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Michael We.

PAUL ROLAND im Interview

Asked Tweedledum and Tweedledee...


PAUL ROLAND im Interview
Kategorie: Spezial
Wörter: 948


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Du bist vor kurzem aus England in den Südwesten von Deutschland gezogen – warum?

Ich wollte eine Chance haben, als Musiker gehört zu werden. Ich weiß aus Erfahrung, dass ich in England abgewiesen werden würde. Ich wollte außerdem meinen Kindern die Möglichkeit bieten, als Europäer aufzuwachsen, und nicht als kleine Engländer, die ein verdrehtes Gefühl von Überlegenheit haben. Die Engländer sind in letzter Zeit sehr fremdenfeindlich geworden, sie haben Angst vor allem 'Ausländischen'. Ich finde das alarmierend. Alles, worüber sie sprechen können, ist die Tatsache, wie viele Immigranten England überfluten, obwohl sie selbst die ignorantesten und faulsten Menschen in der gesamten EU sind! Ich habe angefangen, diese englische Insel-Mentalität zu hassen. Die wachsende Kriminalität und die sensationsgierigen Medien, die aus ihrer Ignoranz und der ihres Publikums eine Tugend machen. Ich denke, ich bin genau zur richtigen Zeit abgehauen.

MORRISSEY – ein Musikerkollege, den Du gerne magst – sieht das genau andersherum. Er hat vor kurzem eine Diskussion darüber angezettelt, dass England durch die vielen Immigranten seine Identität verliert. Er ist deshalb nach Italien gezogen. Deine Meinung dazu?

So sehr ich MORRISSEY verehre, ich teile sein (angebliches) Misstrauen gegen Immigranten nicht. Wenn nicht die vielen ausländischen Ärzte, Krankenschwestern und Lehrer nach Großbritannien kommen würden, würde die gesamte Infrastruktur zusammenbrechen. Meine Erfahrung als Musiker in Italien, Griechenland und insbesondere Deutschland hat mich Respekt vor den Leuten dort gelehrt, und ich liebe diese Länder. Klar ist es nirgendwo perfekt, und ich habe auch keine Illusionen, was das Leben in Deutschland angeht. Aber ich habe gute Freunde gefunden, und ich habe inzwischen Angst um die Zukunft von Großbritannien. Das hat nichts mit der Politik zu tun, sondern ausschließlich mit der angesprochenen Mentalität, aus einer Eigenschaft wie Ignoranz eine Tugend zu machen.

Hat sich denn Dein Bild von Deutschland als weltoffenes Land – zumindest weltoffener als England – bestätigt?

Nein, nicht so ganz. Abgesehen von den Straßenbahnen, ein wenig Architektur und den höllischen Regeln der Mülltrennung (!) denke ich oft, dass ich auch sonst irgendwo sein könnte. Wenn ich eine landschaftlich reizvollere Gegend finden würde, mit Schloss und Kinderfänger (im Original 'child catcher', Anmerkung der Red.) dann würde ich mich vielleicht so fühlen, als ob ich wirklich in Deutschland leben würde.

Wirst Du hier ab und zu Konzerte geben?

Ich würde rasend gerne hier spielen, und ich bin dabei, eine neue Band zusammenzustellen, aber ich denke, dass Livemusik in ganz Europa ziemlich tot ist, eine aussterbende Kunst.

Du hast zwei Söhne – wie geht es ihnen hier?

Sie haben sich überraschend gut eingewöhnt und sprechen fast fließend deutsch, obwohl sie vorher nicht ein Wort konnten. Mein älterer Sohn Michael (11) macht häufig den Übersetzer für mich, wenn ich nach etwas fragen muss, da sich mein Deutsch leider sehr bescheiden entwickelt hat: 'Wo sind de postfach bitte’. Auch, wenn es um das Einkaufen von Grundnahrungsmitteln geht: ‘Ich mochte eine brootchen bitte’. Mein jüngerer Sohn (9) nimmt E-Gitarren-Stunden und übt Rock-Bewegungen für die Bühne. Keiner von beiden hat jemals Heimweh nach England geäußert, was ich für ein gutes Zeichen halte. Sie besuchen allerdings keine staatliche deutsche Schule, weil ihr Deutsch dafür noch viel besser hätte sein müssen. Der Druck auf deutschen Schulen ist einfach sehr stark.

Wie sehr fließt Deine Arbeit, also Bücher und Musik, in den Umgang mit Deinen Kindern ein? Erlaubst Du ihnen zum Beispiel, Deine Songs zu hören, die von sprechenden Gehirnen oder Werwölfen handeln?

Ich habe ihnen nie meine Musik oder meine Bücher aufgedrängt. Sie wissen, dass ich schreibe, und ich denke, dass sie stolz darauf sind, dass ihr Vater kreativ ist und respektiert wird. Aber außer, dass sie mal in "Re-Animator" auf meiner myspace-Seite reingehört haben, hat sie bisher keine Musik von mir interessiert. Sie interessieren sich mehr für LINKIN PARK!

Haben Sie Einblick in okkulte Themen, redest Du mit ihnen darüber, zum Beispiel über Engel?

Nein, ich zeige ihnen auch keine von meinen Büchern. Wir reden aber oft über ein Leben nach dem Tod. Das hat ihnen zum Beispiel geholfen, mit dem Tod ihres geliebten Meerschweinchens fertig zu werden. Ich habe ihnen auch erklärt, dass nicht alle Menschen mit dieser Sichtweise von Leben und Tod einverstanden sind, so dass sie besser nicht mit anderen Kindern darüber diskutieren sollten. Ich glaube, es ist wichtig für Eltern, dass sie ihre Weltsicht mit ihren Kindern teilen, aber immer mit der Absicht, dass die Kinder sich dann ihre eigene Meinung bilden. Sicher hegen die beiden einen Argwohn gegen jede Form organisierter Religiosität. Den haben sie von mir, und ich kann nicht sagen, dass ich mich deshalb schuldig fühle.

Was liest Du ihnen abends vor?

Früher habe ich ihnen Geschichten erzählt, die mir beim Spazierengehen eingefallen sind. Oder die Handlungen von Filmen, die ich früher mal gesehen hatte. Viel früher. Aber glücklicherweise lesen die beiden inzwischen selbst und brauchen mich nicht mehr. Sie sind da sehr motiviert und lesen Sachen, die vier oder fünf Jahre über ihrer Altersklasse liegen. Außerdem scheinen sie ein Talent für das Schreiben zu haben, Geschichten und Gedichte mit einem ausgeprägten Hang zu Horror und Humor, darauf bin ich natürlich sehr stolz. Michael hat mir vor kurzem erzählt, dass er offenbar ein kleiner PAUL ROLAND wird, denn sein Lehrer hat ihm seine Horrorgeschichten und -bilder verboten, genauso wie mein Lehrer das mit mir in diesem Alter gemacht hat. Also treten sie vielleicht in meine Fußstapfen und werden der nächste LOVECRAFT oder POE!

PAUL ROLAND, vielen Dank für das ausführliche Interview. Eine Besprechung des neuen Albums "Nevermore" folgt.


0) Start
1) Neues Album und alte Einflüsse
2) Zukunft als Filmmusiker?
3) Bücher und Engel-Workshops

 
Michael We. für nonpop.de


Verweise zum Artikel:
» PAUL ROLAND musikalisch (dt.)
» PAUL ROLAND literarisch (eng.)
» umfangreicher Wiki-Artikel
» ital. Seite mit vielen Interviews
» Diskografie mit Covern und Hörbeispielen
» Lyrics
» PAUL ROLAND @ myspace

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Poe und Crowley
NF (31-01-2008, 13:23)
Über das E. A. Poe Gedicht "Der Rabe" bin ich vor Kurzem erst wahllos nach "Nimmermehr" übers Internet suchend gestoßen. So können sich kleine Kreise schließen. In einem alchimistischen Nachtgespräch hatte ich Ernst Jünger einem Freund mal als Mischung aus Aleister Crowley und Friedrich Nitzsche anempfohlen. Leider finde keinen Zugang mehr. Seis drum. Never throw away a key. Gelungener Artikel, Michael We.

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