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Patrick M.

Frank Zappa - The Yellow Shark

Frank Zappa – Ensemble Modern


Frank Zappa - The Yellow Shark
Genre: Experimental
Verlag: Rykodisc
Erscheinungsdatum:
1993
Medium: CD
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Alle kennen den Begriff „Kafkaeskes". Nur viele kennen den Begriff „Zappaeskes".
Und viele reduzieren Frank Zappas Schaffen auf „Titties And Beer" und „Broken Hearts Are For Assholes". „Bobby Brown" ist sein wohl bekanntestes Lied, wenn auch für Zappa sehr untypisch. Daß aber Frank Zappa ein mehr als nur großartiger Komponist war, zeigt sich nicht nur in den Rock-Alben sondern vielmehr in den Unmengen seiner Kompositionen für Orchester und Kammermusik. Eine Scheibe soll nun an dieser Stelle besprochen werden: The Yellow Shark.

Für die Interpretation der Yellow Shark fand sich das Frankfurter Ensemble Modern. Die hochkarätigen Musiker machten mit Begeisterung und Engagement das Unmögliche möglich, auch die als lange Zeit „unspielbar" gegoltenen Kompositionen, handgespielt in die Sinne der Betrachter und Zuhörer zu legen. Dirigiert wurde das Ensemble Modern von keinem geringeren als Peter Rundel.

The Yellow Shark ist das letzte zu Zappas Lebzeiten erschienene Album.
Dieses Live-Album mit 18 Stücken (Intro nicht eingerechnet) wurde im September 1992 in Frankfurt am Main, Berlin und Wien aufgenommen und erschien dann 1993, im Todesjahr Frank Zappas (gest. 4. Dezember 1993). Wenn Zappa als Komponist seine eigenen Stücke sonst immer mitinterpretiert hat, beschränkte sich der schwer Krebskranke bei The Yellow Shark im Intro auf einige Worte und dirigierte nur wenige Stücke, was er während der Yellow Shark-Tour 1993 ganz sein ließ.

Den musikalischen Einstieg geben Neuinterpretationen bereits bekannter Lieder, wie „Dog Breath Variations" und „Uncle Meat". Eine Reihe zuvor unveröffentlichter Lieder geben dem Album ein sehr gutes Bild „zappaesken" Schaffens, dessen Höhepunkt an Zappa-typischen Sarkasmen sicherlich Welcome To The United States ist – die vertonte Parodie eines Einreiseformulars der US-Behörden. Darin ist zum Beispiel auch eine Frage nach typisch amerikanischer Manier und fahndungstechnischem Geschick enthalten, die klar mit „ja" oder „nein“ zu beantworten ist, ob man in irgendeiner Terrororganisation verwickelt sei. Frank Zappa, der zu Lebzeiten so manchen Sittenwächter auf die Barrikaden gehen lassen hatte, gab damit posthum nochmals zum Aufschrei Anlaß, als das Ganze mit dem 11. September und den verschärften Einreisebedingungen in die USA einen wahrlich surrealen Charakter bekam. Das reicht aber noch lange nicht: Diese scheinbar vollkommen amerikanische Nummer Welcome To The United States beginnt mit einem deutschen Uff-Da-Da-Karnevalsmarsch und beim „Gebabbel" läßt sich auch ein eindeutiges „Wolle mern reilasse...?" vernehmen. Eine gelungene, plakative Mischung aus Einwanderungsgesetzen und Narretei, mit der Zappa den American Way Of Law And Order wieder mal ordentlich auf die Schippe nimmt.

Zwar spart Frank Zappa auf der Yellow Shark nicht mit Sarkasmus, dennoch ist dieses Album eine nur teilweise „lustige" Platte. Dem vielleicht ungeübten Ohr verschließen sich im Moment die Kompositionen und wirken zuweilen kalt und unzugänglich. Aber der eine oder andere Zuhörer, sei er Liebhaber avantgardistischer Musik oder Zappa-Fan, wird mit der Zeit sicherlich Zugang finden, sofern er sich auf zeitweise scheinbar verworrene und introvertierte Orchestermusik einläßt, die nichts mit dem Orchester im klassischen Sinn zu tun hat. Ebensowenig ist The Yellow Shark keine Rock-Platte, die den hartgesottenen Zappa-Fan vielleicht enttäuscht: zeitweise Ernsthaftigkeit und ständige kammermusikalische Disziplin lassen keine Show zu, für die Frank Zappa zuweilen bekannt war.

The Yellow Shark von Frank Zappa bietet mit gekonnter Interpretation der „Freaks" des Frankfurter Ensemble Moderns eine wunderbare Platte, die trotz Ernsthaftigkeit und Disziplin begeisternde musikalische Momente bietet, ohne sich durch lange ausladende und überladene Kompositionen quälen zu müssen. Aber in jedem Falle Zappa und sein eigener Beitrag, endlich nicht mehr auf „Titties And Beer" reduziert zu werden.

 
Patrick M. für nonpop.de


Verweise zum Artikel:
» Frank Zappa
» Ensemble Modern


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