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Michael We.

BRUME: The Sun (und anderes)

Fragen, Pausen, Ärger und Antworten


BRUME: The Sun (und anderes)
Kategorie: Spezial
Wörter: 1081
Erstellt: 15.09.2009
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5) Welche Musik hörst Du Dir heute an? Interessierst Du Dich für Fotografie, Film, Literatur ...?

Als ich jünger war, so zwischen 14 und 18, habe ich die Bücher von LOUIS-FERDINAND CÉLINE entdeckt. Das war wie eine große Erleuchtung in meinem Kopf. Wenn Du CÉLINE liest und seinen Stil magst, erscheinen Dir die meisten anderen Autoren oberflächlich und steril. Auf der anderen Seite muss ich zugeben, dass ich SARTRE und ARAGON hasse, das Geschreibe all dieser pseudo-roten, intellektuellen Bourgeoisen der 30er und später der 60er. Sie waren die ersten, die die politischen Säuberungen in Frankreich in den 40er Jahren gut hießen oder sogar daran beteiligt waren. Sie arbeiteten einfach weiter an ihren Büchern und verdienten Geld. Namentlich erwähnt werden muss SARTRE, der ein paar selbstzufriedene Theaterstücke geschrieben hat, während HITLERs Truppen Frankreich besetzt hielten. Ich liebe wiederum Bücher von SADE, TOLSTOÏ, B. VIAN, HUBERT SELBY JR, JOHN FANTE, CHARLES BUKOWSKI (über den kann ich wirklich lachen), J. BAUDRILLARD, CIORAN, W. REICH ... und etwas Science-Fiction. Als ich zum ersten Mal PHILIP K. DICK las – das war wie eine Wiedergeburt für mich. Er war der erste Autor, der zum Beispiel Paranoia, Philosophie und natürlich seine eigene Sicht auf die Welt zusammengemischt hat. Er war ein großes, visionäres Genie!
Musik und Kino passen zu dem, was ich schon über Literatur sagte. Ich könnte einige Namen des dadaistischen und surrealistischen Films nennen: F.W. MURNAU, C. DRYER, die frühen deutschen Filme von F. LANG, L. BUÑUEL mit oder ohne S. DALI, A. TARKOVSKY, C. LAPOUCHANSKI, das russische Kino, das italienische Kino der 50er bis in die frühen 70er, I. BERGMAN, einige wenige Sachen von J.L. GODARD, D. LYNCH, G. MADDIN, manches von D. CRONENBERG ... Und die Liste könnte noch länger werden.
Und noch einmal dasselbe mit der Musik: Ich muss sofort an P. HENRY denken, B. PARMEGIANI, L. & BB. BARRON, J. CAGE, APHRODITE CHILD, den frühen T. RILEY, den frühen S. REICH, die Anfangstage von P. GLASS und SOFT MACHINE, CAPTAIN BEEFHEART, LA MONTE YOUNG, HELDON / R. PINHAS, KLUSTER, CLUSTER, LA CONFIRMATION, SUICIDE / A VEGA, RED TRANSISTOR / R. GREY, VON ELMO, die frühen KRAFTWERK, NEU, FAUST, AMON DÜÜL II, vielleicht CAN, aber vor allem eben das ganze Krautrock-Zeug. BIZARROS, BORBETOMAGUS, VOICE CRACK, J. WENT, CIRCLE X, METAL URBAIN, den frühen C. SCHNITZLER, KING CRIMSON (1974 - 76) / R. FRIPP, URBAN SAX, KAS PRODUCT, THIS HEAT, JOY DIVISION, WIRE, DOME, die frühen PERE UBU, TG, die frühen S.P.K und NURSE WITH WOUND, CURRENT 93 (früh), 23 SKIDOO, THE LAST FEW DAYS, die frühen CLOCK DVA, die frühen ZOVIET FRANCE, TALKING HEADS (früh), J. BROWN, SUN RA, J. CHANCE / J. WHITE, THE CRAMPS, D.N.A., MARS, TEENAGE JESUS / L. LUNCH, Z'EV, B. ENO (aber nur das Ambient-Zeug),THE RESIDENTS, NEGATIVLAND, CHROME, INDOOR LIFE, JON HASSELL, TUXEDO MOON, MASSACRE, MAGMA, MATERIAL / B. LASWELL, F. FRITH, VAN DER GRAAF, VAGINA DENTATA ORGAN, ETANT DONNÉS, DDAA, G-PARK, CRANIOCLAST, die frühen WHITEHOUSE (ohne P. BEST! ) etc, etc, etc.
Gemälde, Skulpturen, Installationen – oh je, die Liste könnte wirklich lang werden. Ich könnte auch einfach sagen, dass ich die meisten, vielleicht 75 Prozent der heutigen Pseudokünstler hasse, die die wahre Bedeutung von Kunst beschmutzen. Kunst ist schon lange zum ausgefeilten System für Spekulanten und Geldmacher geworden. Die Sache an sich, also Kunst, wurde dabei nebensächlich. Das weiß wohl inzwischen auch jeder. Was sehen wir, wenn wir eine Retrospektive in einem dieser riesigen Museen anschauen, im FIAC in Paris zum Beispiel? Alle Besucher sprechen nur über Geld, Geld, Geld. Dasselbe in Galerien, dieselben stinkigen Charaktere. Die reden nie über das Gefühl, das sie beim Betrachten eines Kunstwerks haben, außer vielleicht ein paar alte Damen oder ein paar 'Verrückte'. Die Hauptdiskussion aber dreht sich um Preise und Geld und was das alles in ein paar Jahren wert sein wird.
Weißt Du, ich bin wirklich hochsensibel, was Musik und die menschliche Stimme angeht, mit der ich ja arbeite. Ich bin ein durchgeknallter Rekorderfreak! Ich gehe gerne in Gebäude und nehme Unterhaltungen mit meinem portablen DAT-Gerät auf. Wenn ich mir die Aufnahmen aus einem Museum, einer Gemäldeausstellung oder so noch einmal anhöre, merke ich, dass alles, was ich aufgenommen habe, dämliche Diskussionen sind, nur Scheiße (Anmerkung der Redaktion: dieses Wort wiederholt RENOU hier ca. 300 mal). Scheiße  aus formatierten Gehirnen von arroganten Verbrauchern, Pseudo-Intellektuellen, Spekulanten.

6) Wie würdest Du Deine Musik beschreiben?

SALVADOR DALI hat gesagt: Ein Künstler, der seine Arbeit nicht beschreiben kann, ist kein Künstler. Damit bin ich nicht einverstanden. Ich kann Dir die Arbeitsweise von BRUME und all meinen anderen Projekten erklären. Aber über meine Musik kann ich nur sagen, dass sie wirklich aus dem Innersten meiner Seele und meines Kopfes stammt. Das ist alles.

7) Du benutzt momentan ausschließlich Computer, um Musik zu machen. Wo sind die Vor- und Nachteile bei der Produktion?

Das stimmt so nicht ganz. Wie ich schon sagte, war das Ende von BRUME nur die Vorstufe zu einer Art Wiedergeburt. Es hat mir Spaß gemacht, meine analoge Ausrüstung einzumotten und in die Welt der Computer einzutauchen. Aber nach ein paar rein digitalen CDs habe ich den Fehler entdeckt. Diese Art der Sounderzeugung war eine freiwillige Selbstverstümmelung. Der logische Schluss war, so wie ich das heute mache, alle Arten von Technik gleichzeitig zu verwenden. Also arbeite ich heute parallel mit Computern, den Analoggeräten, Synthesizern, Effekten und digitaler Technologie. Diese Mischung aus digital und analog hat mir viele neue Türen geöffnet!

8) Dein Album "Moll" ist PHILIP K. DICK gewidmet. Du hast oben schon angedeutet, wie sehr Du DICK magst – warum hat Dich der Mann so beeinflusst?

Ich habe sehr starke Bilder im Kopf, wenn ich ein Buch von DICK gelesen habe. Zum Beispiel bei "Zeit aus den Fugen" oder "Der dunkle Schirm". Als ich jung war, so zwischen 4 und 8, hatte ich ein paar außergewöhnliche Erfahrungen. Träume mit sehr präzisen Vorahnungen, Astraltrips... Ich habe mir Fragen gestellt wie "Bin ich wirklich das, was ich bin?" oder andere komische Sachen. Außerdem habe ich während meiner Teenagerzeit viele Drogen geschluckt. Ist doch logisch, dass ich gleich von DICK fasziniert war, seiner Angst vor der 'falschen Realität'. Mein Leben und seine Texte, das war wie in einen Spiegel zu schauen. Sogar bevor ich seine Bücher kannte, habe ich genau die selben Erfahrungen gemacht, Dinge gefühlt, für die ich keinen Namen hatte. Ja, ich bin schon ein mystischer Typ. Deshalb gibt es auch so viele Verbindungen zwischen meiner Musik und 'all dem'.

Danke für das ausführliche Interview!

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Michael We. für nonpop.de


Verweise zum Artikel:
» tolle BRUME-Musikbox
» BRUME @ last.fm

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» BRUME: Two Characters
» BRUME: The Sun || The Moon

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» BRUME mit 10inch auf DRONE RECORDS

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