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Michael We.

POST SCRIPTVM: Grey Eminence

Sinkendes U-Boot und Industrial-Jazz


POST SCRIPTVM: Grey Eminence
Genre: Dark Ambient
Verlag: TESCO
Medium: CD
Preis: ~14,00 €
Kaufen bei: Tesco


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Zunächst war ich etwas ernüchtert, weil ich mir einbildete, dass "Grey Eminence" weniger industrielles Flair habe als der Vorgänger "Raspad" (NONPOP-Besprechung hier). Bei genauerem Hinhören erwies sich diese vorschnelle Einschätzung schnell als Fehlurteil. Das aktuelle Album des russischen Paares klingt zwar vordergründig nicht immer nach 'Industrial', weshalb diese Rezension auch unter 'Dark Ambient' läuft. Es weist aber von allen POST SCRIPTVM-Veröffentlichungen die depressivste, klaustrophobischste und hoffnungsloseste Atmosphäre auf.

Stammen die Melodiefragmente des ersten Stückes wirklich aus einem Marimbaphon? Die improvisiert wirkenden, immer wiederkehrenden Tonfolgen klingen auf jeden Fall so, was nicht nur während dieses Tracks dazu einlädt, sich neue Genres wie 'Industrial-Jazz' auszudenken. Dazu ein knirschendes, russisches Flüstern und geisterhafte Drones, die eine sphärische, kosmisch weite Landschaft öffnen. Trotz der Langsamkeit entsteht eine komprimierte Dichte, unterstützt von den organischen Elementen wie Glockengeläut und Atemgeräusche eines überirdischen Wesens. Ein starker Sog erfasst den Hörer und lässt ihn schweben durch Dunkelheit und Leere. Jazz und Lebewesen begegnen sich in "Abortion Of Memory" (2) wieder: Sounds von Bläsern / Streichern und dunkles Gelächter schleppen sich voran, hier manifestiert sich endgültig die Mischung aus Verzweiflung und einer sich im Angesicht des Todes einstellenden Ruhe, fast Vorfreude. "Tarantulla Pattern" (3) erreicht mit wenigen Elementen das Maximum dieser Misch-Stimmung. Ein dezenter Loop lässt ständig erwarten, dass gleich das elektronische Donnerwetter losbricht, was aber trotz permanenter Spannung nicht geschieht. Dafür zieht ein gesungener Drone wie aus einer Opernarie auf. Nach Industrial in Zeitlupe – dort ein Scheppern, hier ein vorbeizischendes Krachen, zwischendurch ein Quietschen und Stimmengewirr im Hintergrund, ein Ausbund an Einsamkeit und Verlorenheit – startet der düstere Höhepunkt: Motorengedröhn oder verlangsamtes, verfremdetes Gewehrfeuer mischt sich mit verzerrten, wüsten Stimmen. Aber selbst hier, in der tiefsten Soundwüste, bietet eine Snaredrum Orientierung, die klar und unverfälscht trommelt. Nach Frauengesang und Wolfsgeheul in zähflüssiger Soundumgebung beginnt mit monotonem Stampfen, noisigen Frequenzen und immer wieder russischen Stimmen der Track ("Homo Spectator", 7), der mir das Bild geliefert hat, welches zur gesamten CD passt: "Grey Eminence" könnte die Geschichte eines in Zeitlupe sinkenden U-Boots und seiner Mannschaft erzählen. "White Shamans" (8) kehrt schließlich zu den Ausgangsklängen zurück, den xylophonigen Tönen, die drogigen Drones wabern noch etwas langsamer und zerfasern am Ende in ein windiges Rauschen.

"Grey Eminence" ist hoffnungslos depressiv, manchmal aber auch – unglaublicherweise sogar gleichzeitig – voller Ruhe, sich der Ästhetik des tiefen Abgrunds bewusst. Die Kompositionen klingen äußerst modern, gehen in Richtung von hörspielartigen Collagen der Elektroakustik. So sehr wie noch auf keinem POST SCRIPTVM-Werk sticht der präsente, klare Klang heraus, für den ANDREAS WAHNMANN (alias FIR§T LAW) an den Reglern verantwortlich ist. Oft finde ich es anstrengend, wenn ein Booklet mit Basisinformationen fehlt, bei "Grey Eminence" macht das nichts. Die Stimmung ist ohne Unterbrechung zum Anfassen kompakt. So ergeben sich die persönlichen Interpretationen von selbst und müssen auch nicht mit dem Vorschlag von Label und Band auf deren Homepage übereinstimmen, welcher eher spiritueller Natur ist und von geheimen Mächten erzählt, die den Menschen an seiner Selbstverwirklichung hindern wollen. Nach – mein persönlicher Eindruck – längerer Genreflaute mal wieder ein weit überdurchschnittliches Dark Ambient-Album.


POST SCRIPTVM live
@ TESCO-Festival Antwerpen (07)

 
Michael We. für nonpop.de


Verweise zum Artikel:
» POST SCRIPTVM @ myspace

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Zusammenfassung
Hoffnungslos depressiv, manchmal aber auch - sogar gleichzeitig - voller Ruhe, sich der Ästhetik des Abgrunds bewusst. Die Kompositionen klingen modern, gehen in Richtung von hörspielartigen Collagen der Elektroakustik, klar und präsent im Klang. Ein überdurchschnittliches Dark Ambient-Album.

Inhalt
1. Bell Glass Dome
2. Abortion Of Memory
3. Tarantulla Pattern
4. Nausea Vortex
5. Upon Decadent Scum
6. Rauschnarkoz
7. Homo Spectator
8. White Shamans
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