http://www.nonpop.de/nonpop/index.php?type=review&area=1&p=articles&id=1014&high=serpent
NONPOP - Artikel > Rezensionen > Tonträger > Sudden Infant - Invocation of the Aural Slave God



Claudia K.

Sudden Infant - Invocation of the...

Invocation of the Aural Slave God


Sudden Infant - Invocation of the Aural Slave God
Genre: Experimental
Verlag: Blossoming...
Vertrieb: Blossoming...
Erscheinungsdatum:
4.7.2005
Medium: CD
Kaufen bei: Amazon


Schrift vergrößern Schrift verkleinern

Close your eyes and relax... take a deep breath through your nose, hold, and exhale slowly through your mouth...

Meditativ beginnt die “Invocation of the Aural Slave God” mit Meeresrauschen und diesen Zeilen, denen die Melodie einer Kinderspieluhr vorausgeht. Doch wer Sudden Infant kennt, der mag bereits ahnen, dass es so harmonisch nicht weitergehen wird – und behält Recht, denn langsam, zunächst nur unterschwellig, mischen sich Störfetzen in die Meditation, die Annie Stubbs (Lustmord, SPK), von der Joke Lanz auf seiner aktuellen Veröffentlichung mit Vocals und Percussion unterstützt wird, mit fast zwingender Eindringlichkeit vorträgt. Das Zerbrechen oder Zerschlagen von Glas oder Ähnlichem beendet abrupt die scheinbare Ruhe und leitet einen treibend rhythmischen Part ein, mit dem der Track, der bezeichnender Weise den Titel "Noise Relaxation" trägt, schließlich ausklingt. Eine starke Eröffnung, deren überraschende Wendungen sich im weiteren Verlauf als programmatisch für das Album erweisen. Was den Hörer erwartet, ist eine Reise durch verschiedenartige Krach- und Geräuschwelten, in denen explosionsartige Ausbrüche sich mit ruhigeren Passagen abwechseln, und in denen ein reiches Arsenal an zum Teil bis zur Unkenntlichkeit verzerrten Klangerzeugern vorkommt. Mit von der Partie sind zahlreiche akustische Instrumente, Naturgeräusche, wahnsinniges Schreien und Kreischen – und auch diverse naturalistische Lautäußerungen des menschlichen Körpers, die bereits die „Earwash“ mit ihrer ganz speziellen Ästhetik bereichert haben, sind wieder mit dabei, wenn auch in reduziertem Ausmaß. Noch etwas fällt im Vergleich mit der „Earwash“, der Vorgängerveröffentlichung der "Invocation" auf: Sudden Infant ist insgesamt rhythmischer geworden - in diesem Zusammenhang tritt besonders „Nag Nag Nag“, eine Coverversion des gleichnamigen Stückes von Cabaret Voltaire hervor (es rockt!) - was den einen oder anderen Fan verwundern, vielleicht stören mag, mir persönlich jedoch gefällt, zumal rhythmisch auf dieser Veröffentlichung alles andere als langweilig bedeutet. Dem Charakter einer Beschwörung entspricht vielleicht am ehesten der Track „The Serpent and the Rainbow“. „In the palm of Darkness“ wartet währendessen mit animalischen Lauten und einer treibenden, durch die Percussions an eine wilde, rituelle Raserei erinnernde, Geräuschkulisse auf, in die sich wahnsinnige Schreie mischen. Mit „In every dream home a heartache“ schließt eine weitere Coverversion das Album ab: Dabei handelt es sich um die Bearbeitung eines Stückes von Roxy Music, das von Annie Stubbs mehr vorgetragen als gesungen wird und den etwas rockigeren Charakter von „Nag nag nag“ wieder aufgreift. Laut Joke Lanz ist die „Invocation“ ein Konzeptalbum, in dem er das Ende einer langjährigen Beziehung, sowie das Verlassen seines Heimatlandes - der gebürtige Schweizer lebt inzwischen in London -  verarbeitet. Was die einzelnen Elemente seiner Kollage vor diesem Hintergrund jeweils ganz genau für ihn bedeuten, wird wohl sein Geheimnis bleiben. Das Ergebnis ist jedoch bemerkenswert: eine spannende, teilweise fast schon irre Mischung, die auch nicht immer ganz unanstrengend ist, und die durch die Vielzahl und Verschiedenartigkeit ihrer Elemente auffällt.
 
Nicht unerwähnt lassen möchte ich an dieser Stelle die ansprechende äußere Gestaltung von CD und Hülle. Beide sind schlicht aber wirkungsvoll in diabolischem Schwarz und Rot gehalten, und die Coverdarstellung nach Art eines Scherenschnittes ist zumindest nicht ungeeignet, halb vergessene Assoziationen mit unheimlichen Kindermärchen zu neuem Leben zu erwecken.







 
Claudia K. für nonpop.de


Verweise zum Artikel:
» Sudden Infant

Themenbezogene Newsmeldungen:
» Sudden Infant in Berlin

Anzeige: Abebooks.de - 100 Mio. neue, gebrauchte und antiquarische Bücher
Namentlich gekennzeichnete Beiträge spiegeln ausschließlich die Meinung des jeweiligen Verfassers bzw. Interviewpartners wieder. Nachdruck (auch auszugsweise) nur mit schriftlicher Genehmigung durch den Betreiber dieser Seite.
Link-Code zu diesem Artikel:
Wöchentliche Artikelübersicht per Mail
Werde NONPOP- Redakteur...
» Diesen Artikel bewerten
» Kommentar zum Artikel verfassen
Zusammenfassung
-

Inhalt
Tracklist:

1. Noise Relaxation
2. Sonic Claustrophobia
3. Angelic Agony
4. Nag Nag Nag
5. Ecstatic Ectoplasmic Eruption
6. The Serpent and the Rainbow
7. Monks of Venus
8. In the Palm of Darkness
9. Putrefied Puppet Master
10. Tandoori Chicken Scooter II
11. In every dream Home a Heartache
NONPOP RADIO
Nonpop Radio starten:

Hier Popup
Ebay- Angebote zum Thema:
Sudden Infant