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Michael We.

APOPTOSE / JOY OF LIFE: Warrior Creed LP

I have no objection


APOPTOSE / JOY OF LIFE: Warrior Creed LP
Genre: Post-Punk/ Cold-Wave
Verlag: TESCO
Erscheinungsdatum:
Dezember 2008
Medium: Vinyl LP
Preis: ~18,00 €
Kaufen bei: Tesco


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I have no parents
    I make the heavens and earth my parents.
I have no home
    I make awareness my home.
(Zum kompletten Songtext: hier klicken)

Dieses Glaubensbekenntnis (engl.: creed) hat ein anonymer Samurai im 14. Jahrhundert niedergeschrieben. 1988 vertonte es die britische Post Punk-Band JOY OF LIFE mit ihrem Sänger GARY CAREY. Unter Einsatz weniger Mittel entstand mit "Warrior Creed" einer der intensivsten Tracks des damaligen Jahrzehnts. Es genügten: eine maschinengewehrartige Snare Drum, eine marschierende Pauke aus dem Computer, eine simple Angst Pop-Melodie auf dem Synthesizer und die einzigartige Rezitation von CAREY.
Sound und Vocals erinnern stark an die trostlose Atmosphäre bei ANNE CLARK. Durch den introvertierten Vortrag und den persönlichen Text bekommt das 'Credo' zusätzlich einen rituellen Charakter: Nur die eigenen Instinkte zählen für den einsamen Kämpfer, der sich mit dieser Formel – bis hin zur Selbstaufgabe – Mut zuspricht.
RÜDIGER, der Mann hinter APOPTOSE, hat diesen Song beim ersten Hören vor 20 Jahren gespeichert und bis heute nicht gelöscht. Mit seiner LP setzt er ihm nun ein Denkmal und hat dafür sogar den längst von der Bildfläche verschwundenen GARY CAREY wieder ausgegraben, der auf zwei neuen Versionen die Lyrics beisteuerte. Sein Organ hat in den letzten Jahrzehnten offenbar kaum gelitten, denn die stimmlichen Unterschiede zum Ursong sind marginal.

Auf der A-Seite der Platte gibt es drei Versionen des Titeltracks, beginnend mit dem Original, das – natürlich – schon lange nicht mehr erhältlich ist. Die erste Neufassung, "Violet Creed" (A2), ist eine Mischung aus der Stimme von GARY und der Musik von "Violet Silence", einem Track des APOPTOSE-Albums "Schattenmädchen" aus dem Jahr 2007. (Eine NONPOP-Besprechung mit weiteren Fakten zur Arbeit von APOPTOSE findet sich hier.) Diese Variante wirkt wie eine Wiedergabe aus der Zukunft: Dark Ambient-Elemente, leicht hallige Vocals und das Fehlen der Drums machen die Umgebung unwirklich, an den Rändern verwischt. Die futuristische Version ist noch trostloser als ihr Vorbild, das kriegerische Potential geht ihr ab. Als düsterer Grabgesang gibt sie den Kampf bereits verloren. Interessant ist es, anschließend noch einmal "Violet Silence" auf "Schattenmädchen" zu hören; die Musik erscheint im Nachhinein so, als sei sie damals schon für die Stimme von CAREY geschrieben worden.
Höhepunkt der LP ist aber ohne Frage die zweite Neufassung (A3), die sich nah an das Original schmiegt und ebenso betitelt ist. Auffälligste Änderung ist der Einstieg mit einem – zum Text passenden – Sample, einigen Sätzen von TYLER DURDEN aus "Fight Club" ("Unser großer Krieg ist ein spiritueller"). Die einzelne Trommel wird ersetzt durch ein regelrechtes Trommelfeuer des Leipziger Fanfarenzugs, mit dem APOPTOSE live schon häufiger zusammen gearbeitet hat. Hier ist der Krieger präsent, ganz nah am Geschehen, konzentrierter und intensiver in seinem Gebet als vor 20 Jahren.
Die B-Seite hält mit "Blutopfer" und "Apotropaion" zwei Tracks bereit, die ursprünglich von der "Blutopfer"-CD aus dem Jahr 2002 stammen und ebenfalls überarbeitet wurden: Die Trommeln, die im Original bei einem 48stündigen, österlichen Ritual der Einwohner von Calanda (Spanien) mitgeschnitten wurden, hat ebenfalls der Fanfarenzug Leipzig neu und sehr dynamisch 'live im Studio' eingespielt. 

Die Bearbeitung von Klassikern ist immer ein schwieriges Unterfangen, aber in diesem Fall hat RÜDIGER die Aufgabe glänzend gelöst. Keine überdrehten Remixe, sondern nah am 20 Jahre alten Vorbild bleibende Stücke. Sie transportieren zwar die faszinierende Stimmung von damals, gewinnen durch die APOPTOSE-Brille aber genug neue Facetten, um langfristig spannend zu sein. Vor allem die 'echte' Coverversion überbietet das Original sogar an Intensität. Auf der bereits angekündigten, nächsten APOPTOSE-CD "Bannwald" soll genau diese Variante von "Warrior Creed" in einer noch längeren Fassung vertreten sein. Live gibt es APOPTOSE übrigens am Silvesterabend in Leipzig beim "Apokalyptikfolk"-Konzert zu sehen, inklusive Fanfarenzug.


Originaltext "Warrior Creed"


I have no parents
    I make the heavens and earth my parents.
I have no home
    I make awareness my home.
I have no life or death
    I make the tides of breathing my life and death.
I have no divine power
    I make honesty my divine power.
I have no means
    I make understanding my means.
I have no magic secrets
    I make character my magic secret.
I have no body
    I make endurance my body.
I have no eyes
    I make the flash of lightening my eyes.
I have no ears
    I make sensibility my ears.
I have no limbs
    I make promptness my limbs.
I have no strategy
    I make "unshadowed by thought" my strategy.
I have no designs
    I make "seizing opportunity by the forelock" my design.
I have no miracles
    I make right-action my miracles.
I have no principles
    I make adaptability to all circumstances my principles.
I have no tactics
    I make emptiness and fullness my tactics.
I have no talents
    I make ready wit my talent.
I have no friends
    I make my mind my friend.
I have no enemy
    I make carelessness my enemy.
I have no armor
    I make benevolence and righteousness my armor.
I have no castle
    I make immovable-mind my castle.
I have no sword
    I make absence of self my sword.


 
Michael We. für nonpop.de


Verweise zum Artikel:
» APOPTOSE @ myspace
» APOPTOSE-Interview
» Originalsong @ last.fm

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Zusammenfassung
Neuauflage eines Klassikers: schwierige Aufgabe, glänzend gelöst. Die beiden Coverversionen transportieren den dunklen, rituellen Charakter des Origials, bieten aber genug zusätzliche Facetten, um spannend zu sein. Für diese Produktion aus der Versenkung aufgetaucht: Der Sänger von JOY OF LIFE.

Inhalt
- Gatefold-Cover mit Bronze-Prägung
- lim. 600

A APOPTOSE & JOY OF LIFE
1 Joy of Life - Warrior Creed (4:46)
2 Apoptose (feat. Gary Carey) - Violet Creed (6:21)
3 Apoptose (feat. Gary Carey) - Warrior Creed (5:57)

B APOPTOSE & FANFARENZUG LEIPZIG
1 Blutopfer (5:18)
2 Apoptropaion (14:44)
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