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Roy L.

In Gowan Ring in Leipzig

UT Connewitz, Fr. 12.05.2006


In Gowan Ring in Leipzig
Kategorie: Vorschau
Wörter: 776
Erstellt: 18.05.2006


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Über das UT Connewitz, diesen mehr als außergewöhnlichen Tempel für Filmkunst, Musik und andere Kulturereignisse haben wir bei Lichttaufe schon ein paar mal berichtet und es ist naturgemäß immer wieder die größte Freude, diesen sagenhaften Ort südlich der Leipziger Innenstadt für einen abendlichen, konzertanten Müßiggang aufzusuchen. Insbesondere dann, wenn der Wonnemond mit wohlgesinnten Temperaturen lockt und sich eine Band wie IN GOWAN RING auf ihrer Europa-Tour auch in Leipzig ankündigt.
Das inzwischen schon seit über 12 Jahren existierende Projekt von B'eirth gehörte einstmals ebenso zur World Serpent-Familie wie CURRENT 93, DEATH IN JUNE und SOL INVICTUS. Leider wird IN GOWAN RING bei Aufzählungen der klassischen Neofolk- Vertreter gern mal unterschlagen und überhaupt ist diese zugegeben etwas schrägere Folkspielart immer etwas stiefmütterlich behandelt, womöglich sogar in düsteren Nischen abgestellt worden. Aber B'eirth's nuancenreiches und vielfarbiges Klangwerk weiß natürlich auch einen Kreis von treuen Anhängern in seinen Bann zu ziehen, und einige von ihnen wagten vergangenen Freitag den Weg ins UT Connewitz, das daraufhin, und zu freudiger Überraschung meinerseits, den Sitzplätzen entsprechend bald gut gefüllt war.





IN GOWAN RING hatten sich die angenehme und erfreulicherweise diesmal auch recht disziplinierte Aufmerksamkeit redlich verdient. Die Wartezeit vor dem Auftritt verkürzte DJ :Dark Sounds: mit einer intelligenten Auswahl aus Independent-, Retro- und Folkklängen. Auf der Bühne war kurz vor zehn Uhr ein Trio bestehend aus B'eirth, der Schweizer Violinistin Carole Zweifel und dem Shayo - Labelchef Yann Courtiau zu vernehmen. Begleitet wurden die drei für das Wiener wie Leipziger Konzert übrigens noch von einem Tonträgerverkaufsstand des helvetischen Mailorders Totenlicht. Nach einem kurzen Intro drang das kleine Kammerorchester bedächtig in ausgedehnte, minimalistische Kompositionen vor, die der Hörerschaft magischerweise sehr eindringlich und wohlbalanciert angeboten worden. B'eirth präsentierte auf dieser Tour einerseits erstmals seine neugebaute Lyra, die folglich auch den allergrößten Part der Performance einnahm und zum anderen das im vorigen Jahr mit "Volume I" einer fortzusetzenden Tonträgerreihe ins Leben gerufene "Birch Book"-Projekt, das im Vergleich zu den regulären IN GOWAN RING-Alben noch eine ganze Spur intimer, gleichzeitig aber auch schlichter, direkter und songorientierter wirkt. Abgesehen von "Train To Rome" und "Sleepless Search" wurde "Birch Book Vol. I" seltsamerweise jedoch nicht weiter bedacht, im Gegenteil intonierte das Trio neben einigen mir unbekannten, womöglich neuen Stücken, sehr viel älteres Liedgut, wie das epische "Cipher's String On The Tree", "On Bank Of The Limpid Brook", "Grace Walks West", "Lady Beyond The River" und "Dandelion Wine". Die Violinistin und Sängerin Carole Zweifel stellte sich dabei als ideale Begleiterin zu B'eirths Saitenspiel heraus, da sie es verstand, die sanften Strukturen der Lieder immer zur rechten Zeit mit einem Hauch klassischer Dramatik und Tristesse zu intensivieren, während sich Yann um die, für IN GOWAN RING so unabdingbar notwendige subtile Perkussion kümmerte.





Aus dem oftmals etwas zu "überladenen" Charakter der Studioversionen wurde hier nur das Wesentliche und also Essentielle extrahiert und mit viel Gefühl vorgetragen, was selbstredend ausreichte, um diese ganz besondere Atmosphäre hervorzurufen, als würde man geschlossenen Auges durch einen antiken, verwunschenen Garten wandeln und nur der beharrliche, hypnotische Zauberklang der Laute würde einen in dieser frühlingshaften Aufregung voller Vogelsang und Blätterrauschen den Weg leiten. B'eirth wirkt in einer solchen Umgebung so natürlich wie nur irgend möglich. Dieser wundervoll altmodische Mensch scheint einem freundlicheren Paralleluniversum zu entstammen, in dem die Menschen noch Musik im Herzen, in Leib und Seele haben. Auf der Bühne machte er einen gutgelaunten, ruhigen und sympathischen Eindruck, meisterte halbwegs die Tücken des deutschen Bieres und erklärte seine poetischen Texte in mehr oder minder kurzen Ansagen. Nach knapp einer Stunde schloss das offizielle Set mit dem mitreißenden, bacchisch-trunkenen "Hymn To Pan", das auch schon von CHANGES interpretiert wurde, hier aber in einer wirklich sehr langen Version noch einen satyrischen Tanz als Intermezzo enthielt. Mit insgesamt sechs Zugaben, unter ihnen auch "To Thrum A Glassy Stem", wurde das Publikum dann um eine weitere halbe Stunde verwöhnt. Die drei Musiker hatten sich zu diesem Zeitpunkt erst richtig warm gespielt und lieferten mit diesem zusätzlichen Programm, das größtenteils aus Stücken bestand, die sich wahrscheinlich nur im Live-Repertoire finden lassen, eine nochmals um ein Vielfaches gesteigertere Performance mit äußerster Leidenschaft und herzlichem Spaß.





Wie schon so oft war das UT Connewitz auch an diesem Abend den Besuch wert gewesen. IN GOWAN RING live zu sehen, ist für den Folkliebhaber ein ganz exzeptionelles, einzigartiges Erlebnis. Ich bin mir sicher, die anderen Anwesenden haben ähnlich empfunden und wünsche B'eirth und seinen beiden musikalischen Begleitern noch eine gute, sonnige Zeit unterwegs.


alle Photos © Sandro Liebscher


 
Roy L. für nonpop.de


Verweise zum Artikel:
» In Gowan Ring
» UT Connewitz


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