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Dominik T.

WOLVES IN THE THRONE ROOM

Nebst weiteren Rezis und unsystematischen Anmerkungen


WOLVES IN THE THRONE ROOM
Genre: Black Metal
Verlag: Southern Lord
Vertrieb: Soulfood
Erstellt: 17.04.2009
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Absonderliche Black Metal-Welten

Der „Black Metal“ hat seit den frühen Neunzigern einen weiten Weg hinter sich. Ursprünglich war diese meist rasend schnell gespielte Extremform des Metal eine Nischenmusik, die aufs Engste mit „neuheidnischer“ oder gleich „satanischer“ Ideologie verbunden war. Jugendlichen Black Metallern geht es um eine diffuse Feindschaft. Auf Photos setzt man sich archaisch in Pose, etwa mit „Kriegsbemalung“ und Streitäxten im Wald, um der gefühlten Entfremdung zur modernen Welt Ausdruck zu verleihen. Bilder dieser Art werden das Image der Musik immer prägen, doch hat sich das Spektrum der Botschaften enorm erweitert und mitunter geradezu umgekehrt. So gibt es heute sogenannte „Unblack Metal“-Gruppen, die stilistisch und physiognomisch zwar kaum von den herkömmlichen Projekten zu unterscheiden sind, aber nun offensiv eine christliche Botschaft verkünden. Solche Formationen geben sich dann, den dramatischen Duktus ihrer Widersacher annehmend, Namen wie LIGHT SHALL PREVAIL (USA) oder CRUSH EVIL (Norwegen, die späteren ANTESTOR, mit MAYHEM-Schlagzeuger HELLHAMMER übrigens). Eine Armageddon-Inszenierung mit verteilten Rollen innerhalb einer Subkultur? Ein pubertärer Mummenschanz? Jein, denn genauso vielfältig wie die Botschaften ist der heutige Black Metal in seiner qualitativen Bandbreite. Einer Gruppe wie WOLVES IN THE THRONE ROOM (USA) gelingt es beispielsweise mit ihrem „ökosophischen“, von RUDOLF STEINER, OTFRIED EBERZ und GÜNTER BARTSCH inspirierten Folk-Black Metal im Umfeld der "Berlinale“ (der "Transmediale") aufzutreten, was freilich noch nichts über Qualität aussagt, aber zeigen kann, wie breit diese Musik mittlerweile rezipiert wird. Woran liegt’s? Was ist das Besondere? Zuerst wäre hier anzuerkennen, wie sehr dieser Stil sich als inspiriert bis im Vollsinne „besessen“ versteht und Ausdruck einer ernsten Weltanschauung sein will. In dem Sinne ist etwa C.G. JUNGs berühmter „Wotan“-Essay (1936), in dem er vom Aufbrechen eines "furor teutonicus" unter der dünnen Schicht christlich-aufgeklärter Kultur schrieb, ein für den neopaganen Teil des Black Metals wichtiges Referenzwerk geworden. Dazu passend wird Black Metal als künstlerische Ausdrucksform weltweit zunehmend als Vehikel für kulturnationalistische Bestrebungen benutzt.

CHTHONIC, FORTERESSE und der Kulturnationalismus



CHTHONIC: UNlimited Taiwan, SPV M-CD, 2007

Die taiwanesische Gruppe CHTHONIC, die zwar klingt wie eine westliche, kommerziell ausgerichtete Genre-Band, lyrisch aber taiwanesische Legenden verarbeitet und sich politisch für die Unabhängigkeit von China einsetzt, wäre so ein Fall. Zuhause sind CHTHONIC echte Stars und nun versucht man über SPV auch den europäischen Markt zu erobern. Hilfe dafür bot der derzeitige Repräsentant Taiwans in Deutschland, der sie der Presse vorstellte. Hört man sich den bombastischen, Keyboard-getränkten Black Metal mit typischer Kreischstimme und einer „Er-Hu“-Begleitung (asiatische Violine) ihrer 2007 erschienenen und für Europa produzierten Maxi-Single „UNlimited TAIWAN“ an, könnte ein relativer Durchbruch auch hier durchaus funktionieren



FORTERESSE: Traditionalisme EP, SEPULCHRAL PRODUCTIONS, 7" Vinyl-.Single , 2007

Künstlerisch interessanter sind jedoch zweifelsohne FORTERESSE aus Québec, Kanada. In der französischsprachigen Provinz hat sich die Black Metal-Szene thematisch fast vollständig der kulturellen Traditionspflege bis hin zum Separatismus, weg vom englischsprachigen Kanada, zugewendet. Viele werden ihre Musik als puren, rauschenden Gitarrenkrach, nebst Geschrei empfinden, doch dem geübten Ohr offenbart sich inmitten des Getöses irgendwann eine eigentümliche romantische Sehnsucht und mithin feine Melodien hinter eisigen Nebelschwaden (Man wird sich erinnern, dass genau dieses Initiationserlebnis, hinter dem Rauschen eine neue Welt zu entdecken, einst die wichtigste musikalische Errungenschaft des nordischen Black Metals Anfang der Neunziger war). Aufgelockert wird dies durch Aufnahmen historischer Fiddle-Musik und dramatischen, den Wert autochthoner Traditionen hochhaltenden, französischen Ansprachen. FORTERESSE zeigen damit eindrücklich, dass man Teile des Black Metals durchaus als eine, wenn auch zutiefst eigentümliche Form der Volksmusik verstehen kann.

WOLVES IN THE THRONE ROOM und die Kunstbeflissenen

Auch „Black Cascade“, das aktuelle Album der erwähnten WOLVES IN THE THRONE ROOM wird von Einigen, die mit der Musik bisher gar nicht in Berührung kamen (u.a. weil SPIEGEL ONLINE über sie berichteten), als großer Wurf gefeiert. Kennern scheint das aus vielerlei Gründen reichlich übertrieben, dennoch ist die Gruppe wohl, mit ausgelöst durch diese seltsame Rezeptionsgeschichte, prädestiniert, um in die absonderlichen Welten des Genres einzuführen. 
WOLVES IN THE THRONE ROOM sind von nun an die Band, die man jedem vorurteilsbeladenen „Kunstkenner“ andrehen kann, um ihn langsam dem Black Metal zuzuführen. Ein Teil davon wird dann, bei näherer Beschäftigung mit der Musik, feststellen, dass die Band auf ihren bisherigen drei Vollzeitalben eine einzige Wiederholung der „großen Momente“ der Neunziger-Jahre-Alben solcher Bands wie SATYRICON, ULVER, EMPEROR, KAMPFAR, KVIST, PRIMORDIAL, IN THE WOODS oder DODHEIMSGARD liefert, angereichert durch Elemente, die stark an die finnische Instrumentalband DECORYAH erinnern. Das alles lediglich etwas weicher, schemenhafter produziert, so dass es gut zu ihrer "Jute statt Plastik"-Ästhetik und ihrer abgerundeten, pastellfarbenen Esoterik passt. Es sollte nun deutlich geworden sein, dass WOLVES IN THE THRONE ROOM durchaus exzellente Alben veröffentlicht haben und dass man dieser Band, wie allen guten Formationen, nur alles Glück der Welt wünschen kann, aber man über die derzeitige Rezeption dieser Band nur fassungslos den Kopf schütteln muss.
WITTR sind damit das Black Metal-Pendant zu solchen „Fällen“ wie JOANNA NEWSOM oder DEVENDRA BANHART, nur dass es bei diesen noch krasser offenkundig ist. NONPOP-Kollege Roy kann ein Lied davon singen!

Ökosophia und Anthroposophie

Nochmals: WOLVES IN THE THRONE ROOM sind musikalisch in keinster Weise ungewöhnlich, sie haben den Black Metal an überhaupt keiner Stelle weiterentwickelt, ungewöhnlich an ihnen sind allerdings die interessanten, geistigen Bezüge, die aber von Rezeptoren wie der SPEX, wohl weil das nicht ganz in ihr Konzept passt, zu wenig gewürdigt werden, obgleich Black Metal eine höchst idealistische Musikform ist, d.h. die Idee bestimmt sehr stark die Musik. Es ist, wie es MICHAEL MOYNIHAN einst für BLOOD AXIS beschrieb, eine in Musik gegossene Ideologie, dies zwar in unterschiedlichster Ausprägung (von „Satanismus“, allein schon eine „Bildermaschine“ und „Fass ohne Boden“ bis hin, wie dargestellt, zu verschiedenen Kulturnationalismen reichen kann) auftritt, doch stets wichtig in dem Sinne ist, dass da real Geistiges wirksam ist und sich in der Musik manifestiert.  Neben tiefenökologisch-„ökosophischen“ (von "Sophia" = Weisheit) Ansichten, wie sie einst die erwähnten GÜNTER BARTSCH, OTFRIED EBERZ, aber auch vor allem PENTTI LINKOLA, WERNER GEORG HAVERBECK ("Perspektiven-der-Anthroposophie">Das Ziel der Technik. Die Menschwerdung der Erde") und ROGER GARAUDY ("Das schwache Geschlecht ist unsere Stärke") teilweise wohl ohne direktes Wissen der Band) entwickelten, ist das vor allem RUDOLF STEINERs Idee des Ahrimanischen, im Spannungsfeld zum Luziferischen, die das idealistische Konzept von WOLVES IN THE THRONE ROOM bestimmt.

"Anthroposophie" und „Black Metal“ geben hier also ein ungewöhnliches, aber durchaus passendes Paar ab, zumal es in der Anthroposophenwelt nur so wimmelt von konkret individuellen geistigen Wesenheiten (Engel, Erzengel, Naturgeister) und auch der Teufel sich als eine höchst reale und wirksame geistige Macht vorgestellt wird. Man hat es hier also mit einer starken Bilderwelt zu tun, von einer vor allem protestantischen "Entmythologisierung" (noch) keine Spur.
Diese Verbindung könnte man sogar noch weiter treiben, und wer weiß, vielleicht ist ja den Wölfen im Thronsaal, dies auch bewusst, denn STEINER schrieb in seinen musiktheoretischen Schriften einst einen kryptischen Satz, über den Anthroposophen seitdem angestrengt nachdenken. Die Musik der Zukunft werde sich nämlich immer mehr zur „Melodie in einem Ton“- verdichten. Wenn die Black Metal-Nebelschwaden aufziehen, also das berühmte Rauschen auftritt, hinter dem irgendwann Melodien hervorscheinen, eine Kunst, die auch WOLVES IN THE THRONE ROOM beherrschen, könnte das eine Interpretation dieser Vision sein.

 
Dominik T. für nonpop.de


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Zusammenfassung
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Inhalt
1. Wanderer Above the Sea of Fog 10:33
2. Ahrimanic Trance 14:05
3. Ex Cathedra 10:58
4. Crystal Ammunition 14:20

Total playing time 49:16
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