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Dominik T.

NECROMANTIA: The Sound Of Lucifer

We Are Not People Anymore We Are Wind


NECROMANTIA: The Sound Of Lucifer
Genre: Black Metal
Verlag: Dockyard1
Medium: CD
Kaufen bei: Amazon


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„They are among my fave Bands, and each time I listen to I get the impression of something dark and occult (...) it is something completely different, something dark, frightening and mystic. Something unknown.“
(FAUST (EMPEROR) in SLAYER # 10, angesprochen auf NECROMANTIA)

NECROMANTIA aus Griechenland gehören zu den Veteranen der zweiten Black Metal-Welle. Ihre Gründung erfolgte 1989, die des direkten Vorgängers NECROMANCY bereits 1986. Mit Bands wie MAYHEM, MORTUARY DRAPE, ROOT, BLASPHEMY oder MASTER’S HAMMER gehörten sie zu denjenigen, die in der Zeit der großen Death Metal-Welle, unbeirrbar im weltweiten Underground die Wiederkunft des Black Metals vorbereiteten. Die Band besteht aus nur zwei Mitgliedern: BARON BLOOD, der einen speziellen 8-saitigen Bass spielt, und dem berühmt-berüchtigten THE MAGUS (auch bekannt als MORBID, GEORGE ZAHAROPOULOS und MAGUS WAMPYR DAOLOTH), der ebenfalls Bass spielt, „singt“, Keyboard spielt und auch produziert, textet usw. Hinzu kommen ein Session-Drummer, sowie weitere Gastmusiker, die, wenn nötig, z.B. Saxophon oder klassisches Klavier spielen.  Was ist mit den Gitarren? Ja, es ist eine Besonderheit der Band, dass sie keine benutzt (dafür jedoch zwei Bässe), natürlich wird dann und wann etwa eine Akustikgitarre verwendet, es gibt jedoch keine Rhythmus-Gitarren, den Job übernehmen die Bässe. Allein das sorgt bereits für einen unverwechselbaren, obskuren Sound, der oft als „blechern“, „holprig“ oder „dünn“ beschrieben wird.

Diese Bass-Fokussierung ermöglichte es NECROMANTIA, besonders auf ihrem „Scarlet Evil Witching Black“-Album (1995), eine wahrlich bestialische Brutalität zu erzeugen, die mit keiner anderen Band des Genres zu vergleichen ist, womit nicht gesagt ist, dass sie Kollegen hier etwas voraus haben, es klingt nur eben anders: direkter, ritueller, greller und schwerer zu konsumieren. Der Basssound der Band kann den Hörer jedoch auch in ganz andere, eher fragile und besonders obskur klingende Bereiche führen. Dazu sehr gut passend wurden einige Dichter des „satanischen“ Symbolismus vertont (CHARLES BAUDELAIRE, REMY DE GOURMONT, EMILE VERHAEREN).
Besonders in der Frühzeit der Band erschufen NECROMANTIA so ausgerüstet einige eher improvisiert wirkende Klangcollagen oder Ambientpassagen inmitten eines Black Metal-Stückes und ähnliche Abenteuer, die irgendwo zwischen JAC BERROCAL und ABRUPTUM lagen. Anders formuliert, hätte STEVEN STAPLETON (NURSE WITH WOUND) Anfang der 80er Interesse am Black Metal gehabt, und hätte es NECROMANTIA da bereits gegeben, wären die Griechen ganz sicher etwas für UNITED DIARIES gewesen. Bemerkenswert dabei ist auch, dass NECROMANTIA in einem gewissen Sinne niemals beabsichtigten, die großen Innovatoren und Avantgardisten zu sein, eher schon sieht man sich als nahezu 100%ige Black Metal Band, die nur deshalb in diese für eine Metalband eher ungewöhnlichen Bereiche vorgestoßen ist, weil „der Teufel“ sie dazu inspirierte, weil man besonders „morbide“ und „satanisch“ klingen wollte. NECROMANTIAS Musik ist überdeutlich Ausfluss einer magischen Weltsicht und eines satanischen Gesamtkonzepts, in dem gerne mit Horror- und Gothic-Klischees und Stimmungen gespielt wird. Schaut man sich die musikalischen Vorbilder der Band an, wird man zudem auch eher auf das Bassspiel von JOEY DEMAIO (MANOWAR), CELTIC FROST, MORSÜRE, MERCYFUL FATE, MANILLA ROAD, CIRITH UNGOL und andere treffen als auf gerühmte Metal- und Nichtmetal-Experimentalisten (wobei vor allem Liebhaber der obskuren RUTH WHITE an NECROMANTIA Gefallen finden könnten). Zur Verifizierung reicht da auch schon fast ein Blick auf die bemerkenswert trashigen, klischeegetränkten und hässlichen Cover der Frühzeit. Wichtige Quelle der Inspiration ist für NECROMANTIA weiterhin das antike Griechenland, mitunter mit durchaus stolz-wagnerianischem Unterton. Das antike Griechenland als Projektionsfläche, diesmal von einem Griechen selbst.
Im Übrigen verstand sich NECROMANTIA immer als „Pro-LaVey“-Band, „kultisch“ ist man dem „Vampirismus“ des TEMPLE OF THE VAMPIRE (TOV) verbunden, dessen Gründer LUCAS MARTEL (NEMO) kürzlich ein Buch mit Vorwort des aktuellen CHURCH OF SATAN-Hohenpriesters PETER H. GILMORE verfasste. NECROMANTIA waren jedoch auch die einzige Metalband, die auf dem ersten, von IAN READ (FIRE + ICE) zusammengestellten „The Pact“-Benefizsampler zu Gunsten des I.O.T. („Illuminates Of Thanateros“) vertreten waren.
Sowieso waren die Verbindungen von THE MAGUS zur Neofolkszene der Frühneunziger zahlreich. Er war Herausgeber eines kleinen „satanischen“ Fanzines namens „Promethean Circle“, welches regelmäßig über die Projekte aus dem Umfeld von CTHULHU RECORDS berichtete, den Griechen und später der ganzen Black Metal Welt mit dem Nebenprojekt DIABOLOS RISING die „Apocalypse Culture“ nahebrachte. Auf der zweitletzten CTHULHU-Veröffentlichung "Souvenirs From Hell" war er schließlich selbst als einziger Künstler zwei Mal vertreten (mit NAOS und DIABOLOS RISING). Mit IAN READ (FIRE + ICE) unterhielt er sogar einmal ein ganz kurzlebiges Gothen-Rock Nebenprojekt namens WAMPYRE SHADOWWOLF, die Auflage der CD wurde bei einem Wasserschaden beim Label DARK SIDE deutlich dezimiert (weshalb dieses wenig spannende Album heute sehr rar ist).
Zusammenfassend möchte ich, speziell nun für das NONPOP-Publikum, und zugegebenermaßen etwas blödsinnig, NECROMANTIA als die „FIRE + ICE des Black Metals“ bezeichnen, in dem Sinne, dass beide von Anfang an dabei waren, beide nicht frei von „schrägen Tönen“ – bei NECROMANTIA ist es ein gewisser B-Movie-Charme – sind, bei beiden jedoch eine besondere Originalität und Aura immer zu spüren ist, die daher rührt, dass man es hier mit inspirierter Musik zu tun hat, deren Zweck nicht nur in sich selbst liegt.
Eine weitere Parallele, allerdings nur in einem atmosphärisch gemeinten Sinne, könnte man auch zwischen alten NECROMANTIA und frühen, rituellen GERSTEIN (Italien) ziehen, gemeint ist speziell die Kassette "La Pomata Delle Femmine" (1989), die man sich freundlicherweise hier herunterladen darf.  Der  "Künstler" spielte in tiefster Nacht allein Klavier mit verbundenen Augen und dachte dabei vermutlich an Mega Therion, so in etwa war auch die Herangehensweise bei NECROMANTIA, die stets betonten,  unter  ähnlichen, "magischen" Bedingungen (Nachts, Kerzenschein, Vollmond usw.) ihre frühen Aufnahmen getätigt zu haben.
Zu THE MAGUS gäbe es als Magazinherausgeber, früheres Mitglied des bekanntesten griechischen Metalexports ROTTING CHRIST (Tipper Gore warnte vor ihnen in einer Ansprache), Produzent, (gescheiterter) Labelinhaber (BLACK LOTUS) und angebliches Mitglied einer hellenischen NS-Hatecore Band noch viel zu sagen (In diesem spanischen Interview stellt der MAGUS klar, dass er dort niemals Mitglied war, obwohl sich das Gerücht sehr hartnäckig hält.), doch widmen wir uns nun dem NECROMANTIA-Comeback nach sieben langen Jahren des Wartens!


 
Dominik T. für nonpop.de


Verweise zum Artikel:
» NECROMANTIA
» Video-Interview mit THE MAGUS
» NECROMANTIA Interview
» NECROMANTIA Interview II


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Kommentare
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rere
(21-12-2008, 23:12)
Bin mal wieder einer von den ganz Schnellen, aber hier noch eine Lobeshymne:

http://www.bloodchamber.de/cd/n/4513/

Die Platte gibt gerade für knapp 10€ bei amazon.
Re
Dominik T. (01-02-2008, 12:30)
Richard, Danke für den Kommentar, naja "RH"-Rezis musste man eh schon immer gegen den Strich lesen.
"Experimentell" ist Definitionssache, "schnörkellos" ist ihr BM jedenfalls nicht und durch die ungewöhnliche Instrumentierung ist N. de facto für mich immer schon im vorhinein experimentell, jedenfalls in Relation zu den viel zu vielen.
Der Sound gefällt mir so.
Recht hast Du damit, daß das Album nicht an die Frühwerke heranreicht, aber das hat vielleicht (oder ganz sicher) was mit uns zu tun, unseren Erinnerungen... siehe die Rezensionen, die ich zuletzt verlinkt habe. Schließe mich dem an!

Ich bin jetzt ersteinmal nur froh, daß es NECROMANTIA weiterhin gibt!
word
(27-01-2008, 11:19)
Nur als Fussnote: Im Soundcheck des Rock Hard und des Orkus (hier aber mit Spitzen-Rezi ;-)) belegt Necromantia jeweils den letzten Platz. ;-)

Ein bisschen muss ich Dir aber widersprechen: "The sound..." kommt an die alten Frühwerke nicht ran, der Sound ist dieses Mal wirklich sehr dünn ausgefallen und hält den Vergleich zu alten Werken ebenfalls nicht stand und das Experimentelle sucht man, zumindest ich, ebenfalls vergeblich. Dennoch starke Platte.

Zusammenfassung
Vielschichtig, verschachtelter Black Metal mit einem ungewöhnlichen Klang.
Comeback-Album einer der ältesten und originellsten Bands des Genres.

Inhalt
The Magus - Bass, Vocals, Keys
Baron Blood - 8-string Bass, Bass solos, Bass leads, Keys

Session:
Drums performed by Fotis Benardo

Recorded and mixed at Hell's Kitchen studio during July - October 2007.
Produced by NECROMANTIA
Cover art by Kostas Alexakis (Kinetic) and Georgious Shinas

All music, orchestrations by NECROMANTIA
All lyrics by The Magus except Les Litanies De Satan - Act II: From Hell (taken
from "La-Bas" by J.K. Huysmans, translation by Brendan King, alterations by The
Magus)

1. The Sound of Lucifer Storming Heaven
2. Order of the Black Sphinx
3. For the Elder Magi- I-Eibon the Necromancer
4. Architecture of Exquisite Madness
5. Knights of the Black and White Eagle
6. The Invisible Empire
7. Hellseher
8. Les Litanies De Satan - Act II- from Hell

Total playing time 41:47
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