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Axel M.

Nouvelle Vague

Neue Lässigkeit aus Frankreich


Nouvelle Vague
Genre: Sonstige
Wörter: 769
Erscheinungsdatum:
2005
Medium: CD / LP
Preis: ~17,00 €
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Zwar schon vor über 1 Jahr auf  Peacefrog (www.peacefrog.com) erschienen, halte ich eine nachträgliche Rezension für unverzichtbar, da dieses französische Projekt es doch gewagt hat, viele Klassiker "unserer" Szene aus den Achtzigern in neuem Gewand zu präsentieren - nämlich als sogenannte Easy Listening-Versionen. Das Spektrum reicht von JOY DIVISION (natürlich LOVE WILL TEAR US APART) bis zu den DEAD KENNEDYS (TOO DRUNK TO FUCK).

NOEVELLE VAGUE (www.nouvellesvagues.com) ist ein französisches Duo, bestehend aus den Multiinstrumentalisten MARC COLLIN (Tasten, Programmierung) und OLIVIER LIBAUX (Gitarren, Bass, Tasten). Dazu bedient man sich diverser Gastsängerinnen. Der Name des Projektes kann mit "New Wave" übersetzt werden, und so haben sich die beiden Musiker es sich nicht nehmen lassen, eben Klassiker dieses Genres für ihr gleichnamiges Debüt heranzuziehen.

Laut den Information auf ihrer Internetseite (in englisch und französisch) bestand die Intention darin, den ursprünglichen Punk- und New Wave-Hintergrund der einzelnen Lieder zu vergessen und statt dessen junge Sängerinnen, die die Originale nie gehört haben, diese in einem Jazz-, Bossa Nova- oder Sechziger Jahre Pop-Stil  interpretieren zu lassen.

Für einen, der die Originale fast alle kennt, ist das Ergebnis begeisternd - DIE Hintergrundmusik für verräucherte Cocktailbars.

Hier nun die Stücke im Überblick:

1. Love Will Tear Us Apart (JOY DIVISION)

Eine lässige Interpretation mit Meeresrauschen im Hintergrund. Selten wurde ein Klassiker des Genres so oft nachgespielt wie dieser, doch blieben alle immer dicht am Original. Eine Bossa Nova-Version wurde bisher laut den Liner Notes nicht aufgenommen. Zum ersten Mal erhält daher dieses ansonsten ja eher tieftraurige Stück einen erotischen Flair.

2. I Just Can't Get Enough (DEPECHE MODE)

Kennt wohl auch jeder, ohne unbedingt in den Achtzigern unterwegs gewesen zu sein. Hier als beschwingter Tanzrhythmus zum Röcke-fliegen-lassen...

3. In A Manner Of Speaking (TUXEDOMOON)

Hier geht's schon etwas ins Eingemachte - damals kein "Hit" und weitestgehend unbeachtet. Vielleicht driftet deswegen diese Interpretation auch mehr in die Melancholie des Originals ab.

4. Guns Of Brixton (CLASH)

Stilistisch sehr am Original, hatten THE CLASH doch in der Phase bereits den Punk-Mantel abgeworfen, um sich musikalisch auch Richtung Ska, Reggae, Pop - was auch immer - zu öffnen.

5. This Is Not A Love Song (PUBLIC IMAGE LTD.)

Genauso trocken wie das Original und für mich auch eines der schwächeren Stücke auf dieser Platte - und auch von P.I.L.

6. Too Drunk To Fuck (DEAD KENNEDYS)

Der vorherige Schreck kann jetzt aber wieder absoluter Begeisterung weichen - der nach zuviel Zigaretten und Sekt auf Eis klingende Frauengesang paßt hervorragend zum besungenen Thema, absolut köstlich.

7. Marian (SISTERS OF MERCY)

Das Original kennt ja wohl auch jeder - hier kommt das Lied ähnlich düster rüber, wird aber deutlich aufgelockert durch den Lolita-Gesang. Einer der großen "Gothic"-Klassiker hat hier einen würdigen Nachfolger gefunden.

8. Making Plans For Nigel (XTC)

Hier kann ich zum Original nichts sagen, da ich es nicht kenne - die Version hier kann dem geneigten Zuhörer aber einen Sonntag-Nachmittag mit trockener Melancholie versüßen.

9. A Forest (THE CURE)

Dürfte wohl auch allen bekannt sein, kommt hier als akustische Version mit Vogelgezwitscher im Hintergrund.

10. I Melt With You (MODERN ENGLISH)

Für mich der absolute Höhepunkt dieses Tonträgers. Auch hier ist mir das Original leider nicht bekannt, aber angesichts dieser Interpretation bin ich mir auch nicht sicher, ob ich es noch kennen lernen will: soviel romantischer Nihilismus, das bekamen eigentlich nur NANCY & LEE oder SPELL hin...

11. Teenage Kicks (UNDERTONES)

Schon das Original erinnerte ja stark an die Sechziger-"Rebellen", und auch diese Version wirft uns 40 Jahre zurück in die Zeit der aufkommenden Schlaghosen, demolierten Konzertsäle  und fliegenden Pflastersteine.

12. Psyche (KILLING JOKE)

Auch diese Interpretation bringt die dunkle, bedrohliche Atmosphäre des Originals rüber und dürfte daher auch das "schwärzeste" Stück dieser Platte sein.

13. Friday Night, Saturday Morning (THE SPECIALS)

Leider ist die Platte hiermit zu Ende, und irgendwie hebt sich dieses Stück auch gemeinsam mit dem Vorgänger vom restlichen Material ab - klingt irgendwie wie die alten Cherry Red- oder 4AD-Veröffentlichungen.

Fazit: wer ergründen möchte, wie man aus einem ohnehin schon guten Lied eine - meistens - stilistisch völlig andere Version hinzaubert, sollte sich diesen Tonträger zulegen. Und wer auf erotisierenden Lolita-Gesang steht (sprich wer JANE BIRKIN und Konsorten mag), kann hier nichts falsch machen. Leider ergeht es dieser Veröffentlichung wie vielen aus unserem Nachbarland - schwer und wenn zu bekommen, dann teuer, zumal wohl auch keiner weiß, worunter diese Scheibe einzuordnen ist. Gibt es als CD und LP.

Hörproben, Infos, Bilder etc. auf der Internetseite.

Axel Meese, Januar 2006

www.neue-aesthetik.de


 
Axel M. für nonpop.de


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