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Tony F.

6 COMM: Headless

+ Let the moon speak


6 COMM: Headless
Genre: Neofolk
Verlag: Schwarzrock
Vertrieb: Soulfood
Erscheinungsdatum:
November 2006
Medium: 2xCD
Preis: ~16,00 €
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Lange angekündigt aber trotzdem fast überraschend erblickte nun doch noch einmal eine neue 6 COMM (früher SIXTH COMM) Veröffentlichung das Licht der Welt. Tatsächlich hat PATRICK LEAGAS den Hörer für die lange Wartezeit sogar mit einem Doppelalbum entschädigt. Das eigentlich neue Album hört dabei auf den Namen "Headless", während zahlreiche bisher unveröffentlichte Stücke auf dem zweiten Tonträger "Let the moon speak" versammelt sind. Die Entstehung dieser Stücke reicht teilweise bis in die Zeit kurz nach PATRICKs Ausstieg bei DEATH IN JUNE zurück. 


"Headless" selbst kann man eigentlich als Konzeptalbum betrachten, da PATRICK hier seine Erfahrungen vertont, die er während seiner "Reisen" Mitte und Ende der Achtziger Jahre gemacht hat und die er damals in einer Art Selbstreflexion aufgeschrieben hat. Vielleicht sollte man für den nicht mit allen Details betrauten Leser noch erwähnen, dass PATRICK unter anderem in Krisengebieten Nordostafrikas als Kriegsphotograph sowie in Afghanistan unterwegs war, wo er sogar in Kampfhandlungen verwickelt wurde. Bisher hat PATRICK immer betont, dass diese Erlebnisse keinen erheblichen Einfluss auf sein musikalisches Schaffen hatten. Diesmal ist es allerdings anders. Aus diesem Grund ist die Platte auch mit nah- und mittelöstlichen Klängen durchzogen, wodurch zusammen mit den Texten eine Atmosphäre entsteht, die dieses Album im Vergleich zu den sonst so üblichen Themen vieler anderer Bands so modern, so in die Zeit passend erscheinen lässt. Zugleich wird das Album gerade durch die Authentizität des Erlebten so eindrucksvoll, da hier nicht wie eigentlich zu oft Erfahrungen aus zweiter Hand verarbeitet werden. 


Im Vergleich zu alten 6<OMM-Stücken sind die "Headless"-Stücke offener, nicht so sehr im Songkonzept gefangen, ausgefallen. Zudem ist dem Album eine ruhig-bedrohliche Atmosphäre eigen, die sich massiv in den Stücken "Farewell, divided into the wind" und "Circle upon circles" wiederspiegelt. Zunächst beginnt das Album aber mit dem ruhigen, stimmungsvollen "Headless-attained and lost", bevor die Musik und der unvergleichliche Gesang in "Death of a lion" erstmals druckvoller werden. Hier wechseln sich ruhige, beschwörende Passagen mit hektischen Teilen voll mit drängenden, arabischen Musikfetzen ab. Dominant sind vor allem die für das Album so typischen perkussiven Elemente, die im Wesentlichen auf Handtrommeln und ähnlich gelagerten Instrumenten beruhen. Sehr deutlich in Richtung MOTHER DESTRUCTION geht das anschließende, überaus rhythmische und mit elektronischen Klängen versehene "Wasted soul", das aber nicht in die technoiden Bereiche der späten MOTHER DESTRUCTION hineingerät. Für mich ist dieses Stück definitiv eines der Höhepunkte dieser Veröffentlichung. 


In der zweiten Hälfte des Albums wird die Atmosphäre deutlich drückender, aber auch packender. "Farewell, divided into the wind" ist eher eine Sound-Collage, über der die raunende Stimme von PATRICK liegt, die politisch tagesaktuell Bush und Bin Ladin als Teile der gleichen Münze bezeichnet. Im Anschluss drängt sich "Circle upon circles" mit nervösen Perkussions, drückenden Sounds und verzerrten Spoken-Words in das Wahrnehmungsfeld, bevor es im ausladenden mit repetitiven Stimmgeräuschen versehenen "15 years..the endless dream illusion" um die Verarbeitung von PATRICKs extremen Erfahrungen als Kriegsphotograph in Nordostafrika geht. 


"Let the moon speak" beinhaltet ,wie schon erwähnt, unveröffentlichte Stücke der letzten Jahre. Insgesamt bietet diese Platte zu Anfang mit "Lake of tears" und "Like a death in june" (ja, da wird jeder wohl verstärkt ins Textbeiblatt gucken) zwei wunderschöne musikalische Arbeiten, die sehr stark an alte 6<OMM-Veröffentlichungen erinnern. Allerdings ziehen sich auch durch diese Platte die nah- und mittelöstlichen Elemente, so dass musikalisch nicht der absolut radikale Bruch entsteht. Weitere Höhepunkte sind sicherlich "Kalashnikov is my friend", das ohne weiteres auch auf die "Headless" gepasst hätte, sowie "Drown by faith". Gegen Ende bewegt sich die musikalische Darbietung dann noch deutlich in technoidere MOTHER DESTRUCTION-Gefilde - mit aus meiner Sicht abfallendem Niveau - bevor die Platte mit "Let the moon speak", mehr oder weniger einer Vokalversion des instrumantalen "Again to sleep...awake!" von der "Headless", endet. 


Insgesamt hat PATRICK LEAGAS aus meiner Sicht ein imposantes Werk geschaffen. Natürlich eilt auch er nicht von Höhepunkt zu Höhepunkt und die "Let the moon speak" klingt selbstredend etwas uneinheitlich, aber der Ideenreichtum und die Schaffung von Atmosphären in Bezug auf den sehr realen Hintergrund sind doch beachtlich. Sicher muss man "Headless" eher als Album sehen, welches mehr oder weniger nur als ganzes funktioniert, und Tanzflächenfüller wie "Niflheim" sollte man zudem nicht erwarten - die habe ich persönlich aber auch nicht erwartet. 


PATRICK LEAGAS ist nach seinem Ausstieg bei DEATH IN JUNE doch - hier und da auch zurecht - musikalisch und inhaltlich umstritten gewesen. Wenn man heutzutage allerdings nüchtern betrachtet, was seine ehemaligen Mitstreiter seit Jahren auf die Beine stellen, dann muss man doch eingestehen, dass 6<OMM musikalisch wie auch vor allem konzeptionell im Moment DEATH IN JUNE wie auch SOL INVICTUS deutlich enteilt ist.


 
Tony F. für nonpop.de


Verweise zum Artikel:
» 6 COMM

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Zusammenfassung
PATRICK LEAGAS ist nach seinem Ausstieg bei DEATH IN JUNE doch - hier und da auch zurecht - musikalisch und inhaltlich umstritten gewesen. Wenn man heutzutage allerdings nüchtern betrachtet, was seine ehemaligen Mitstreiter seit Jahren auf die Beine stellen, dann muss man doch eingestehen, dass...

Inhalt
HEADLESS

Headless - attained and lost
Death of a lion
Wasted soul
Again to sleep...awake!
To dream, the machine god
Farewell, divided into the wind
Circle upon circles
15 years..the endless dream illusion
Re-enter the second sleep

LET THE MOON SPEAK

Lake of tears
Like a death in june
Angel scream
Kalshnikov is my friend
Drown by faith
Dragonfly
Swayling
The crushing ice
Wail at the moon
Let the moon speak
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