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Whitehouse/Odal Konzert Rückblick

Nieuwleusen 12.05.2006 (Holland)


Whitehouse/Odal Konzert Rückblick
Genre: Industrial
Wörter: 572
Erstellt: 14.05.2006
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Whitehouse Konzert Nieuwleusen 12.05.2006 (Holland)


- Praying For Oblivion (USA)
- Odal (Holland)
- Whitehouse (Großbritannien)


Das 470 KM entfernte Nieuwleusen wurde zum Schauplatz des dritten Whitehouse-Gigs in Holland, welches man als knallharter Fan natürlich nicht verpassen durfte, zumal niemand geringeres als Odal (Peter Zincken, alter Noise-Veteran aus Holland, hat bei  einigen namhaften Labels ein paar Tapes publiziert und bei einigen Compilations mitgewirkt, u. a. RRRecords, Midas Tapes, Tonspur Tapes, Helter Skelter Records, Korn Plastics) als Vorgruppe angekündigt wurde. 


Nieuwleusen entpuppte sich als Provinzkaff in Reinkultur, der Veranstaltungsort ist ein altes Fabrikgebäude, welches zu einem alternativ-selbstverwalteten Wohn- und Veranstaltungsort umgewandelt wurde. Schmuddelig aber sehr angenehm (irgendwann mag
ich auch noch Hippies), der kleine Konzertraum war eigenwillig dekoriert, bot aber die optimale Kulisse für die drei bevorstehenden Auftritte.


Gegen 22 Uhr eröffnete Praying For Oblivion den Abend vor knapp 40 Besuchern. Das Projekt war mir bis dato völlig unbekannt, mit Power Electronics hatte sein Live Set eigentlich nichts zu tun, der gute Mann ließ es ordentlich krachen und bot etwa 20 Minuten Harsh Noise der extremeren Sorte, angereichert durch verschiedene Spielereien und Effekte und gelegentlichen Stimmeinsatz. Hier wurde wirklich auf Live-Improvisation gesetzt, die einzelnen Tracks nahmen nur Gestalt an durch die kurzen Pausen zwischen den jeweiligen Collagen: unstrukturierte und experimentelle Stücke also, nichts Weltbewegendes, live aber nett anzuhören und anzuschauen. Ein schöner Einstieg


Odal übernahm nach kurzer Pause die Mikrophonfront und entgegen aller Erwartungen war sein Set musikalisch wesentlich leichter verdaulich. Der Auftritt war insgesamt recht spaßig, einerseits grunzte und quiekte Peter Z. aufgrund des Mikros, welches er sich in den Mund geschoben hatte, andererseits schien er exhibitionistisch veranlagt zu sein, er entledigte sich seiner sporadischen Kleidung komplett und lärmte nackt weiter. Bloß nicht ernst wirken, schien die Devise zu sein, unsereins konnte zu dieser Zeit ohnehin nichts mehr schocken und so wurde es eine schlichtweg lustige Performance mit ansprechender anti- musikalischer Untermalung. 


Einige Zeit später betrat dann das Whitehouse-Duo, bestehend aus Philip Best und William Bennett die Bühne. Was soll man über einen Whitehouse-Gig eigentlich schreiben. Es kam, wie es kommen musste, die Herren lärmten, schleuderten wüste Beschimpfungen ins Publikum und posierten mit Streicheleinheiten, Zungenspielchen und massierten sich die Eier. Selbstverständlich eine Oben-Ohne-Show, die überzogener hätte nicht sein können. Das Publikum reagierte dementsprechend, bereits nach wenigen Minuten flogen Bierflaschen gegen die Bühne und wurde Gerstensaft in Richtung der Protagonisten gespuckt. Feucht-fröhlich ging es zu, nachdem unsereins bereits halb durchnässt von Bierstößen aus den hinteren Reihen war, kam es noch zu kurzen Pogo-Einlagen während des Hits "A cunt like you". Kurz vor Mitternacht endete der Gig auch schon, Zugaben gab es keine, einerseits musste die Musik um Mitternacht abgeschaltet werden, andererseits verlangte das Publikum auch nicht wirklich danach. Nichtsdestotrotz, eine gute und absehbare Show, Bennett und Best überzeugen auch gute 25 Jahre der Gründung von Whitehouse vollkommen. Die Kombination aus Lärm, Texten, Show und Posing ist einmalig und zeichnet Whitehouse nach wie vor aus.


Insgesamt war dieser Konzertabend jeden Aufwand wert gewesen! 7 Euro Eintritt für drei Bands, kurzes aber intensives Programm, nette Location, nette Leute, die Getränkepreise variierten zwischen umsonst (alkoholfrei) und 1 Euro (Bier). Ein Maßstab, der in Deutschland wohl weiterhin ein Traum bleibt. Von der Einstellung der Veranstalter, Akteure und des Publikums bis hin zur Location und dem Drumherum. Dieser Abend entsprach der Vorstellung einer Industrial Veranstaltung. Sehr schön!



 
für nonpop.de


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