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Michael We.

HANS JOHM im Interview

Zwischen SANDRA und ANNE CLARK - ein Staatsstreich!


HANS JOHM im Interview
Kategorie: Spezial
Wörter: 1093
Erstellt: 21.02.2008
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HANS JOHM (m.) und STEPHAN S. (l.) auf dem WGT 2007

Alter:
36
Größe:
1,83 m
Beruf:
Freischaffender Künstler
Studium / Ausbildung:
Diplom-Maler und -Grafiker, Abschluß: Meisterschüler
Instrumente:
PC + Midi- und Audioperipherie, Stimme, früher Gitarre
Wohnort:
Leipzig
Lieblingsband:
THE DURUTTI COLUMN und noch mehr als 41 weitere


Hallo HANS. Kannst Du uns zu Beginn erklären, wie Du an Musik arbeitest? Ich stelle mir Spontaneität bei elektronischer Musik schwierig vor, weil man – im Gegensatz z.B. zur Gitarre – sein Keyboard o.ä. nicht immer dabei hat...

Ich verbringe viel Zeit in meinem Atelier. Wenn die Muse mich küsst – noch mehr. Dort steht alles bereit: Das Laptop summt, der Wasserkocher brodelt, Papierstapel wachsen und kollabieren, Farbdosen und -tuben spielen Siegfried-Linie. Es entstehen da ständig Dinge, manches überlebt. Vielleicht ist das eher zwanghaft als in irgendeiner Weise spontan. Ich werde unausstehlich, wenn ich länger als 3 Tage nicht mindestens 12 Stunden am Stück dort war.

Die Musik Deines Projekts ANTLERS MULM ist (wie auch die der anderen sue-Bands) sehr melancholisch, manchmal fast schwermütig. Wie schwermütig / melancholisch bist Du?

Gibt es da eine Skala? Bestimmte Sounds und Klangfolgen sprechen zu mir, andere lassen mich kalt. Du müsstest Menschen aus meinem Umfeld fragen.

In einem (melancholischen) Song auf dem aktuellen Album heißt es: "...this could be the end of time" und "...this should be the end of words". Würdest Du so den momentanen Zustand der Welt beschreiben? Wie sonst?

Diese Frage macht mich etwas nervös. Sei wütend und freu Dich über die stillen Kostbarkeiten zu Deinen Füßen. Bäume pflanzen und nachladen! "Of Withered Sparks" ist auf einer Ebene durchaus politisch geworden. Automatisch, ferngesteuert, ungefragt.

Welche Ebene meinst Du?

Es existierten verschiedene Ebenen in jedem Kunstwerk. Es gibt formale Gesichtspunkte, Kompositorisches, ein offensichtliches Antlitz oder auch darunter Liegendes. Manches schwingt einfach mit. Ohne Kalkül.

Warum macht Dich die Frage nervös? Weil sie Deinen Songs eine bewusste politische Aussage 'unterstellt'?
 
Das Album thematisiert in erster Linie die Suche nach dem Glauben. Und das Scheitern auf diesem Weg. Politische Aspekte sind vorhanden, ich sehe keinen Grund sie zu verleugnen. Ich bin hier und jetzt. Und die von Dir angesprochenen Zeilen meinen genau das. Unsere Lebensweise in beinahe all ihren Ausprägungen bedarf grundlegender Änderung. Ich sehe Handlungsbedarf – daher die Nervosität.

Was macht Dir Freude?

Zwei Tage ununterbrochen und ungestört nur mit meiner Freundin verbringen. Am Meer sein. Des Abends Wein trinken. Oder tagsüber. Mit Freunden über alternativen Gesellschaftsmodellen oder der Sicherung des Oder-Warthe-Bogens brüten. Katzen zusehen.

Zwei weitere 'Leidenschaften' deuten sich bei Deiner musikalischen Arbeit an, eine – durch die "Weihnachtsfunk"-Serie mit deutschen Texten über Eis und Schnee – für den Winter. Was bedeutet Dir diese Jahreszeit?

Zurückgezogenheit. Einkehr und eine gewisse, zeitweilig ermöglichte Abkehr. Diese Dinge gelingen mir im Winter besser. Eine durch den Schnee gedämpfte Geräuschwelt lässt mein Herz jubilieren.

Zum anderen scheinst Du ein Hörfunk-Fan zu sein, wenn man nach Namen wie '...übertragung' oder '...funk' geht. Hörst Du gerne Radio? Welche Sender?

Heute höre ich Deutschlandfunk oder "Radio Shamballah", wie ein guter Freund zu sagen pflegt. In meiner Jugend waren Radioempfang und Kassettenmitschnitt überlebenswichtig. Das prägt.

Du hast Malerei und Grafikdesign studiert. Was malst und gestaltest Du? Bist Du einer bestimmten Stilrichtung zuzuordnen, Pop Art, Expressionismus, Symbolismus...?

Regelrecht abgetaucht bin ich in den Holzschnitt/-stich und die Lithographie (Steindruck). Lange Zeit habe ich mit Porträtmalerei verbracht. Davor waren vor allem kurzhaarige, muskulöse Hunde in meinen Bildern zu Hause. (Nein, ich habe und hatte keinen Hund.) Das alles war/ist Teil der Suche nach einer Möglichkeit des unverstellten (künstlerischen) Ausdrucks. Ein kaum erreichbares Ideal. Die Suche nach Authentizität bzw. die Ahnung vom Scheitern derselben, das Leitmotiv. Im Moment fühle ich mich vor allem wieder in der Zeichnung zu Hause. Im besten Falle kommt ihre Direktheit klaren Worten gleich. Da wir im Informations- und Medienzeitalter ganz selbstverständlich Tür an Tür mit allem nur denkbar monströsen, abseitigen und angenommen Zukünftigen leben, scheint mir der 'figurative Realismus' als Begriff weit genug für mein bildnerisches Arbeiten.



"o
hne Titel" (1998, HANS JOHM)

Was beeinflusst Deine visuelle Arbeit, was inspiriert Dich?

Bücher. Musik. Draußen.

Ist die Nachfrage nach Deinen Bildern oder Deiner Musik größer, oder gibt es sowieso nur beides zusammen?

Seit einigen Jahren arbeite ich nur wenig an verkäuflichen Bildern. Für mich bedeutete die Berührung mit den äußeren, sichtbaren Tentakeln der Kunstindustrie – den Galerien und dem Ausstellungsbetrieb im allgemeinen – eine grundlegende Entzauberung. Mittlerweile zeige ich die Bilder, bzw. Elemente daraus, am liebsten während der ANTLERS MULM-Auftritte. Nicht zuletzt entzieht sich diese temporäre Lichtbilderschau jeglichem Spekulationsgedanken – sie ist rezipierbar, jedoch nicht käuflich. Natürlich bin ich darauf angewiesen, hin und wieder ein Bild zu veräußern.

In Interviews mit Dir fällt eigentlich immer irgendwann das Begriffspaar Heimat/ Zuhause. Was ist Heimat für Dich? Ist Leipzig in diesem Sinne Deine Heimat?

Ja! Ich schätze das Kietz-Gefühl sehr. Der Gedanke, mit einigen meiner Fellows hier gemeinsam alt zu werden, füllt mein Herz mit stiller Freude! Leipzig an sich ist eine Euro-Zonen-Stadt, wie viele andere auch. Es sind die Freunde und einige andere Menschen, die das Leben hier sehr kostbar machen. Ein großer Teil der hiesigen Bürger ist – wie überall – uninspiriertes Pack!

Fühlst Du Dich in Deutschland zuhause?

Deutschland ist in seiner aktuellen Ausprägung nur ein euroglobalisierter Moloch, auf dessen Boden zur Zeit glücklicherweise kein akuter 'Krieg gegen den Terror' geführt wird. Als Antwort könnte hier auch das Gesamtwerk der TON STEINE SCHERBEN zitiert werden. …ich bin Romantiker.

Deine Arbeit macht insgesamt einen sehr perfekten Eindruck. Durchdacht und aufeinander abgestimmt. Bist Du ein Perfektionist? Ist bei Dir zuhause perfekt aufgeräumt?

In meiner Arbeit strebe ich nach dem perfekten Stadium eines Produktes. Weniger ist definitiv mehr.  Im Gegensatz zu den gereinigten Flächen der SONDERÜBERTRAGUNGS-Produkte steht die reichlich 'organisch' wuchernde Welt meines Ateliers. Vielleicht ist es jedes Mal der Kampf des neuen Sprosses – den heimischen Gegebenheiten zu entfliehen, sich gegen die herrschende Struktur zu stellen – den es zur Reife bedarf. Aller 1-2 Jahre muss ich mein Atelier restrukturieren, wenn die letzten engen Pfade zu überwuchern drohen. Das sind dann sehr befreiende Momente. Zu Hause sind die Intervalle kürzer.



"Blüten1" (2006, HANS JOHM)


Start
Interview (2) - Außen
Interview (3) - Vergangenheit und Zukunft


 
Michael We. für nonpop.de


Verweise zum Artikel:
» JACK OR JIVE (Review)
» HIGH TIDE TECHNOLOGY (Review)
» ANTLERS MULM (1) (Review)
» ANTLERS MULM (2) (Review)
» BEACHHEAD (Review)
» LLOVESPELL (Review)

Themenbezogene Newsmeldungen:
» Drei neue Veröffentlichungen auf SONDERÜBERTRAGUNG

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