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Michael We.

PAUL ROLAND im Interview

Asked Tweedledum and Tweedledee...


PAUL ROLAND im Interview
Kategorie: Spezial
Wörter: 1073
Erstellt: 31.01.2008
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Du schreibst Bücher (inzwischen mehr als 25), die nahezu alle als 'okkult' durchgehen, also sich mit übernatürlichen Kräften, Geistern oder der Kaballah beschäftigen. Du hast auch schon erwähnt, dass Du Magie und Mystik 'studiert' hast. Wie meinst Du das? Hast Du selbst entsprechende Erfahrungen gemacht, oder ganz einfach viel Literatur gelesen?

Mein Interesse an Mystik fing im Alter von sechs Jahren an. Ich hatte mehrere 'out of body'-Erfahrungen, es gab also Situationen, in denen ich meinen Körper verließ. Deshalb musste ich später nie den Beweis dafür suchen, dass es ein Leben nach dem Tod gibt. Seit damals ist das für mich eine Tatsache. Ich wollte eher verschiedene Bewusstseinszustände erforschen, allerdings nur, um mich selbst weiter zu entwickeln, nicht als Phänomen einer 'großen übernatürlichen Sache'. Ein Freund meines Vaters war Magier – ein moderner ALESTAIR CROWLEY, natürlich nicht so ein Scharlatan, sondern ein echter, weißer Magier. Ich war damals leider zu jung, um in seinen Kreis eingeführt zu werden. Also musste ich meine Instinkte nutzen und selbst mit Magie herumprobieren. Oft bekam ich richtig Ärger, mit zwölf zum Beispiel glaubte ich tatsächlich, ich sei vom Teufel besessen. Das waren ein paar sehr aufregende Tage, das kann ich Dir sagen. Aber ich bin ziemlich schnell wieder zu mir gekommen, und diese Erfahrung hat mir gezeigt, wie einfach es ist, sich selbst zu beschwindeln. Ich kann verstehen, warum manche Leute glauben, von irgendwas besessen oder von Aliens entführt worden zu sein, aber ich glaube daran überhaupt nicht mehr. Egal. Als ich alt genug war, habe ich mich einer Heil- und Meditationsgruppe angeschlossen, damit ich mir sicher sein konnte, 'auf der richtigen Seite' zu sein, wenn ich anfangen würde, mein Inneres zu erforschen. Das hat mir neue Welten eröffnet und Einsichten gebracht, über die ich in meinen Büchern geschrieben habe. Unter anderem habe ich diese Bücher über Meditation und psychische Entwicklungen deshalb geschrieben, um den Leuten die Angst vor dem Unbekannten zu nehmen, und um die Sache selbst von Sensationslust zu befreien.

Das bedeutet, dass Du auch heute noch meditierst?

Früher habe ich zweimal am Tag meditiert, aber inzwischen bin ich weiter. Das Schreiben (von Liedern und Büchern) ist eine Art der Meditation für mich. Deshalb fällt mir das oft sehr leicht – ich falle in eine leichte Trance, die mich empfänglich macht für Inspiration; wir nennen es das 'höheres Selbst'. Der Rest bleibt allerdings immer noch harte Arbeit, Geduld, Beharrlichkeit und Erfahrung.

Für Dein Kabbalah-Buch hast Du sogar eigens Karten erfunden, wie funktionieren die – wie Tarot?

Um es ganz einfach zu machen: Sie funktionieren wie ein Spiegel für die Psyche. Sie helfen dabei, uns auf Fähigkeiten zu konzentrieren, die über- oder unterentwickelt sind. Sie sagen keine Ereignisse vorher wie Tarotkarten, aber stattdessen machen sie ihrem Benutzer ganz genau klar, warum er die Entscheidungen trifft, die sein Leben formen, seine Vergangenheit, Gegenwart und die Zukunft.

Du hast auch schon Engel-Workshops geleitet. Selbe Frage – wie funktioniert so was?

Ich führe mit den Teilnehmern einige Visualisierungsübungen und -meditationen durch, um das angesprochene 'höhere Selbst' aufzuwecken und die Sinne für andere Realitäten zu schärfen. In diesem Stadium haben viele Leute, die meine Workshops besuchen, Kontakt zu verstorbenen Freunden gehabt. Es waren immer positive und beruhigende Erfahrungen. Mein Ziel ist es, die Leute zur Selbsthilfe zu ermutigen und ihnen mehr Selbstvertrauen zu geben. Ob sie glauben, dass sie Kontakt mit einem Engel von außerhalb hatten oder mit einem, der sozusagen in ihnen wohnt, ist egal. Wichtig ist nur, dass sie nicht einfach nur ihrem Schicksal ausgeliefert sind, sondern dass sie sich ihre eigene Realität erarbeiten und so die Richtung bestimmen können, die ihr Leben nimmt.

Zwei Deiner Bücher fallen aus dem Rahmen. Eines, weil es sich im Vergleich zu den 'softeren' Themen mit etwas sehr Schwerem befasst, dem Thema 'Nazis und Okkultismus'. Es ist nicht das erste Buch zu diesem Thema auf dem Markt. Welchen Ansatz hast Du?

Ich wollte belegen, dass es ein Mythos ist, dass die Nazis von Natur aus böse waren. Als 'böse' lassen sich nur die unmenschlichen Dinge bezeichnen, die ein Mensch einem anderen antut. Wir sind alle für unser Handeln verantwortlich. Dass wir in unserer Betrachtung aus HITLER und seinen Handlangern Teufel und Dämonen machen, ist auch eine Art, die Verantwortung dafür abzulehnen, dass wir die Gräueltaten nicht verhindert haben, die HITLER der Welt gebracht hat. Die Macht, die er hatte, beruhte nur darauf, dass er seinen Willen vielen anderen eingeimpft hat, dass er bewusst an die Vorurteile und Ängste einer Nation gerührt hat. Er war auch ein Magier, natürlich nicht wie früher im Mittelalter, aber im psychologischen Sinne schon. Wahre Magie hat nichts mit Geisterbeschwörung zu tun, sondern dreht sich darum, seine Willensstärke so auszuüben, dass man bekommt, was auch immer man verlangt. Wenn dieses Verlangen nur der Befriedigung eigener Bedürfnisse dient, wird es den Magier unausweichlich zerstören. Unglücklicherweise kann er dabei andere mit in den Untergang reißen. Ganz besonders dann, wenn sie sich seinen dunklen Fantasien hingeben.

Das andere 'exotische' Buch ist ein Lexikon der Pop- und Rockmusik, das Du verfasst hast. Kommst Du selbst drin vor?

Nein, ich stehe da nicht drin. Ich wollte einfach mal meine Sicht auf viele Platten zu Papier bringen, die ich sehr mag – oder auch nicht. Außerdem durfte ich endlich mal Späße auf anderer Leute Kosten loswerden, ich konnte mich zum Beispiel lustig machen über Künstler, die ich wirklich hasse.

Welche??

Meistens solche, die pompösen 80er-/90er-Jahre-Pop machen, wie CELINE DION oder die SPICE GIRLS.

Womit verdienst Du mehr Geld – den Büchern oder der Musik?


Weder noch. Ich lebe von Brot und Wasser, und muss mein winziges Einkommen aufbessern, indem ich in den Fußgängerzonen mit der Drehorgel und meinem Tanzbären auftrete. Das erzähle ich auf jeden Fall dem Finanzbeamten.

Hast Du bei den vielen esoterischen Büchern keine Bedenken, dass Du irgendwann als Esoterik-Guru wahrgenommen wirst, der in den Sommerferien in Indien meditiert und Patchouli-Stäbchen anzündet?

Ich denke nicht darüber nach, wie die Leute mich sehen. Ich schreibe gerne Bücher und Lieder, und so lange ich irgendetwas Lohnendes zu sagen habe, mache ich auch beides. Bücher und Musik verschaffen mir auf unterschiedliche Art Befriedigung. Beide werden einem Bedürfnis in mir gerecht. Ohne diese Mittel der Selbstentfaltung wäre ich wie ausgehöhlt.


0) Start
1) Neues Album und alte Einflüsse
2) Zukunft als Filmmusiker?
4) Umzug nach Deutschland

 
Michael We. für nonpop.de


Verweise zum Artikel:
» PAUL ROLAND musikalisch (dt.)
» PAUL ROLAND literarisch (eng.)
» umfangreicher Wiki-Artikel
» ital. Seite mit vielen Interviews
» Diskografie mit Covern und Hörbeispielen
» Lyrics
» PAUL ROLAND @ myspace

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Kommentare
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Poe und Crowley
NF (31-01-2008, 13:23)
Über das E. A. Poe Gedicht "Der Rabe" bin ich vor Kurzem erst wahllos nach "Nimmermehr" übers Internet suchend gestoßen. So können sich kleine Kreise schließen. In einem alchimistischen Nachtgespräch hatte ich Ernst Jünger einem Freund mal als Mischung aus Aleister Crowley und Friedrich Nitzsche anempfohlen. Leider finde keinen Zugang mehr. Seis drum. Never throw away a key. Gelungener Artikel, Michael We.

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