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ELEND: A World in their Screams

Verblassenden Gemälden entspringt unser Blut ...


ELEND: A World in their Screams
Genre: Neo - Klassik
Verlag: Prophecy
Vertrieb: Prophecy
Erscheinungsdatum:
20.04.2007
Medium: CD
Preis: ~14,00 €
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family: "Times New Roman";">Seit 1994 beglückt uns das französisch-österreichische Projekt mit dem etwas unglücklichen und irreführenden Namen ELEND. Unglücklich und irreführend deswegen, weil der Name wohl eher zu einer Gothic-Formation mit pathetisch-weinerlichen Texten passen würde als zu einem Projekt, welches man oberflächlich erst einmal in die symphonische Neo-Klassik-Schublade stecken würde. Allerdings wird der unbefangene und weltoffene Hörer seinen Musikgeschmack nicht an Eckdaten wie einem Bandnamen festmachen, oder? Mit „A World in their Screams“ legen ELEND nunmehr ihr sechstes Output vor, welches wiederum der dritte Teil des sog. „Winds“-Zyklus ist, zu dem die bereits veröffentlichten Alben „Winds devouring man“ (2003 PROPHECY PRODUCTIONS) und „Sunwar the dead“ (2004 PROPHECY PRODUCTIONS) gehören. Offenkundig gehören konzeptionell verknüpfte Veröffentlichungen zur ELEND-Philosophie: Bereits die ersten drei Tonträger, „Leçons De Ténèbres“ (1994 HOLY RECORDS), „Les Ténèbres Du Dehors“ (1996 HOLY RECORDS) und „The umbersum“ (1998 MUSIC FOR NATIONS) bildeten die Trilogie „Office des tènèbres“ („Lehrstunden der Finsternis“), welche sich JOHN MILTONs "Paradise Lost" bzw. der „Luziferanischen Revolution“ widmete.

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Musikalisch beeinflusst zeigt sich das Trio von verschiedensten Komponisten und avantgardistischen Künstlern, u.a. sind BACH, MOZART, PENDERECKI, STOCKHAUSEN oder XENAKIS zu nennen. Des Weiteren betätigte sich RENAUD TSCHIRNER bei der frz. Progressiv Death Metal Band MISANTHROPE als Keyboarder und steuerte den in Deutsch gehaltenen Text „Schattengesang“ bei. Das heißt im Klartext, dass die künstlerischen Ergüsse von ELEND nur oberflächlich in die neoklassische Schublade gehören, vielmehr muss hier von „undogmatischer Klassik“ die Rede sein, welche mit Einflüssen aus Avantgarde, Experimental- und Ambientmusik, Industrial und Metal hantiert. Bei den früheren Releases waren diese verschiedenen Stilmittel noch recht spärlich gesät (sieht man von dem Death Metal-lastigen männlichen Gesang ab), spätestens ab „Sunwar the dead“ machte sich die Experimentierfreude wirklich bemerkbar und unterstrich sowohl das musikalische Potential der Akteure als auch die Fähigkeit zur Veränderung bzw. Entwicklung, ohne sich dabei von den eigenen Wurzeln zu entfremden. Auf dem neuen Silberling nun gelingt es ELEND auf recht beeindruckende Weise, nicht länger Teil eines neoklassischen Kosmos zu sein, sondern orchestrale Elemente der Klassik vollständig mit modernen Stilmitteln zu einem gewaltigen Epos/Drama zu verschmelzen. Übrigens holte man sich für eben dieses Drama 30 Mitmusiker an Bord!
Der Albumtitel ist  programmatisch und zugleich Fundament bzw. Rahmen für das Thema: Die Welt als äußerliches Ganzes, als ein einziger Korpus, in dessen Innern allerdings die Zerissenheit steckt, Trennung und Fremde (innere Nicht-Geschlossenheit) – welche in Geschrei ihren Ausdruck findet. Ausgehend von diesem Hintergrund findet der Zuhörer auch recht schnell Zugang zu der orchestralen Dissonanz, von welcher ELEND auf diesem Album reichlich Gebrauch machen. Klangliche Eruptionen und Ausbrüche mit extremer Intensität wechseln sich immer wieder mit ruhigen Passagen ab, wenngleich die dissonanten, dramatischen Elemente absolute Oberhand behalten. Ähnlich wie in der Philosophie der Industrial Culture wird hier mit Begriffen wie „Verstörung durch kaputte bzw. eben dissonante Klangkompositionen“ ins Feld gegangen, den Zuhörer erwarten teilweise überraschende Brüche und Stimmungswechsel, die äußerlich chaotisch wirken, nach mehrfachem Hören aber kompositorische Tiefe und Reife erkennen lassen, welche die Intensität des Hörgefühls noch einmal verstärken. Im Vergleich zu früheren ELEND-Publikationen wurden sowohl der weibliche als auch männliche Stimmeinsatz auf ein Minimum reduziert und sind nun vielmehr Bestandteil des gesamtmusikalischen Ausdrucks. Der männliche Stimmeinsatz kommt meist in kurzen, französisch vorgetragenen Passagen zum Einsatz, der weibliche Sopran unterstreicht den apokalyptischen Charakter des Spektakels sondergleichen.

family: "Times New Roman";">Purer Hörgenuss, der sicherlich nicht nebenbei möglich ist. ELEND im Jahre 2007 ist auf eigene Art und Weise eine wirklich extreme und außergewöhnlich gute Veröffentlichung, die alle Vorgängersachen in den Schatten zu stellen vermag, was schon etwas heißen will, denn ELENDs Publikationen zeichnete immer eine besondere Note und Qualität aus. ELEND-Fans kommen an dem Silberling ohnehin nicht vorbei, Anhänger dramatischer, obskurer, diabolischer, experimenteller Musik/Klanglandschaften sollten ein, am besten drei Ohren riskieren: Auch wenn ich mich hier manch größerer Pressestimme anschließen muss - „A world in their screams“ gehört zu den Publikationen des Jahres 2007!


 
für nonpop.de


Verweise zum Artikel:
» Elend
» Prophecy
» Elend@myspace
» Holy Records
» Diskgraphie


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Zusammenfassung
Auch wenn ich mich hier manch größerer Pressestimme anschließen muss - „A world in their screams“ gehört zu den Publikationen des Jahres 2007!

Inhalt
Trackliste:

01 Ophis puthòn
02 A world in their screams
03 Ondes de sang
04 Le dèvoreur
05 Le fleuve infini des morts
06 Je rassemblais tes membres
07 Stasis
08 Borèe
09 La carrière d' ombre
10 J`ai touchè aux confins de la mort
11 Urserpens
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