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Michael We.

MAXIMILIAN FREUDENSCHUß: Terror

NEW ORDER und PET SHOP BOYS auf Deutsch


MAXIMILIAN FREUDENSCHUß: Terror
Genre: Pop
Verlag: Angelika...
Erscheinungsdatum:
03.03.2009
Medium: Vinyl 7'' + Download
Kaufen bei: Köhlermann-Shop


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Huch! BERNARD SUMNER singt einen deutschen Text. Ungläubiges Zweithören, Studieren des Covers. Darauf steht: MAXIMILIAN FREUDENSCHUß. Kein Pseudonym, ein waschechter Österreicher. Dessen A-Seite aber klingt wie NEW ORDER ab ungefähr 1990, zum Beispiel mit "World In Motion" oder "Ruined In A Day". Luftig-poppig und sehr melancholisch tritt der Mann auf "Terror" in den einen oder anderen britischen Fußstapfen und bewegt sich dabei immer leicht und elegant.

Obwohl FREUDENSCHUß (*1975) bislang als Musiker nicht oft in Erscheinung trat, ist er kein ganz Unbekannter. Mit seiner vier Jahre jüngeren Schwester INA gründete er 1994 in Wien die Band SKIZZE, deren Mischung aus Minimal Pop, Spätrave und Elektronik sogar auf den Plattenteller von JOHN PEEL gelangte. "Fantastic" soll der DJ das letzte SKIZZE-Album "Hysterikk" aus dem Jahr 2002 gefunden haben. Der natürliche Lauf der Dinge hat die Zusammenarbeit der Geschwister stillgelegt. Nun erscheint sieben Jahre später die Debütsingle von MAXIMILIAN auf ANGELIKA KÖHLERMANN (AK). Kleiner Exkurs: Der lustige Name des Wiener Labels stammt von einer der dort vertretenen Künstlerinnen, die als MICHIKO KUSAKI auftritt und mit bürgerlichem Namen eben – wer hätt's gedacht – ANGELIKA KÖHLERMANN heißt. Einer der beiden AK-Köpfe ist GERHARD POTUZNIK, der vermutlich zu den Top 5 der fleißigsten österreichischen Elektronik-Musiker gehört. Unter anderem veröffentlicht er als GD LUXXE 80er-Jahre-Synthiemusik (Knüller: Das SISTERS OF MERCY-Cover "This Corrosion" aus dem Jahr 2008), war Teil von CHICKS ON SPEED und arbeitet mit ELECTRONICAT aus Frankreich zusammen. Die "Terror"-Single hat er produziert und in dieser Funktion gleich weitere Songs von FREUDENSCHUß angekündigt, die bald folgen sollen. Was sehr erfreulich wäre.

"Es gibt keine Liebe, nicht in mir und an keinem Ort", singt FREUDENSCHUß dialektfrei auf Seite A, zwischen kaputter Beziehung und Selbstmordattentäter. Der Song basiert musikalisch auf dem zerpflückten Sample eines traurigen Instrumentals der britischen Gruppe BLUEBOY ("Also Ran", 1994). Die helle, leicht brüchige Stimme fährt in der Jetztzeit auf einer swingenden Melodie, begleitet von elektronisch blubberndem Beat und akustischer Gitarre. Swoop, swoop machen dazu NEW ORDER-Keyboards dieses typische, glänzende Geräusch. Wer hier nicht binnen weniger Sekunden melancholisch wird, im Geiste seinen Arm aus dem Autofenster hängt und beim Blick in die Frühlingssonne an alle Verflossenen denkt, ist selber tot. Die B-Seite geht in der Zeitleiste noch ein Stück weiter zurück, der Sound wird kühler, elektronischer. "Angel Dust" und "Bizarre Love Triangle" von NEW ORDER oder "Paninaro" von den PET SHOP BOYS könnten als Vergleich herhalten. Ein treibender Beat, eine einfache Synthiemelodie. Textlich dreht sich "Karrieren" um das Gejammer von in die Jahre gekommenen Musikern über Erfolglosigkeit, angeblich verursacht von der fiesen Download-Musikindustrie. Herrliche Selbstironie, zumal die beiden Songs auch als Download veröffentlicht werden.
Schöne Sache, diese Single, die trotz all der angestaubten Vergleiche übrigens sehr frisch und hörbar modern produziert ist. Deutschsprachiger Wavepop kann also richtig gut und so angenehm weit weg von bemühter Intellektualität sein! Nur eine Bitte: Die Ankündigung, zur Single auch einen Klingelton zu veröffentlichen (Hab' ich irgendwo gelesen.), wird bei aller Selbstironie hoffentlich nicht in die Tat umgesetzt.

Noch ein Musikerverweis (1): MARK ROBINSON, Gründer der wunderbaren UNREST (später AIR MIAMI) und Chef des Washingtoner TEENBEAT-Labels, hat das Cover zur Single beigesteuert. Es zeigt seinen Sohn beim Hören von "Terror" auf einem iPod.
Noch ein Musikerverweis (2): Weitere interessante, zum großen Teil österreichische Bands befinden sich auf der RHIZ-Compilation (Besprechung → VARIOUS-The-Risk-Of-Burns-Exist&type=review&area=1&p=articles&id=1697">hier). Auch MAXIMILIAN FREUDENSCHUß ist schon in der Wiener Musikbar aufgetreten. WIPEOUT, die mit einem Song vertreten sind, veröffentlichen wiederum auf ANGELIKA KÖHLERMANN.

 
Michael We. für nonpop.de


Verweise zum Artikel:
» einige SKIZZE-Songs zum Anhören
» GD LUXXE @ myspace
» Artikel über das KÖHLERMANN-Label
» BLUEBOY @ last.fm


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Zusammenfassung
Guter, deutschsprachiger Wavepop. Musikalisch: Eine modern produzierte Hommage an diverse ältere, britische Herrschaften. Textlich: Angenehm weit weg von bemühter Intellektualität. Dafür gibt's einen Zusatzpunkt.

Inhalt
AK 031

- Terror (4:06)
- Karrieren / Hey Musikus (4:06)
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