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Axel M.

WALDTEUFEL: Sanguis

LP + 7"-Edition


WALDTEUFEL: Sanguis
Genre: Weird Folk
Verlag: Beta-Lactam...
Medium: Vinyl LP
Preis: ~30,00 €
Kaufen bei: Neue Ästhetik


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Diesen Tonträger gibt es in den verschiedensten Editionen. Einmal natürlich als reguläre CD, dann als reguläre Vinylversion, limitiert auf 500 Exemplare sowie als auf 100 Stück limitierte Vinylversion mit Bonus-7", und nochmal 35 davon als sogenannte Kunstedition mit 12x12x1"-Gipsabguß-Relief. 

Erschienen auf dem amerikanischen Label BETA-LACTAM RING RECORDS (www.blrrecords.com). 


Unserer Besprechung liegt die Vinylversion mit Bonus-7" zugrunde. 

Das Cover besteht aus einem starken, matt gestrichenen Karton, die 12" (220 g Vinyl) steckt in einer bedruckten Innenhülle, die Bonus-7" in einem handgemachten und von MARKUS WOLFF signierten Cover. Soweit zu den "technischen" Daten. 

WALDTEUFEL (www.waldteufel.net) sind MARKUS WOLFF und TYRSSON SINCLAIR, die sich ja inzwischen zu einem guten Team entwickelt haben. Die Aufnahmen entstanden in den Jahren 2004 bis 2006. Vertont wurden Texte von ALFRED SCHULER und STEFAN GEORGE, beides deutsche Literaten aus dem ersten Drittel des zwanzigsten Jahrhunderts, sowie Ausschnitte aus der Rigveda (hier Rig Veda oder Vedas).

Die zwei Seiten der Platte sind aufgeteilt in ein Eichenblatt (Seite 1) und zwei Eichenblätter (logischerweise Seite 2), mit dem bzw. den Eichenblättern sind auch die Label bedruckt. 

Mein persönlicher Zugang zu WALDTEUFEL hat anfangs etwas gedauert - lernte ich das Projekt doch mit dem Lied „Lucifer“ auf der ATHANOR-Zusammenstellung „Lucifer Rising“ kennen. Irgendwie war mir das damals - auch im Zusammenhang mit den anderen Beiträgen - zu sperrig. Schon leichter fiel es mir dann mit „Wolfsstund“ auf „The Pact... Of The Gods“ von FREMDHEIT. „Heimliches Deutschland“ in der CD-Version lag mir dann wieder etwas schwer im Magen. Die Eislicht 10“ "Eines Gottes Spur" half meinen Magenschmerzen wieder ab. Dann kam "Heimliches Deutschland" als Doppel-LP auf BLR raus, und spätestens hier sprang der Funke entgültig über - diese Art Musik wirkt analog einfach besser und natürlicher. Der nächste Höhepunkt war dann auf AHNSTERN die Vinylfassung von "Rauhnacht" - und nun "Sanguis". 

Ein Eichenblatt 

1. "Telesma": nach einem kurzen, elektronischen Intro mit anschließend einsetzendem Akkordeon kommt dann der von Markus gesprochene Alfred Schuler-Text. Musikalisch erinnert mich das an Aufnahmen der Krautrocker FAUST oder PINK FLOYD aus den frühen Siebzigern - spaciger Sound, und dieser Begriff fällt bei dieser Besprechung noch öfter - "Denken Sie sich einen vibrierenden Lichtkomplex bestehend aus unzähligen aktiven und passiven in wechselseitiger Reibung aufleuchtenden Electronen..." 

2. "Sanguis": die Lieder gehen direkt ineinander über, jetzt setzen Trommeln und E-Gitarre ein, der Stefan George-Text gesungen, das ist irgendwie fast schon Pagan Metal. Eine Marschtrommel kommt dazu, alles wird noch ein Stück metallischer mit einem richtigen Gitarren-Solo - "Ich bin das Feuer und das Holz..." 

3. "Traumpfad": wieder ein spaciger Einklang, dann Glockengeläute, ein finsterer Choral, dann der gesprochene Alfred Schuler-Text - ja, ein wahrer Traumpfad, Musik und Gesang kommen quasi aus dem Dunkel, im Hintergrund eine sanft geschlagene Trommel, die alles zusammenhält. Wohl das psychedelischste Stück der Platte. Der anschwellende Choral läutet Teil eins des Stückes aus, dann erfolgt die Wiederholung der drei Strophen - "Und alle Seelen mit uns durch die Nacht..." 

4. "Kupferwut": nach dem Akkordeon-Einklang Trommel-Einsatz, gefolgt von "heftiger" Gitarre, dann Fanfaren - "Wir werfen Feuer in die Nacht...". Dieses ziemlich kurze Lied klingt mit einer akustischen Gitarre aus. 

Zwei Eichenblätter 

1. "Suryam Cakram": wieder ein spaciger Einklang, ähnlich wie beim Italo-Western (wo kurz danach dann etwas passiert), irgendwie wie experimentelle Musik der Endsechziger/Anfang Siebziger, dann Markus mit dem Alfred Schuler-Text, während er sich eintrommelt - "in heilgem Blute... oh große Nacht". Die Trommel pausiert, es folgt ein Text aus der Vedas, anschließend wieder Getrommel und Alfred Schuler. Diese Art Liedaufbau hat übrigens früher auch gerne PATTI SMITH verwendet - mehrere Literaten in einem Stück. Es folgt ein langsamer Ausklang. 

2. "Andachtsjodler": keine Instrumente, nur Stimmen ("Jodihodi"), kurz, mußte dabei an STURMPERCHT denken. 

3. "Der Flamme Trabant": Trommel und Bläser, die Schlacht beginnt, der Stefan George-Text und etwas aus der Vedas, dann in einer ruhigen Passage Alfred Schuler (Perkussion, Choral, Sprechgesang) - dann wieder Trommeln und Stefan George - "Wer je die Flamme umschritt, bleibe der Flamme Trabant!" 

Das war die 12"-LP. 

Seite A der 7", "Der Stern des Bundes": ein elektronisches Intro, gefolgt von dem Stefan George-Text. Nach der ersten Strophe dann Trommel und E-Gitarre, wobei der Rhythmus hier von der Stimme und nicht der Trommel getragen wird. Die letzte Strophe dann wieder zu rein elektronischem Klang - "Breit' in aller Stille den Geist unter dem reinen Gewölk..." 

Alle diese Texte sind auf der Innenhülle der 12“ mit englischer Übersetzung (durch Markus Wolff, Ernst Morwitz und Carol North) abgedruckt. 

Seite B, "Wir kommen wieder": "Wir kommen wieder, wir sind nicht tot..." - Endlos-Wiederholung mit überlagerten Stimmen, klingt wie Minimal-Elektronik Ende der Siebziger/Anfang der Achtziger. 

Schön, daß durch dieses Werk Alfred Schuler und Stefan George auch wiedergekommen sind: eine längst überfällige Reinkarnation zweier bedeutender Persönlichkeiten des zwanzigsten Jahrhunderts. 


 
Axel M. für nonpop.de


Verweise zum Artikel:
» Beta-Lactam Ring Records
» Waldteufel

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