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Michael We.

KLAUS SCHULZE / LISA GERRARD: Farscape

Hohe Erwartungen, solide Arbeit


KLAUS SCHULZE / LISA GERRARD: Farscape
Genre: Ambient
Verlag: Synthetic...
Erscheinungsdatum:
Juli 2008
Medium: 2xCD
Preis: ~19,00 €
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Diese Besprechung zu schreiben ist einfach und schwierig zugleich. Einfach, weil man die beiden Protagonisten nicht mehr vorstellen muss. Ich behaupte, dass jeder NONPOP-Leser schon einmal einen Ton von KLAUS SCHULZE (TANGERINE DREAM / ASH RA TEMPEL, schulze">hier übrigens im NONPOP-Interview) und LISA GERRARD (DEAD CAN DANCE) gehört hat. Nun arbeiten beide also zum ersten Mal zusammen, was im Vorfeld für regelrechte Jubelstürme sorgte. Zustande gekommen ist das Projekt auf Wunsch von SCHULZE, der LISA GERRARD in sein Studio eingeladen hat, womit die These widerlegt wäre, die in einigen Rezensionen auftaucht: Die Musiker haben nicht nur digitales Material hin- und hergeschickt, sondern sich leibhaftig kennengelernt.

Einfach auch, weil die Musik ungewöhnlich leicht zu beschreiben ist. Die Doppel-CD beinhaltet sieben Stücke zwischen 13 und 30 Minuten Länge. Die Basis bilden ausufernde, rhythmische und meist sehr melodische Synthesizerflächen, die natürlich an TANGERINE DREAM oder auch an JEAN-MICHEL JARRE erinnern. Dazu singt LISA GERRARD in einer Fantasiesprache, die aus einzelnen Lauten, Silben und kehligen, langgezogenen Vokalen besteht. Ihre Stimme ist immer wieder erstaunlich: Umfang und Emotionalität sind beeindruckend, besonders über so lange Strecken. KLAUS SCHULZE gab nach den Aufnahmen zu, häufig in die Tonkabine gestarrt zu haben, um zu ergründen, wie sich GERRARD beim Singen verhält. Er stellte nichts Besonderes fest, spürte aber eine, wie er sagte, 'absolute Hingabe'.
Die Stimmungen der beiden CDs unterscheiden sich geringfügig voneinander. Die ersten drei Stücke bieten freundlichen, weichen und harmonischen Ambient, in den man sich sofort hineinfallen lassen kann, wenn man die Suche nach der tieferen Bedeutung vorübergehend ruhen lässt. Track 4 bis 7, also die Stücke der zweiten CD, sind nicht durchweg harmonisch. Die Kompositionen wirken komplexer und dramatischer, was sich unter anderem in deutlich mehr Dynamik bemerkbar macht. Dissonante Passagen mit rhythmisch versetzten, 'fetzenhaften' und manchmal fast operesken Gesängen erfordern mehr Konzentration und machen die Musik in ihrer Anmutung wesentlich moderner; streiche JEAN-MICHEL JARRE, setze STOCKHAUSEN. Auch wenn der Ambient an vielen Stellen dunkler wird, löst sich die Dramatik immer wieder in Entspannung auf, so dass sich über beide CDs hinweg eine fast meditative innere Ruhe einstellt. Um zwei DEAD CAN DANCE-Songs zum Vergleich heranzuziehen, die in Stimmung und Aufbau ähnlich (nur wesentlich kürzer) sind: "The Host Of Seraphim" oder das weniger bekannte "Sanvean".

Jetzt kommt der schwere Teil. Ein Urteil zu fällen ist ganz offensichtlich nicht einfach, denn die Bandbreite der schon zahlreich vorhandenen Besprechungen reicht von 'Katastrophe' bis hin zu 'Meisterwerk'. Ich halte beides für übertrieben. Auf "Farscape" wird feine Ambientmusik von zwei Könnern dargeboten, nicht mehr und nicht weniger. Oft sind die Stücke sehr stimmungsvoll, was vor allem an der immer noch hinreißenden, starken und beschwörenden Stimme von GERRARD liegt. Und SCHULZE zeigt, was Kollegen schon Anfang der 1970er an ihm bewundert haben: Er kann unendlich lange Synthie-Musikbetten komponieren, die immer einen Rhythmus finden und nie in bloßes Gewaber abdriften. Die große Enttäuschung mancher Hörer kann deshalb nur daher rühren, dass die Erwartungen an das Produkt zweier großer Namen hoffnungslos überhöht waren. Dabei haben schon alle bisherigen Kollaborationen von LISA GERRARD – und das gilt ebenso für ihren Ex-Partner BRENDAN PERRY – nicht mehr an DEAD CAN DANCE anknüpfen können, weil es schlicht und einfach unmöglich ist, so ein einmaliges Projekt zu wiederholen. Auch diese Doppel-CD ist keine Neuauflage von "Aion", sondern ein solides Schaulaufen zweier Altmeister. Die meisten Fans von SCHULZE und/oder GERRARD werden ihren Gefallen an "Farscape" finden.

 
Michael We. für nonpop.de


Verweise zum Artikel:
» SCHULZE @ myspace
» GERRARD @ myspace

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Zusammenfassung
Schaulaufen zweier Altmeister. Feine, stimmungsvolle Ambientmusik mit der immer noch hinreißenden Stimme von LISA GERRARD. Überhöhte Erwartungen im Vorfeld dürften bei manchem Käufer für Enttäuschung sorgen. Ansonsten können eigentlich weder SCHULZE- noch GERRARD-Fans etwas falsch machen.

Inhalt
Liquid Coincidence 1 bis 7

1 - 21:59
2 - 30:51
3 - 25:54
4 - 18:18
5 - 18:48
6 - 24:02
7 - 13:38
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