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Michael We.

Black Metal weltweit (1)

Iran und Puerto Rico


Black Metal weltweit (1)
Kategorie: Spezial
Wörter: 1093
Erstellt: 21.10.2011
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Quelle: http://www.myspace.com/arasband

LORD ARAS, kannst Du uns ein wenig über Dich verraten? Ich weiß nur, dass Du momentan wohl in Teheran lebst und Malerei studiert hast. Richtig?


Stimmt, ich habe Malerei studiert. Die meiste Zeit meines Lebens habe ich allerdings in Schiraz verbracht, obwohl ich in Schahr-e Kord geboren wurde. Mit Musik kam ich ganz klassisch in Kontakt, als ich 1998 anfing, Se-Taar zu spielen (Anmerkung der Red.: ein kleines, dreisaitiges persisches Musikinstrument). Ab 2000 kam dann die Gitarre dazu, und ein Jahr später  fing ich an, ein paar Tracks aufzunehmen. Trotz der miesen Soundqualität habe ich daraus ein Demoalbum gemacht, das erste von ARAS. Es heißt "Aras-E Khoonin".

2002 hast Du mit ARAS eine Black Metal-Band gegründet. Obwohl die äußeren Bedingungen für diese Musik im Iran sicher mit am schwierigsten sind, gibt es dort inzwischen eine kleine Szene mit einigen Bands. Kannst Du uns einen kleinen Überblick geben? Wie viele seid Ihr? Wie seid Ihr vernetzt? Gibt es ein Label? Und wer sind Eure Hörer?


Als ich mit Musik anfing, gab es außer ARAS und AVINAR keine Black Metal-Bands im Iran. Damals lebte ich noch in Schiraz, und als AVINAR im Sommer 2003 in meine Stadt zog, wurden wir Freunde. Ab 2003 kamen einige Black Metal-Gruppen dazu, wie zum Beispiel SORG INNKALLELSE, und inzwischen gibt es noch ein paar mehr, über die ich aber nichts Genaues weiß. Einige davon findet Ihr bei METAL-ARCHIVES.COM. Soweit ich das überblicke, arbeiten alle Metal-Bands, insbesondere die Black Metaller, von zuhause aus, in eigenen Studios. Kein offizielles Studio würde sie reinlassen, und es gibt auch gar keine Tontechniker im Iran, die sich mit Metal auskennen.
Moment, zwei Ausnahmen fallen mir ein: 2003 war die Prog Metal-Band KAHTMAYAN in einem professionellen Studio und hat anschließend ihr Album auf einem legalen, iranischen Label veröffentlicht. Außerdem haben PENHAN ein Jahr später ein reguläres Metal-Album veröffentlicht. Das sind aber wirklich die einzigen.
Was unsere Hörer angeht: Jeder, der eine ARAS-CD in den Player schiebt, kann uns hören.

Gibt es eine gemeinsame Komponente im iranischen Black Metal, gegen die Christianisierung oder in Eurem Fall vielleicht eher gegen ein totalitäres Regime?


Die wichtigste und stärkste Religion im Iran ist der Islam, also beziehen wir uns natürlich nicht auf christliche, aber auch nicht auf andere Religionen. Meine Religion heißt ARAS.

Inwiefern spielen persische Elemente eine Rolle, Poeten, die Landschaft?


Mich beeinflussen einige zeitgenössische Dichter wie AHMAD SCHAMLOU, KHOSROW GOLSORKHI, MEHDI AKHAVAN-SALES und SAEED SOLTANPOUR. Den Einfluss, den die Landschaft auf mich hat, kann ich eigentlich kaum beschreiben. Ich sehe die Flora und die Topografie meines Landes aus der Perspektive eines Liebhabers, also ist der Einfluss logischerweise gewaltig.

Was die Coverversionen auf der erwähnten EP "Holy Black Metal" angeht: Sind die dort vorhandenen Bands Deine großen Vorbilder, musikalisch und inhaltlich? Für jemanden, der Deine Musik noch nie gehört hat – woran orientierst Du Dich musikalisch?

Ich habe mich musikalisch nie nur auf Black Metal beschränkt. Der Hauptgrund, "Holy Black Metal" zu produzieren, war – wenn man bedenkt, dass zu dieser Zeit Black Metal ganz neu war im Iran – der Wunsch, den Bands Respekt zu zollen, die das Genre erfunden haben.

Wie sind Eure 'Arbeitsbedingungen' als Black Metal-Musiker? Ist die Musik denn offiziell verboten? Werdet Ihr verfolgt?


Ja, ist sie. Ich persönlich hatte noch keine unangenehmen Erlebnisse mit der Obrigkeit, aber einige meiner Freunde schon.

Hat die iranische Regierung ganz konkret schon mal auf Deine Musik reagiert?


Die iranische Regierung bewertet Rock und Metal nicht nur einfach als negativ, sie bezeichnet diese Musik als 'satanisch'. Jeder, der damit auf irgendeine Art und Weise in Verbindung gebracht wird, gilt fortan als 'Satanist', der gegen Gott und gegen die Religion arbeitet. Der Hauptgrund, warum unsere Regierung diese Musik so sehr hasst, ist natürlich, dass Aufstand und Widerspruch zwei ihrer zentralen Elemente sind. Und wie bei jeder Regierung, die sich per Religion legitimiert, ist Widerspruch nicht erlaubt.
Viele meiner Freunde sitzen im Gefängnis, nur weil sie mal live 'im Untergrund' aufgetreten sind. Sie mussten Strafen zahlen, und einigen wurden die Instrumente weggenommen. Die Religion in diesem Land würde gern allen Intellektuellen und Denkern den Kopf abhacken. Denken ist überhaupt nur erlaubt, wenn Du mit Deinen Gedanken blind der Regierung folgst.

Wäre es denn generell möglich für 'abartige' Künstler, Konzerte im Iran zu geben?


Hängt vom Genre ab. Für Popmusiker, die nichts mit Politik am Hut haben, gibt es inzwischen Möglichkeiten.

Du hast Kontakt zu dem schon erwähnten HAMID AVINAR, der gerne als Vaterfigur des iranischen Black Metal bezeichnet wird. 2004 musste er angeblich aus politischen Gründen untertauchen. Wie geht es ihm? Macht er noch Musik?


Da liegst Du nicht ganz richtig. Wer hat Dir gesagt, dass HAMID eine Vaterfigur des iranischen Black Metal sei? Er hat bis 2003 nicht mal ein Black Metal-Stück geschrieben! Der erste Track dieser Art war "Sokoot" (Anmerkung der Red.: ein Song von ARAS), was HAMID sicher auch zugeben würde. Ich mag ihn wirklich gern, auch wenn das gerade nicht so klingt. Dass er verschwunden ist, hat nichts mit Politik zu tun, das ist nur ein Gerücht. Er hat sogar ein neues Projekt namens EMERNA, und ich habe gehört, dass er mit seinem Psycho-Trance-Kram sehr glücklich sein soll.

Trägst Du Dich mit dem Gedanken, in ein anderes Land zu ziehen, wo Du als Künstler freier arbeiten kannst?


Auswandern würde eine Menge Geld kosten, das kann ich mir nicht leisten. Außerdem habe ich eigentlich keine Lust, irgendwo zu leben, wo ich für die Menschen ein Fremder bin. Wahrscheinlich ist der einzige Ort, an dem ich als Künstler unbehelligt und frei arbeiten kann, mein Grab!

Mit welchen Jobs verdienst Du Dein Geld, da die Musik vermutlich nicht zum Leben reicht?


Ich stelle hochwertige Leinwand für Maler her.

Welche Entwicklung, denkst Du, wird der Iran nehmen? Wird es irgendwann möglich sein, frei zu leben und Musik zu machen?


Ganz sicher nicht. Die Zukunft meines Landes liegt im Dunkeln, da denke ich am liebsten nicht drüber nach. Ich frage mich oft, ob es irgend so etwas wie einen Gott gibt. Wie es möglich ist, dass jemand all diese Grausamkeiten und Ungerechtigkeiten zulässt und nichts unternimmt.

LORD ARAS, danke für das Interview und alles Gute für die Zukunft!


=> weiter

=> Diskografie von ARAS bei METAL-ARCHIVES.COM




 
Michael We. für nonpop.de


Verweise zum Artikel:
» ARAS
» GODLESS
» Seite mit persischen Metalbands

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