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Dominik T.

ROSE ROVINE E AMANTI: Rituale

Rituale Romanum, Roma Aeterna?


ROSE ROVINE E AMANTI: Rituale
Genre: Neofolk
Verlag: Cold Spring
Medium: CD
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ROSE ROVINE E AMANTI, dieses römische Neofolkprojekt mit dem sehr schönen, allerdings auch italo-neofolkloristische Klischees rezipierenden Namen (zu Deutsch: "Rosen, Ruinen und Liebende") bewegt sich, offiziellen Darstellungen zur Folge, musikalisch im tiefsten Neofolk-Humusboden seit 2002. Zu Buche stehen bisher zwei Minialben, diverse Umsonst-Online-Samplerbeiträge für unsere "Kameraden" von "Neo-Form", "Neo-Folk" und ab und an auch mal einer, der was kostet.  Am Anfang dieser "Karriere" veröffentlichte man außerdem "Woyzeck", ein Album, welches von der gleichnamigen Novelle GEORG BÜCHNERS bzw. dem HERZOG-Film angeregt wurde. Später arbeitete das Projekt, hinter dem sich ein gewisser DAMIANO MERCURI verbirgt, schon einmal mit so Helden wie VON THRONSTAHL, SAGITTARIUS und BELBORN zusammen, Ergebnis u.a. ein Splitalbum mit dem letztgenannten Projekt. Alles in allem Gründe genug, um sich nun durch die Rezension von "Rituale Romanum" einen ganzen Berg von Vorurteilen bestätigen zu lassen oder auch um diesen abzutragen, zumal die untoten BELBORN auch hier mit von der Partie sind.  Unser "Hund" JOSEF "Hoppla, hier komm ich" KLUMB fungiert als "Artistical Supervisor", also eher hintergründig, ein breitbeiniges "Auf die Knie, ich bin ein Rechter!" ist also (leider) nicht zu erwarten. Tja, auf was läuft das nun hinaus? Ich würde sagen, weder noch, doch der Reihe nach: 
Zunächst überraschte mich das Album, ich habe eigentlich ein bisschen etwas anderes erwartet, eine Musik, die vielleicht ein schwächerer Abglanz von ARGINE ist, stattdessen ertönt ein Stil, der zumindest auf den ersten drei Stücken ein ungleich gruftigeres Flair verströmt. Auch ist weit und breit nichts zu hören von "Kabarett-Flair" und "neoklassischen Elementen", wie es noch COLD SPRING im Werbeblatt vollmundig versprechen. RREA präsentieren sich hier als Projekt, dem es um Eingängigkeit und besonders in "Soldato Cristiano" richtiggehend um Ohrwurmqualitäten geht. Das gelingt dann mit Hilfe einer Neofolkklampfe, etwas billig klingenden elektronischen Effekten und einem rockigen Schlagzeug (teilweise wohl auch ein Schlagzeugcomputer), welches ich allerdings noch mal gesondert ansprechen muss, auch ganz gut, es reißt nicht völlig vom Hocker, ist aber mehr als ein bloßes Dahinplätschern. Nun aber zum echten und auch dem synthetischen Schlagzeugsound: Also, ich bin ernstlich irritiert, ist das bewusst so unsauber abgemischt oder ist da bei der Produktion etwas schiefgegangen?  Das Schlagzeug klingt sofort auffallend ausgesprochen amateurhaft und "unscharf" wie auf einer hinterletzten Low-Budget-Demoaufnahme, fällt aber bei den späteren Songs nicht mehr so auf, vielleicht, weil man sich dran gewöhnt hat. 
ROSE ROVINE E AMANTI besitzen zwei Stärken: 1. Die Stimme des Sängers DAMIANO MERCURI und 2. Die Violine. Generell bin ich Verfechter der These, dass eine Stimme mit unverwechselbarer, eigener Identität im Zweifelsfall einem Musikprojekt mehr nützt, als eine normalschöne, gefällige Stimme, die immer die Töne trifft, aber ansonsten nicht weiter auffällt. DAMIANO MERCURIS Organ ist ungewöhnlich, weil es sich oft sirenenartig nach oben windet, ohne nun zu soetwas wie der neofolkloristischen Entsprechung zu KING DIAMOND zu werden. Das ist schon mal sehr gut so, weil es die Leidenschaft, die der Herr offensichtlich für seine Musik und die Texte empfindet, direkt und unvermittelt den Hörer miterleben lässt. Darüberhinaus ist D.M. aber auch "an sich" ein guter Sänger, Kompliment, auch wenn ich glaube, dass sich an dieser Stimme die Geister scheiden werden, aber im oben genannten Sinne muss das so sein und ist schließlich bei DAVID TIBET, OZZY OSBOURNE, BON SCOTT (RIP) und MARKUS WOLFF auch nicht anders. Nun zur Geige: Okay, da gibt es nicht viel zu sagen. Sie findet bei ROSE ROVINE E AMANTI reichlich Verwendung und klingt gut, erreicht aber nur selten die leidenschaftliche Qualität der besten ARGINE-Lieder. Alles in allem bringt mich das zu einem einfachen Urteil: ROSE ROVINE E AMANTI besitzen vor allem bei den Songs echte Grandezza, bei denen dieses Instrument möglichst viel zum Einsatz kommt. In diesem Sinne kann ich zu meiner Eingangsbemerkung zurückkehren: ROSINE ROVINE E AMANTI sind mir dann willkommen, wenn sie wie bei "Angel Always Stands for Us" (sehr schön) leicht an ARGINE erinnern. Ein weiteres Highlight folgt direkt darauf  "Adorazione Dell' Europa", eine Art VON THRONSTAHL-Coversong, der dann sehr stark an die VON THRONSTAHL-Akustik-Version dieses Liedes, also "Adoration To Europa", auf irgendeinem COLD SPRING-Sampler, erinnert (bei der, glaub' ich, D. Mercuri und J. Klumb das im Duett singen). Auf der RREA-Version werden noch Aufnahmen einer Massenveranstaltung reingesampelt, bestimmt was "Faschistisches", klingt aber eher wie eine Fußballübertragung im italienischen Fernsehen.  Die "Noise- Eskapade", die bei längerer Dauer das schöne Lied vollkommen ruiniert hätte, wäre wirklich entbehrlich gewesen. Jungs, bitte macht niemals "Industrial"!  Danach folgt "Aachen", schon wieder ein bis zur Hälfte durchaus gelungenes Stück mit interessanten Samples (KLAUS KINSKI habe ich erkannt, Nein, nicht "Du dumme Sau", sondern am gleichen Abend etwas früher) und intimer Neofolkklampfe. Gegen Ende dieses fast 10-minütigen Stückes klingt es dann (leider) wie eines der eher nervtötenden VON THRONSTAHL Stücke. 
Nach all diesem Lob muss nun noch der absolute Tiefpunkt des Albums erwähnt werden. Er ist, und es tut mir schrecklich Leid, einmal mehr BELBORN. Der Song mit ihrem Gastauftritt heißt  "Famiglia!", d.h. das BELBORN-Paar singt und RREA unterlegen das mit, äh..."psychedelischen" Gitarrenklängen. Textlich geht es im gewohnt unbeholfenen Sinne um den Wert der Familie im konservativen Sinne, was ja soweit in Ordnung ist, aber sonst ist dieses Lied einfach absolut unfassbar Scheiße. Es tut mir wirklich Leid, ich hätte Spaß daran gehabt, BELBORN zum Abschied mal "wider die Masse" zu loben, weil man sie irgendwie ja doch vermisst, aber so geht es nun echt nicht, bei allem Verständnis für Outsider-Musik. Schön wäre es, wenn BELBORN mal ein Enthüllungsbuch schreiben würden, in dem sie gestehen, dass sie uns nur, wie einst THE KLF, verarscht und gefickt haben, um zu zeigen, wie leicht man in der Neofolkparallelwelt seine "15 Minuten Ruhm" a la ANDY WARHOL erlangen kann, aber ich glaube nicht daran.  
Abschließend noch etwas zum "weltanschaulichen Hintergrund": ROSE ROVINE E AMANTI inszenieren sich, ähnlich wie VON THRONSTAHL, als "katholisches" Musikprojekt. Einen längeren Exkurs zu solchen Fragen wie "meinen die das Ernst?", müssen "wir" das ernst nehmen? und vor allem, ist das alles denn auch "inhärent", also von den eigenen Aussagen, der ästhetischen Präsentation usw. her wirklich so katholisch, wie es suggeriert wird, spare ich mir, wäre auch nur schlecht möglich, denn was ist schon katholisch? HANS MILCH oder doch eher Papst Benedikt? Was ich aber jenseits von all dem nicht verstehe und was ich auch als störend unstimmig empfinde, ist die Tatsache, dass RREA mit "Noi Mon Dimentichiamo" einen Song dem ermordeten Filmemacher THEO VAN GOGH widmen, dessen Film "Submission" man nicht bescheinigen kann, eine "kritische" oder "aufklärerische" Wirkung intendiert zu haben, sondern nur sinnlos Moslems in ihren religiösen Gefühlen verletzen wollte. RREA sind keine Black Metal-Band, sondern "katholisch" und hier in diesem Sinne gäbe es andere Personen, die keine Blasphemiker sind und die gut zum euphorischen "Europa-Kontext" des Projekts gepasst hätten und die, was das Zusammenleben von unterschiedlichen Kulturen und Religionen betrifft, ihre Verdienste haben und trotzdem erzkonservativ und katholisch sind, z.B. OTTO VON HABSBURG (Interview hier). 
Fazit: Der Anfang von "Rituale Romanum" ist ganz okay, plätschert gefällig so dahin, dann kommt mit dem BELBORN-Lied ein furchtbarer Tiefpunkt, ab da (und vorher auch schon ein bisschen) wird's richtig anhörbar bis sehr schön. Wer ein Projekt mit einem guten Sänger sucht, welches sich irgendwo zwischen ARGINE und VON THRONSTAHL eingerichtet hat, sollte RREA im Auge behalten und auch eine Chance geben. Abzustellen wäre allerdings der furchtbare misslungene Schlagzeugsound. Vielleicht ist dieser aber auch bewusst so abgemischt, immerhin fungierte JOSEF KLUMB als "Artistical Supervisor".  Insgesamt sollten sich diese Projekte aber sowieso nicht auf die faule Haut legen, denn nach wie vor gilt: NEOFOLK -  ANTIFA IS WATCHING YOU!


 
Dominik T. für nonpop.de


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Zusammenfassung
Wer ein Projekt mit einem guten Sänger sucht, welches sich irgendwo zwischen ARGINE und VON THRONSTAHL eingerichtet hat, sollte RREA im Auge behalten und auch eine Chance geben. Abzustellen wäre allerdings der furchtbare, misslungene Schlagzeugsound.

Inhalt
1. Rituale Romanum (Omnia mala fugant!)
2. Perso nel cuore di una foresta nella nera Germania. (Nature is the profume of Grace)
3. Soldato Cristiano (Let us pray in silence) (feat. Josef K.)
4. La danza del colibrì (Power is blood) after Macbeth by W. Shakespeare
5. Dersù Uzala (Acqua, Fuoco, Vento) (a complex fashion for a simple man) after Vladimir K. Arsen'ev / A. Kurosawa
6. Noi non dimentichiamo (2 Novembre 2004) (In memory of Theo Van Gogh, we salute you!)
7. Famiglia! (version) (feat. Belborn)
8. Angel always stand for us ( Don't be afraid! )
9. Adorazione dell'Europa (after Von Thronstahl)
10. Aachen (Sacro Romano Impero) (feat. Josef K.)
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