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Dominik T.

VON THRONSTAHL: Mutter der Schmerzen

Neofolk-Antifa Is Watching You, part II


VON THRONSTAHL: Mutter der Schmerzen
Genre: Neofolk
Verlag: Der Angriff
Medium: CD
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Die letzten Monate waren ausgesprochen unterhaltsam in der deutschen "Neofolkszene", Josef Maria Klumb, der schon seit längerem im Verdacht steht, ein absoluter Berufsirrer zu sein, drehte mal so richtig auf und zeigte, was in ihm steckt, nämlich ein leicht reizbarer Kerl, der sich mitunter die Nächte um die Ohren schlägt, um absonderlichen "fixen Ideen" nachzujagen oder um durchaus sehr leidenschaftlich glühende und überdrehte Texte zu verfassen, denen man sprachliches Geschick, Phantasie und vor allem Unterhaltungswert nicht absprechen sollte.
(Da trotz des Getöses vielleicht nicht jeder alles mitbekommen hat: In diesen teilweise wieder gelöschten oder auch neu formulierten Klumb-Essays und Forenbeiträgen beklagte er sich darüber, von großen Teilen der Neofolkpresse ignoriert zu werden und vermutete, hinter diesem "Mechanismus" steckten unlautere Methoden. In diesen Texten geißelte er im wesentlichen "Heuchelei". Manchmal traf er da ins Schwarze, oft überdrehte er dabei mit handfesten "Drohungen". Schwamm drüber, aber folgende Bemerkungen, nebst sachlicher Musikrezension müssen erlaubt und in diesem Kontext gesehen werden.)

Just in dieser Situation erreichte uns ein Promopäckchen, und wer ahnt es nicht, darin auch eine VON THRONSTAHL-MCD namens "Mutter der Schmerzen", sollte uns das Schicksal so herausfordern? Denn pikanterweise mag es der Josef gar nicht, wenn man sein Projekt rein musikalisch nicht ganz so gut findet. Blöderweise mag er es aber auch nicht, wenn er einfach so übergangen wird, denn wer sich diese Vergehen zu schulden kommen lässt, ist mindestens ein total hinterhältiger Angstschisser, der von ihm, dem standhaften, ehrlichen und ultrarechten Abendland-Kulturkampf-Veteran, eine Tracht Prügel verdient hat. Was also, angesichts dieser Double-bind-Situation tun? Den Neofolkern im fernen Russland erklären, dass hier ein innerdeutsches Problemchen vorliegt? Nein, bloß nicht! Es bleibt nur, mit schlotternden Knien eine Rezension zu verfassen, die hoffentlich den Herrgott, Josef Klumb, Mossad, CIA, BRD-Verfassungsschützer, Antifa und Neofolk-Antifa nicht allzu sehr erzürnen wird, schließlich muss man auch als Rezensent tun, was getan werden muss...
Auf gehts also: "Mutter der Schmerzen" ist, soweit ich weiß, das erste fast reine VON THRONSTAHL-Akustikgitarren-(Mini)-Album. Der erste Song "Europa Calling" ist nicht etwa eine Coverversion eines gleichnamigen SOL INVICTUS-Songs, sondern eine "unplugged"-Neueinspielung eines FORTHCOMING FIRE-Liedes, welches sich im Original auf "Watching Rome Burn" (1999) findet. Leider kenne ich die Original F.F.-Version nicht, aber auch so lässt sich sagen, dass der etwas lässige Barhocker-Rockstargesang, zusammen mit der spartanischen Akustikgitarrenbegleitung schon fast mehr mit "Rockballaden" a la "More Than Words" (EXTREME) gemein hat als mit kämpferischem Neofolk, wenn auch die textliche "Abendland-Beschwörung" sehr eindringlich ausgefallen sein mag.
Weiter geht's mit einem besonderen Schmankerl, der DEATH IN JUNE-Coverversion "Runes And Men" (im Original auf "Brown Book", 1987). VON THRONSTAHL verwandeln auch diesen Klassiker des Genres in eine Art Rockballade, da aber Herr Klumb ganz unbestreitbar ein guter Sänger ist, finde ich diese Verwandlung nicht nur verzeihlich, sondern sogar als Experiment ganz angenehm. Nun darf aber natürlich auch der Schlaubergerhinweis nicht fehlen, dass schon allein dadurch, dass sich VON THRONSTAHL als ein so eindeutig selbstpositionierendes Musikprojekt an diesem Klassiker vergreifen, "Runes And Men" seines eigentlichen Charakters völlig beraubt ist. Die Stärke des DEATH IN JUNE-Songs, so erklären es intellektuelle DEATH IN JUNE-Apologeten, läge in der "ästhetischen Ambivalenz", die sich sowohl hintergründig-inhaltlich als auch gleichzeitig musikalisch aufdränge.
Hintergründig-inhaltlich, weil die im Hintergrund eingespielte SA-"Nacht der langen Messer"-Rechtfertigungsrede auf das Spannungsfeld "Homoerotik und NS" hinweise, musikalisch, weil das unschuldige Rose McDowall-Geträller und der allgemeine Pop-Appeal des Songs im Widerspruch zum "beunruhigenden" Text ("german wine/greater times" usw.) stünde. VON THRONSTAHL entzaubern, wie gesagt, die Magie des Songs notwendigerweise vollkommen, zumal auf Samples ganz verzichtet wird, aber gerade das ist interessant, wenn auch das Ganze für einen genüsslich rezipierenden DEATH IN JUNE-"Fan" aus oben genannten Gründen schon fast als Beleidigung durchgehen könnte.
Nun folgt mit "The Leaders Daughter" (der Titel ist übersetzt) der mit Abstand beste Song dieses kurzweiligen Minialbums, es handelt sich um ein, von einer Frau eingesungenes, traditionelles russisches Lied, dessen Hintergrund mich mal interessieren würde, wie wär es mit einem Essay dazu, Herr Klumb? Wer die schöne DARKWOOD 7" "Talons" (2000) schätzte oder das russische Volkslied, welches CAMERATA MEDIOLANENSE auf "Madrigali" (1998) vertonten, wird auch "The Leaders Daughter" lieben. Das Lied fängt übrigens netterweise mit der Bemerkung der Sängerin an, sie müsse sich ersteinmal konzentrieren, so fängt man wohl die Spontaneität einer Probe ein.
Im Anschluss nun "Adoration To Europa" in einer "harsh acoustic version". Ich möchte es nicht beschwören, aber mehr oder weniger ist diese Version identisch mit derjenigen, die ROSE ROVINE E AMANTI auf ihrem "Rituale Romanum"-Album zum Besten geben, d.h. der Italiener trällert mit. Einmal mehr stört mich der völlig beschissene Drumsound (siehe RREA-Rezension), der furchtbar übersteuert, unsauber und unprofessionell klingt, vielleicht war's das Kind aus dem BELBORN, das auf Tupperware rumschlägt?
Beim abschließenden "Mutter der Schmerzen" in einer "extended version" sind VON THRONSTAHL leider wieder ganz die Alten, d.h. Aus ist's mit VT-unplugged. Zur "besinnlichen" Melodie von "Stille Nacht, Heilige Nacht" heißt es "Christ, der Retter ist da". Da man ja neuerdings Angst um seine Gesundheit beim VT-Rezensieren haben muss, sag ich am Besten gar nichts dazu...
Fazit: Nach dem großartigen "Fahnenträger"-Stück aus dem Jahre 1998 endlich mal wieder drei gute VON THRONSTAHL-Beiträge hintereinander. Aus meiner Sicht sind sonstige VON THRONSTAHL-Werke eben, von wenigen Ausnahmen abgesehen, einfach Schrott. (Ich bitte untertänigst um Verzeihung.) Er sollte sich nicht allzu sehr in diese fixe Idee mitsamt dem Nebenprodukt "Märtyrerrolle" versteifen, verschiedene Szeneportale oder Magazine würden ihn meiden. Selbst wenn das auf einige wenige zutreffen mag, so wurde doch immer von jeder ernstzunehmenden Szenepublikation auf Künstler wie TURBUND STURMWERK, DAGDA MOR, BOYD RICE, RADIO WEREWOLF oder AIN SOPH ("Aurora") hingewiesen, die auch "politisch unkorrekte" Themen verarbeiteten. Vielleicht hat das "tiefere Geheimnis" eines angeblichen VT-Totschweigens einfach was damit zu tun, dass man eben lieber Tonträger bespricht, die einen weniger peinlich berühren, zumal sachliche Negativrezensionen den Herr ja nicht weniger zu erzürnen scheinen. Es läuft darauf hinaus, dass man ein Arsch ist, wenn man VON THRONSTAHL nicht toll findet, und auf dieses Psychospiel sollte man sich nicht einlassen.
Nichtsdestotrotz sorgt Josef Klumb immer wieder für Unterhaltung, seine Art, durch die er immer wirkt, als sei er aus einem Comicheftchen herausgefallen, ist, wenn man mal von RADIO WEREWOLF absieht (mit denen VT bzw. FORTHCOMING FIRE auch viel gemeinsam haben, weil es die ersten Projekte waren, an denen sich so eine unfassbar arme Sau wie Schobert abarbeitete), einzigartig im kleinen Neofolk-Kosmos. Vielleicht überzeugt er mit seinem nächsten Album ja musikalisch, Potenzial ist ja vorhanden (die Russin bitte weiter beschäftigen) und sein "Abendland-Pathos" ist, solange dieser nicht wie eine vertonte Wahlkampfrede wirkt, soweit auch in Ordnung und gut zur Musik passend. Er darf sich dadurch rühmen eine Art Nachfolger von JEAN JACQUES BURNEL (THE STRANGLERS) zu  sein, der ebenfalls unermüdlich "Europa" besang und sogar OSWALD MOSLEY ein Lied widmete, das meine ich total unironisch!
P.S. Beim Steinklang-Mailorder kann man zu "Mutter der Schmerzen" noch eine CDR mit weiterem VON THRONSTAHL-Akustik-Material bestellen.    

 
Dominik T. für nonpop.de


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Zusammenfassung
VON THRONSTAHL einmal von einer anderen Seite, mit Akustikgitarre, Rockstargesang und dem üblichen "Abendland-Pathos". Perfekt das russische Lied "The Leaders Daughter", welches von einer Russin eingesungen wurde. Weniger perfekt, aber gut, die anderen Lieder....

Inhalt
1. Europa Calling
2. Runes And Men
3. The Leaders Daughter
4. Adoration To Europa
5. Mutter Der Schmerzen

ca. 20 Minuten, Digifile...
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