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Roy L.

Spectre :: Mantra Voluntatis

Warhol vs. Vitriol


Spectre :: Mantra Voluntatis
Genre: Postrock
Verlag: HauRuck!...
Erscheinungsdatum:
Februar 2006
Medium: CD
Preis: ~14,00 €
Kaufen bei: HR!S.P.Q.R....


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Es gibt durchaus die ein oder andere Band, der man ruhigen Gewissens solch dogmatische Adjektive wie "stilprägend", "außergewöhnlich" oder "einzigartig" hinterherschmeißt, während sich die etwas weniger genialen Dilettanten immerhin mit den Begriffen "kauzig" oder "schräg" begnügen müssen, von diversen Neologismen erst gar nicht zu reden. An einer Band wie AIN SOPH, die sozusagen seit Jahren eigentlich nur latent existiert, prallen jedoch all diese wahnsinnig originellen Gebrauchswörter wie von ehernen, zeitlosen Wällen ab. Diese römische Kapelle lässt sich einfach nicht im kleinlich-profanen Rahmen einer Plattenkritik erfassen und mir wird ungelogen immer ganz übel, sobald sich jemand daran vergreift. Bevor mich allerdings die Erzschelme unter den Lesern nun der bigotten Versündigung bezichtigen, will ich freilich noch geraderücken, dass wir mit HR!SPQR Numero VIII in der Tat ein "Soloprojekt", wie es so schön heißt, vorliegen haben, das zweifelsohne im AIN SOPH Kosmos angesiedelt ist, aber dies womöglich nicht ganz so stringent, wie eingangs sicher vermutet wurde. Trotzdem, wenn sich angesichts der langjährigen Ruhephasen, die sich die Römer gönnen, größere Entzugserscheinungen einstellen, gerät man gern in Versuchung, voreilig oder überhaupt einmal wieder das neue AIN SOPH Album in den Händen halten zu dürfen. Und mein Gott, ich gebe es zu, wie haben mir diese Hände gezittert, als ich "Mantra Voluntatis" zum ersten Mal dem dafür zuständigen Abspielgerät anvertraut habe. Hmm, aber was ist das, ein warholianischer Folkrocktrip durch das austroromanische Wonderland? Eine Pop-Art Repro des "Ottobre" Albums? Die (nicht unbedingt üble) Laune eines musizierenden Videokünstlers? Ganz ruhig, wir wollen es nicht überstürzen. Mit dem Titelstück beginnt das Album weniger AIN SOPH - mäßig seichtrockig bluesfarben und sehr AIN SOPH - mäßig rituell, invokativ. Ja, was denn nun? Es ließe sich für jedes der elf Stücke im einzelnen aufzählen, inwiefern das Soloprojekt das ehrwürdige Erbe fortführt oder über den Haufen wirft. Irgendwie fehlt es "Mantra Voluntatis" an  diesem bleischweren Downtempo Gitarrengeschraddel, den beschwörerischen Orgeln und Rezitativen, die für AIN SOPH so charakteristisch geworden sind. Aber ich würde lügen, wenn ich behauptete, dies wären nicht die präsentesten Stilmittel bei SPECTREs Soloabenteuer. Vor allem "La Lunga Via" könnte als Überbleibsel der letzten AIN SOPH Aufnahmen durchgehen. Ja, und was geschah mit dem stets wandelbaren magischen Moment, dem Vitriol, das dereinst aus pittoresken Szenen des Nachkriegsitaliens eine evoladurchtränkte "Philosophia Perennis" extrahierte? Nun, es ist trotz der, von Freundchen blutharsch.com">Albin angezettelten Elektrorock-Hymne "Next Time" nicht verlustig gegangen, sondern streift irgendwo zwischen den allgegenwärtigen psychedelischen Gitarrensolos, den Trip-Hop Beats des Gainsbourg Covers "Melody" (wenn in Zukunft mal wieder jemand Gainsbourg nachsingen möchte, dann sollten wir das auschließlich Boyd Rice überlassen...) und der instrumentalen Neuaufnahme von "Gli Amanti Tristi" umher. 
Im wesentlichen aber dürfen wir nicht den Fehler begehen, "Mantra Voluntatis" zu sehr oder zu wenig auf AIN SOPH zu beziehen, es befindet sich so gesehen in einer zwielichtigen Grauzone. Zu einem allzu großen Teil ist das Album eben auch die konsequente Weiterentwicklung des Solokünstlers Marcello Fraioli, der bereits Anfang der 90er unter dem Namen SPECTRA ELECTRIC Warhol-inspirierte Tonkunst produzierte. Auf dem zungenbrecherischen Tape "Ipnomusictrancedancetecnopunkacidblues" (Misty Circles) findet sich übrigens auch schon das Stück "Maine Ehe" (sic!), das auf dem hier vorliegenden Album gleich zweimal (deutsch (!) und italienisch) aus Warhols Reflexionen über das Fernseh- und Videozeitalter zitiert. Sein wir also ehrlich, "Mantra Voluntatis" ist wahrscheinlich am ehesten eine stark von AIN SOPH beeinflusste SPECTRE Platte und kein "Ottobre" -, noch weniger ein "Aurora" - Nachfolger. Ein visionäres Werk irgendwo in der gewagten Schnittmenge von Trash-Kultur und "Pure Roman Style".


 
Roy L. für nonpop.de


Verweise zum Artikel:
» Marcello Fraioli
» HR!S.P.Q.R.
» Ain Soph

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Zusammenfassung
„Mantra Voluntatis“ ist wahrscheinlich am ehesten eine stark von AIN SOPH beeinflusste SPECTRE Platte und kein „Ottobre“ -, noch weniger ein „Aurora“ - Nachfolger. Ein visionäres Werk irgendwo in der gewagten Schnittmenge von Trash-Kultur und „Pure Roman Style“.

Inhalt
Mantra Voluntatis
House Of The King
Melody
Signore Non Son Degno
Maine Ehe (Reprise)
Apocalypse
Next Time
E Ad Uno Ad Uno.....
La Lunga Via
Amanti Tristi
Maine Ehe (Italo-Edit)

53min

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