amongst The Ruins
Media
The Fool
Sheath And Knife
Fields
Believe Me
See How We Fall
Laws And Crowns
A Ship Is Burning
Against The Modern World
In Europa
Death Of The West
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