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Claudia K.

Terry Pratchett - Alles Sense

Ein Roman von der bizarren Scheibenwelt


Terry Pratchett - Alles Sense
Kategorie: Rezension
Wörter: 790
Erscheinungsdatum:
1994 (deutsche Ausgabe)
Medium: Buch
Preis: ~8,00 €
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In den Tiefen des Weltalls stehen auf dem Rücken einer galaktischen Schildkröte vier Elefanten, die auf ihrem Rücken die Scheibenwelt tragen. Der Name dieser Welt ist Programm: Sie ist flach, und vermutlich ist es möglich, von ihrem Rand zu fallen. Darüber, ob die Sterne an einer Kuppel über der Welt aufgehängt sind, wird noch gestritten. Das Licht auf ihr bewegt sich langsam und träge und neigt dazu, Klumpen zu bilden. Magie ist oktarinfarbend, und der Bibliothekar der Unsichtbaren Universität in der Metropole Ankh-Morpork ist ein Orang-Utan… oder nein, eigentlich ein Zauberer, der sich nach einem magischen Unfall nicht wieder in einen Menschen zurückverwandeln wollte. Ich hoffe, Sie konnten mir soweit folgen. Man ahnt: eigenartige Gestalten bevölkern diese Welt. Und einmal mehr ereignet sich dort Seltsames…

Der Tod der Scheibenwelt spricht in Großbuchstaben. Er lebt in einer Dimension außerhalb der gewöhnlichen Raum-Zeit, die er der Welt der Sterblichen ähnlich gestaltet (allerdings in eher gedämpften Farben). In seinem Arbeitszimmer rauscht die Zeit: sie rieselt in den abertausenden Sanduhren, die dort in den Regalen stehen. Jeder Bewohner der Scheibenwelt hat eine solche Sanduhr, die über das Verstreichen seiner Zeit, die Länge seines Lebens, Auskunft gibt. Tod reitet auf einem weißen Pferd namens Binky. Er hat es mit Knochenrössern versucht, die zweifellos sehr gut zu seinem Image passen würde. Doch diese Tiere neigen dazu, ihre Knochen zu verlieren und auseinanderzufallen, und das ist äußerst lästig und unpraktisch.

Eines schönen Tages wird Tod seines Amtes enthoben. Der Vorwurf: Er, eine anthropomorphe Personifizierung, seines Zeichens dafür verantwortlich, die Seelen der Verstorbenen ins Jenseits zu geleiten, habe eine eigene Persönlichkeit entwickelt, und sei damit nicht mehr tragbar. Kurzum: Ihm, der außerhalb der Zeit stand, wird eine laufende Lebensuhr in die Hand gedrückt. Als Sterblicher wird er auf die Scheibenwelt geschickt, wo er sich als Erntehelfer auf einem Bauernhof verdingt und zum ersten Mal erfährt, was es bedeutet Zeit zu haben. Und Zeit zu verlieren. Doch ein Fehler wurde gemacht: Tods Nachfolger lässt auf sich warten. Die Seelen der Verstorbenen gelangen nicht mehr ins Jenseits; überschüssige Lebensenergie staut sich an und wird langsam unkontrollierbar. Schließlich gründen die lieben Verstorbenen eine Untoten-Selbsthilfegruppe, die Zauberer der Unsichtbaren Universität versuchen das Geheimnis der sich anstauenden Lebensenergie zu ergründen, der Tod wird beschworen, einige zählende Kiefern aus den Spitzhornbergen lassen ihr Leben (ebenso die eine oder andere Eintagsfliege), der Rattentod wird geboren (falls es in diesem Zusammenhang zutreffend ist, von einer Geburt zu sprechen) – und in all dem Chaos versucht obendrein eine fremde Spezies namens „Supermarkt“, sich auf der Scheibenwelt anzusiedeln.

Die Scheibenwelt ist sicherlich eine Buchreihe, die geeignet ist, die Meinungen der Geister in „genial“ und „grauenhaft“ zu spalten. Der ganz spezielle Humor dieser Werke ist manchmal zumindest gewöhnungsbedürftig (der eine oder andere mag sagen: Stellenweise unerträglich), und mir gefallen auch bei weitem nicht alle Episoden aus diesem ganz eigenen Kosmos. „Alles Sense!“ jedoch ist für mich eines der Bücher der Reihe, die hervorhebenswert sind. Es ist eine eigenartige, nachdenklich stimmende, Geschichte über Leben und Zeit, und die Vergänglichkeit von beiden, und selbst die Zauberer sind dieses Mal weniger anstrengend als gewöhnlich. Im Gewand des typischen Scheibenwelt-Humors werden der Umgang mit dem Tod und die Endlichkeit des Daseins thematisiert. Das Thema Zeit wird aus unterschiedlichen Sichtweisen beleuchtet – und eine kleine Liebesgeschichte gibt es auch. Die Nebenhandlung mit der Spezies "Supermarkt" wirkt ein wenig unmotiviert und ist für den Verlauf der eigentlichen Geschichte nur am Rande relevant. Sie erfordert stellenweise ein wenig Geduld - aber trägt immerhin dazu bei, die allgemeine Verwirrung in Ankh-Morpork zu verstärken. Ebenfalls mit dabei sind einige sympathische Seitenhiebe auf Religionen, Esoterik, Selbsthilfegruppen, Vampirismus, ein wenig Kritik an der Welt außerhalb des Buches (manche bezeichnen sie als die reale Welt), einige wirklich göttliche Dialoge, sowie viele alte Bekannte von der Scheibenwelt. Die Zauberer mischen mit, Schnapper, der Bibliothekar, der Patrizier, die Stadtwache – und wie immer ist der Fluß Ankh so dickflüssig, dass man auf seiner Oberfläche fast spazieren gehen kann.

Vor allem aber lebt diese Geschichte von Tod und seinem Befremden der Welt gegenüber, in die er sich plötzlich versetzt sieht. Beobachtet hat er die Sterblichen schon immer – nun erlebt er was es heißt, selbst sterblich zu sein. Und nicht sterben zu wollen. Er, der außerhalb der Zeit stand,  muß nun lernen,  mit begrenzter Zeit zu leben; eine Begrenztheit, welche die Dinge wertvoller macht, für den ehemaligen Sensenmann aber auch schwer zu ertragen ist. Die Szenen mit Tod sind komisch, aber immer auch unterschwellig traurig. Er erhält einen Namen, lernt Rituale des menschlichen Zusammenseins und den Wert geleisteter Arbeit kennen – und lehnt sich schließlich gegen das Schicksal auf, indem er ein kleines Mädchen rettet und sich seinem Nachfolger, einem persönlichkeitslosen Tod, entgegenstellt.

 
Claudia K. für nonpop.de



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Zusammenfassung
Ein Roman von der bizarren Scheibenwelt

Inhalt
Das hätte einfach nicht passieren dürfen: Tod, dem Sensenmann der Scheibenwelt, ein Stundenglas in die Hand zu drücken und ihn ungefragt in den Ruhestand zu schicken. Bleibt den Verschiedenen vorerst nichts anderes übrig, als der Untoten-Selbsthilfegruppe beizutreten - Himmel oder Hölle, das Leben ist ein Jammertal, wenn nicht einmal mehr ordentlich gestorben werden kann ...
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