Die Seite wird geladen... einen Moment bitte.

PIMENTOLA: Misantropolis

Licht und Schatten


PIMENTOLA: Misantropolis
Genre: Kabarett
Verlag: Cold Meat
Vertrieb: Cold Meat
Medium: CD
Preis: ~16,00 €
Kaufen bei: Infrarot
Amazon


Schrift vergrößern Schrift verkleinern

family: Arial;">Manchmal muß man sich als Musiker mitunter extrem ärgern: Läßt man zu sehr den Fan in seiner Musik durchschimmern, hagelt es Medienschelte in Form von Plagiats- und Kopievorwürfen, wagt man hingegen eigene Wege, kann mancher Rezensent nicht mehr folgen und straft das Projekt/die Band aus eben diesen Grund ab. Ob sich auch RISTO M. SALO, Kopf hinter PIMENTOLA, die letzten Monate seit dem Erscheinen von „Misantropolis“ zum Ärgern in die Birkenwälder seiner finnischen Heimat zurückgezogen hat, ist nicht bekannt, die bisher schon veröffentlichten Reaktionen auf sein ambitioniertes Werk lassen eine solche Handlung aber zumindest vermuten.

family: Arial;">Doch der Reihe nach: PIMENTOLA ist ein Projekt, um das ich bis dato immer einen weiten Bogen machte. Die mir bekannten Samplerbeiträge mit den klingenden Namen „III“ (War Office Propaganda Voice Vol. 1) und „Outro“ (Defend the Palace: Worms AD MCLXXXIV) spiegelten musikalisch die Originalität ihrer Namensgebung wieder, und vereinzelt aufgeschnappte Besprechungen verstärkten das Bild eines weiteren, nicht näher beachtenswerten SOPHIA-, REGARD EXTREME- und DER BLUTHARSCH-Epigonen. Das Stück "Psychopompos", mit dem sich PIMENTOLA jüngst auf dem CMI-Sampler "All my dead Friends" präsentierten, machte mich hingegen hellhörig und in der Tat: Mit Military Ambient hat das, was man auf „Misantropolis“ vorfindet, überraschend wenig zu tun.

family: Arial;">Das wird schon in der Gestaltung des Tonträgers deutlich: Ziert das Titelbild noch eine Adaption eines Plakats des FRITZ LANG-Klassikers Metropolis, welches im Zusammenhang mit dem Titel auf ein ebenso menschenverachtendes wie urbanes „Tonwerk von Pimentola“ (Untertitel) hoffen läßt, relativieren im Inneren clowneske Comic-Knochenmänner die Düsternis. Die Form entspricht auf „Misantropolis“ durchgehend dem Inhalt, und den Hörer erwartet im Folgenden ein Parforceritt durch alle Bereiche elektronischer und artverwandter Musik, die SALO zum Zeitpunkt seines Schaffens scheinbar interessierten.

family: Arial;">Los geht es mit „Black Globe“, SALO wiegt mit seinem ersten Lied seine alten Hörer in Sicherheit: Leicht dissonanter Militarybombast wie er durchaus von seinen Blutsverwandten IN SLAUGHTER NATIVES oder KARJALAN SISSIT stammen könnte. Flüsterner Gesang und eine wirre kakophone Violinenspur, begleitet von Schlagwerk und Peitschengeräuschen. Die Stabsärztin in mir sagt T3.

family: Arial;">„Death is a Secret“ scheint zunächst ins gleiche Kanonenrohr zu blasen, bevor spacige Thereminklänge auftauchen und das Mannschaftszelt in eine burleske Zirkusnummer verwandeln. Ein einsetzendes Akkordeon, welches für einen schunkelnden Rhythmus sorgt, und der Gesang MR:MCs (APROX.) verwandeln das Stück dann endgültig in eine Kabarett-Nummer.

family: Arial;">„Heart’s Dementia Phase I“ beginnt mit psychotischen Geschrei und den üblichen Ambientausflügen mit Bläsern und harschen Schlagwerksalven. Die zunächst nur diskret wahrnehmbaren Breakbeats wachsen unmerklich an und bruchlos verwandelt sich das Lied in den zweiten Teil „Heart’s Dementia Phase II“, ein Trip Hop-Stück mit leicht angejazzter Schlagzeuguntermalung.

family: Arial;">Der in den letzten drei Liedern durchgehend spürbare Kabaretteinfluß verschwindet mit „Wish upon a fallen Star“ gänzlich und kehrt auch nicht wieder. Stattdessen lauschen wir erneut einem Ambientintermezzo mit schweren Streichern, das zwar vom militärischen Bombast befreit und doch bedrückend schwer daherkommt.

family: Arial;">„Psychopompos“ wird dem einen oder anderen Hörer schon von der erwähnten CMI-Kompilation „All my dead Friends“ her bekannt sein. Schon dort ver- und zerstörten die hektischen Breakbeats mein hinfälliges Bild von PIMENTOLA: Sehr elektronisch, sehr tanzbar, aber auch und immer noch austauschbar. Auf der Albumvariante des Liedes rettet STEFAN BRISLAND-FERNER das Stück mit wirklich herzzerreißenden Violinen- und Altviolinenklängen. Himmel und Hel wissen, was der GARMARNA-Kopf auf dieser Scheibe zu suchen hat.

family: Arial;">Einen Ausflug in die Weltmusik bietet auch das folgende „Wann endet die Zeit?“. Zunächst gilt es aber – Nomen est Omen –, eine lange Durstrecke durch die Dark Techno-Wüste zu erdulden. Stumpfe computergenerierte Beats lassen an FEINDFLUG, BLUTENGEL und Konsorten denken, bevor eine Djembé und Darbukas den Hörer in eine orientalische Oase retten. Das gabbaeske Hämmern bleibt dennoch die ganze Zeit über präsent. Das können THIS MORN’ OMINA besser. Ruhiger und gelungener, aber in die gleiche Richtung stoßend, wissen die ausgeglicheneren Stücke „The Stars hang like Lamps from a Sky of Steel“ und „Todessprache“ zu versöhnen.

family: Arial;">Den Abschluß bildet eine Bearbeitung des PIMENTOLA-Klassikers „Tuoni pauloo tiukoin sitein III“ (zu deutsch ungefähr „Der Tod webt ein enges Netz III“) durch SOMNIVORE. Das Original erschien 2004 auf der gleichnamigen CDr (WAR OFFICE PROPAGANDA). Die vorliegende Version bietet gefälligen, schleppenden und bedrückenden Ambient mit knarzigen finnischen Stimmsamples aus dem Äther eines Volksempfängers.

family: Arial;">Insgesamt also ein Kessel Buntes. Positiv hervorzuheben ist der Entdecker- und Pioniergeist PIMENTOLAs, die hier über weite Strecken eigene Wege gehen wollen und einen Ausbruch aus starren Genregrenzen versuchen. Leider wirken die einzelnen Elemente auf „Misantropolis“ insgesamt nicht aufeinander abgestimmt, vor allem der Stimmungsbruch zwischen der ersten Hälfte, die zum Großteil im aktuell angesagten Kabarettmetier wildert (ist das mittlerweile Bestandteil eines CMI-Vertrags?) und der orientalisch angehauchten, harten, elektronischen zweiten Hälfte wären hier, wenn auch nur exemplarisch, zu nennen. Hier wäre weniger mehr gewesen.


 
für nonpop.de


Verweise zum Artikel:
» Pimentola
» Cold Meat Industry


Anzeige:
Namentlich gekennzeichnete Beiträge spiegeln ausschließlich die Meinung des jeweiligen Verfassers bzw. Interviewpartners wieder. Nachdruck (auch auszugsweise) nur mit schriftlicher Genehmigung durch den Betreiber dieser Seite.
Link-Code zu diesem Artikel:
Wöchentliche Artikelübersicht per Mail
Werde NONPOP- Redakteur...
» Diesen Artikel bewerten
» Kommentar zum Artikel verfassen
Zusammenfassung
Positiv hervorzuheben ist der Entdecker- und Pioniergeist PIMENTOLAs, die hier über weite Strecken eigene Wege gehen wollen und einen Ausbruch aus starren Genregrenzen versuchen. Leider wirken die einzelnen Elemente auf „Misantropolis“ insgesamt nicht aufeinander abgestimmt. Hier wäre weniger...

Inhalt
1. Black Globe
2. Death is a Secret (featuring Aprox.)
3. Heart's Dementia (Phase I.)
4. Heart's Dementia (Phase II.)
5. Wish Upon a Fallen Star
6. Psychopompos
7. Wann Endet die Zeit?
8. The Stars Hang like Lamps from a Sky of Steel
9. Todessprache
10. Tuoni Pauloo Tiukoin Sitein III. (Remixed by Somnivore)
NONPOP RADIO
Nonpop Radio starten:

Hier Popup
Ebay- Angebote zum Thema:
Pimentola
 
dementia misantropolis phase pimentola zunächst