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Dominik T.

SHOCKTILT! Ausgabe 1


SHOCKTILT! Ausgabe 1
Genre: Industrial
Verlag: Shocktilt
Medium: Broschüre
Preis: ~12,00 €
Kaufen bei: Shocktilt!


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SHOCKTILT! ist ein ambitioniertes, neues Musikmagazin aus dem Umfeld des schwedischen Industrialprojektes SURVIVAL UNIT. Der offizielle Weblog verdeutlicht das Vorhaben: "Shocktilt was founded as an attempt to document the most bloodthirsty acts from the 80's post-mortem/destroyed musick field before they fall into oblivion." Es geht also, um das noch einmal auf deutsch zu wiederholen, darum für zu-spät-geborene Trüffelschweine die Hochzeit der Industrial/Kassettenkultur der 80er Jahre aufzuarbeiten. Seit einigen Wochen ist nun das erste Ergebnis in Form von zwei dickeren, kopierten DIN A5-Heftchen und ein paar Zusatzblättern zu bestaunen, aber weil es so obskur ist, sollte ich vielleicht erst auf den Namen des Magazins eingehen: SHOCKTILT war der Name einer finnischen "Hair-Crime"-Hardrockband (siehe Bild), die auch schon für MOTÖRHEAD-Shows eröffnete und, gelinde gesagt, etwas "Pech" mit ihrem Manager Anders Carlsson hatte. Dieser vergewaltigte und verstümmelte nämlich aus puren Lustmordgelüsten den SHOCKTILT-Sänger auf das Übelste, und aus war es mit der viel versprechenden Karriere der Band. Dieser Fall ist wohl einer der schrecklichsten der schwedischen Kriminalgeschichte (Die Band siedelte nach Schweden über), zumal Anders Carlsson später aus dem Knast ausbüchsen konnte und wieder einen Managervertrag bei der musikalisch verwandten Hardrockband REPTILE SMILE unterschrieb. Es konnte allerdings Schlimmeres verhindert werden, Carlsson wurde in Hamburg von Interpol festgenommen, während er gerade das "Geschäftliche" mit ein paar Strichjungen verhandelte…Man kann glücklich sein, daß der gute Mann EUROPE verschonte, sonst  wäre die Welt um so GENIALE Songs wie "Carrie", "Cherokee", "Ninja" und natürlich "The Final Countdown" ärmer!.. Ein Film über SHOCKTILT und ihr Schicksal ist in Vorbereitung, den Trailer kann man sich hier anschauen. Das Magazin bietet (auf Englisch) eine recht chaotische Mischung aus alten Dokumentationsinterviews (bzw. sonstigen Texten, Rezensionen) und auch neuen Gesprächen mit alten, aber eher nur Insidern bekannten Industrialkünstlern dieser Zeit. Hier eine simple Aufzählung, so ein Magazin kann man eh nicht im normalen Sinne "rezensieren": VIVENZA, UN-KOMMUNITY, METGUMBNERBONE (ihre Grabschänder-Anklage), GARY MUNDY von RAMLEH bzw. dem Pionierlabel für Power Electronics BROKEN FLAG, CLUB MORAL, DEVIATION SOCIAL, MAUTHAUSEN ORCHESTRA, ETAT BRUT, THE LEATHER NUN, NEKROPHILE REC., HUNTING LODGE, ZAHGURIM (eine frühere TOPY-affilierte Band, die später in thand.com/">LEFT HAND RIGHT HAND aufgingen, bei denen wiederum SOL INVICTUS-Mann KARL BLAKE mitmischte), GREY WOLVES, GERMAN SHEPHERDS, PURE (SKULLFLOWER Vorgänger), NON TOXIQUE LOST, VAGINA DENTATA ORGAN, PRODUKTION (Ein Filmprojekt aus dem frühen WHITEHOUSE Umfeld, gleichzeitig eine Art Friseursalon in London, in dem man sich zu Industrial die Haare schneiden lassen konnte.), COUP DE GRACE (BLOOD AXIS- Vorgänger). Dazu dann aktuelle (!) Retrospektive-Interviews mit RAFAEL FLORES/COMMANDO BRUNO, FALX CEREBRI, GRAF HAUFEN, KURT VOLENTINE, HG. WELLS, ein altes Projekt des Malers HAROLD McNEILL, der auch hinter REPUBLIC (STORM Single "Freedom Through Ability") steckte, NICO CLAUX, ein Maler/Mörder/Satanist, than+Briley">JONATHAN BRILEY, zeitweise zweiter Mann bei SLEEP CHAMBER, der aber auch eigene hervorragende Ritual-Tapes veröffentlichte (Warum gibt es hier keine Wiederveröffentlichung?) und THOMAS THORN (ELECTRIC HELLFIRE CLUB, MY LIFE WITH THE THRILL KILL CULT, sowie die Death Metal Band WOLFEN SOCIETY). Letzteres Interview ist besonders interessant, weil es natürlich nicht um EHC geht, sondern um seine frühe Beteiligung bei INTRINSIC ACTION, SLEEP CHAMBER und COUP DE GRACE. Vor allem aber geht es um sein eigenes Projekt SLAVE STATE bzw. ARBEIT GROUP. Hier handelte es sich um ein historisch "wichtiges" Industrialprojekt, dessen Einfluss, obwohl nur zwei Kassetten veröffentlicht wurden, (noch) weitreichender war, als es das Interview suggeriert. Man erschuf eine Kunstwelt, deren thematisch-ästhetische Hauptschwerpunkte in überzogener Virilität, Skinhead-Ästhetik und apokalyptischem Helter-Skelter (im Sinne von Rassenkrieg) bestand. Thorn beschreibt  auf lustige Weise, dass gerade dieses Image SLAVE STATE bei den "Girls" besonders beliebt machte. Der recht bekannte Power Electronics-"Club- Hit" "Male Payment" von INTRINSIC ACTION geht auf diese Zeit zurück, aber auch das aufgrund seines Rassisten-Image halbwegs bekannt gewordene Power Electronics-Projekt TERRE BLANCHE bediente sich fleißig bei SLAVE STATE. Dem Interview zufolge ist die Covergestaltung der TERRE BLANCHE "The Sickle Cell"-Single (1988) direkt bei SLAVE STATE abgekupfert. Manch ein Leser wird vielleicht auch den GODFLESH Song "Slave State" kennen, und tatsächlich JUSTIN BROADRICK (ex-NAPALM DEATH) bestätigte einmal in einem Interview, dass er sich hier von besagtem Projekt inspirieren ließ. Wenn man bedenkt, dass ELECTRIC HELLFIRE CLUB später mehrmals mit TYPE O´NEGATIVE durch die USA tourten und das Chartstürmer-Durchbruchsalbum "Bloody Kisses" einem verstorbenen EHC-Mitglied gewidmet war, scheint mir auch eine wechselseitige SLAVE STATE / CARNIVORE- (Stichwort "Male Supremacy" oder "Race War") Beeinflussung nicht ganz ausgeschlossen zu sein, obwohl das erste CARNIVORE-Album vor der ersten SLAVE STATE-Kassette veröffentlicht wurde, ist aber (natürlich) auch echt egal. Leider steht es noch in den Sternen, ob die schwer zu findenden SLAVE STATE-Kassetten mal auf CD wiederveröffentlicht werden, eventuell ist eine Gemeinschaftsveröffentlichung mit COUP DE GRACE angedacht, THOMAS THORN hat hier verständlicherweise Bedenken, möchte er doch nicht von irgendwelchen Saubermännern für "Jugendsünden" genervt werden, die fast 20 Jahre zurückliegen und mit denen er nicht wirklich mehr etwas zu tun hat. Zu begrüßen wäre eine solche Veröffentlichung dennoch! SHOCKTILT ist, wie eingangs erwähnt, ein Magazin für eine kleine, fest umrissene Zielgruppe, nämlich für die Spezie von (positiv) Verrückten, die aufgrund ihres Alters, die spannendste Industrialzeit selbst nicht miterlebt haben, aber nun alles ganz genau wissen wollen. So ein zeitaufwendiges Hobby wird vermutlich von den echten Zeitzeugen eher belustigt bis erstaunt zu Kenntnis genommen (THOMAS THORN gibt hier auch einen väterlichen Rat), eine nachträglich ausgemalte Vergangenheit gerät nun mal in der Regel um einiges romantischer als die "Wirkliche". SHOCKTILT sollte dennoch zur Pflichlektüre all jener werden, die wirklich neugierig sind und die Genese des Industrial (auch des Neofolk mitsamt seiner "politischen Unkorrektheit") verstehen lernen wollen. Von dem schlichten Umstand, dass es noch so unendlich viel zu entdecken gibt, was qualitativ vielen heutigen Industrialveröffentlichungen meilenweit voraus ist, einmal abgesehen. Das Layout ist übrigens recht chaotisch, einige wenige Artikel sind sogar unlesbar, ein oder zweimal sind die Texte auch ganz unvermittelt einfach auf Schwedisch verfasst, von mir gibt es dazu aber keine Kritik, weil ich es irgendwie stimmig finde, wenn schwierig zu lesende Artikel sich mit schwierig zu findender Musik beschäftigen, hier ist sowieso das Suchen und Herausfinden wollen Teil des Vergnügens. In dem Sinne, viel Spaß! Der Preis beträgt 12 Euro inkl. Porto und die erste Auflage von 450 Exemplaren ist schon so gut wie weg. Bestellen via: alfarmania@gmail.com


 
Dominik T. für nonpop.de


Verweise zum Artikel:
» SHOCKTILT!


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