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Dominik T.

BRISEN: Madre Tenebra

Dazu DUNGEON: Bleeding Crosses


BRISEN: Madre Tenebra
Genre: Black Metal
Verlag: Satanic Records
Medium: CD-EP
Preis: ~6,00 €
Kaufen bei: Legion Of...


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2010 wird, egal ob es musikalisch zufriedenstellend sein wird oder nicht, als das Jahr der BURZUM-Rückkehr in die Black Metal-Geschichte eingehen. Für weitaus weniger Medienecho sorgte Ende des vergangenen Jahres das Comeback der ersten und auch bis heute besten BURZUM-Epigonen: BRISEN aus Rom, Italien. Diese Band veröffentlichte 1993, kaum später als der Graf, ihr erstes Demo, damals noch unter dem Namen DUNGEON und musikalisch damals noch in einem tobenderen, an BURZUM nur entfernt erinnernden Stil. Wer weiß, wäre diese Formation in Skandinavien beheimatet gewesen oder hätten sie wenigstens eine italienische Kappelle zerstört, würde man ihren Namen vielleicht ähnlich ehrfurchtsvoll in Ehren halten wie eben BURZUM. So war aber nach einem vielversprechenden Beginn und z.B. einem Interview in der ersten Ausgabe des heute begehrten TALES OF THE MACABRE-Fanzines bereits 1996 nach ihrem CD-Debüt „Shade Of Soul“ wieder Schluss.
Dieses Album hat es aber wahrlich in sich und fasziniert nach über dreizehn Jahren eher noch mehr als zur Entstehungszeit. Ich hoffe zumindest, dass es den nun neugierig gewordenen ebenso geht. An BURZUM oder auch an die Schweden SORHIN erinnert vor allem der extreme Kreischgesang, wenn auch die Römer ein klein bisschen mehr Hall auf die Stimme legten, dazu kommen obskur-dumpfe Drums und ein depressiv gewendeter, seltsamer Midtempo-Groove, der für den damaligen Black Metal doch sehr ungewöhnlich war und erst rund fünf Jahre später mit AKITSA, ASH POOL (das PRURIENT-Projekt) oder BONE AWL erste Nachahmer fand. Logisch, dass man diese Band vor allem mit BURZUM verglich, ihre Stücke waren aber kürzer, weniger episch und wirkten morbider, weniger freie Natur atmend als die Kompositionen des Grafen. Beachtlich auch die kurzen Akustikgitarren-Zwischenstücke, wie man sie auch bei DISSECTION zu hören bekam.
Leider ist nun ihre Comeback-EP „Madre Tenebra“ doch ein klein wenig enttäuschend ausgefallen. „Enttäuschend“ in dem Sinne, dass Enttäuschung die normale, erste Reaktion alter Fans sein dürfte, denn es geht nicht so unverkennbar und unverwechselbar mit ihrem „Shade Of Soul“-Stil weiter, sondern kloppt nach einem sehr atmosphärischen Intro ohne diesen Groove und mit weitaus mehr Tempo ungestüm vor sich hin. Überhaupt scheint man sich mehr auf italienische Horror-Traditionen besinnen zu wollen, der behutsame, leichte Keyboardeinsatz (der früher zwar nicht völlig fehlte, aber höchstens mal ein Hall war) und auch eine beschwörende italienische Klarstimme weisen jedenfalls in diese italienische Horror-Stimmung (GOBLIN, DARIO ARGENTO etc.). Alles in allem erinnern BRISEN anno 2009 wieder an die Zeiten, als sie noch DUNGEON hießen und damals eine der wenigen lupenreinen Black Metal Bands in Italien waren. Das ist alles mehr als in Ordnung und atmosphärisch dicht, zumal das (angeblich italienische) Kreischen auch bei der gewachsenen Konkurrenz von heute kaum Vergleiche kennt, aber wären mir BRISEN mit diesem Material unter anderem Namen aufgefallen? Vermutlich nicht.
So bleibt mir nur, den Lesern zu empfehlen sich unbedingt das mittlerweile rar gewordene „Shade Of Soul“ Album von 1996 gebraucht zu besorgen. Man wird dann wahrscheinlich merken, dass in diesem Album was lebt, was man nicht einfach nur unter "BATHORY und die Folgen" verbuchen kann (wie noch SAMAEL), Nein, die Keime, die heute den „Hipster Black Metal“ sprießen lassen und die ja auch an sich keine schlechte Sache wären, wenn das Lob historischer gerechter verteilt werden würde, waren genau bei solchen Bands wie BRISEN schon angelegt. Man hörte eben, dass manch eine Black Metal-Band in Bereiche vorstieß, die mehr waren als bloß eine Heavy Metal-Unterart. Diese Besonderheit konnten BRISEN nun also dreizehn Jahre später nicht halten und sind zu einer Metalband zurückgeschrumpft, aber so sind sie gewiss nicht zum Album des Jahres im THE WIRE zu küren.

Mittlerweile kann man auch das alte DUNGEON-Demo „Bleeding Crosses“ (1993), zusammen mit CATACOMB und BURIAL, zwei weiteren Band, in der zumindest der Drummer MALIGNANCY spielte (der aber wiederum nie zu BRISEN gehörte), auf CDR bestellen, auch das lohnt sich! druckvoller, simpler Black Metal, ähnlich traditionell wie die deutschen UNGOD. CATACOMB und BURIAL hingegen spielten doomigen, sehr stimmungsvollen Death Metal, wie ihn etwa  zeitgleich auch die empfehlenswerten Landsleute NIHILI LOCUS zelebrierten (und auch nicht weit entfernt von den dominion-ep-1993.html">ersten BETHLEHEM-Aufnahmen).  Die CDR bietet den Hörern allerdings nicht CATACOMBs rare EP "The Return Of The Ark" (1993), sondern alte Proberaumaufnahmen, was zusätzlich zur Atmosphäre beiträgt. Ohne MALIGNANCY nannten sich CATACOMB später in NOVEMBRE um und landeten verhältnismäßig erfolgreich beim renommierten PEACEVILLE-Label. Die CDR kostet 5 Euro (inkl. Porto weltweit) über ihre Myspace Seite). DUNGEON sind auch wieder aktiv, d.h. die Band, die zumindest ich als BRISEN-Vorgänger abgespeichert hatte, ist nun eine von BRISEN unabhängige Band. 





 
Dominik T. für nonpop.de


Verweise zum Artikel:
» BRISEN
» DUNGEON


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Zusammenfassung
Über das komplizierte Beziehungsgeflecht dreier
italienischer Black/Death Metal Bands:
BRISEN, DUNGEON und CATACOMB.

Inhalt
mini CD, ltd 1000 h/n copies

1. Non=luce
2. Neroculto
3. Presenze
4. Madre Tenebra
5. Salmo XVII

Total playing time 16:38


DUNGEON "Bleeding Crosses", Demo 1992 auf CDR

1. Holocaust (intro)
2. Witches Pyramid
3. Thunderous Call
4. From The Bowels Of The Earth
5. Welcome To Hell (VENOM Cover)
6. Total Infernal Chaos

Bonus tracks:

DUNGEON: Welcome To Hell (VENOM Cover, Live 1991)

BURIAL: Into My Subconscious, Promo 1991

CATACOMB: Rehearsal Demo, 1990

1. Spontaneous Combustion
2. Foreseen Epitaph
3. The State of Apparent Death

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