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Michael We.

YARN:MOOR: So, I'll Take Your Hand And

Knistern, Wind und japanisches Brabbeln


YARN:MOOR: So, I'll Take Your Hand And
Genre: Post-Pop
Verlag: Noble
Vertrieb: A-Musik
Erscheinungsdatum:
Mai 2009
Medium: CD
Preis: ~14,00 €
Kaufen bei: Noble-Shop


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Wäre jeder Beep, Bleep und Blink eine Blume auf einer Wiese, dann wäre "So, I'll Take Your Hand And ..." ein riesiger, bunter, frischer und fröhlicher Frühlingsstrauß, den die drei Japaner von YARN:MOOR eben gepflückt hätten. Sie schaffen auf ihrem Debüt einen lebendigen, perlenden Kosmos, der durch kindlichen – manchmal an SIGUR RÓS erinnernden – Gesang perfektioniert wird.
Viele Informationen über das neue Projekt gibt es nicht: einige Seiten im Netz auf Japanisch, ein vor kurzem (Februar) ins Leben gerufener Myspace-Auftritt ohne Text. Angeblich wurde YARN:MOOR schon 2006 von den beiden Programmierern MOSS (Programming, Dubmix, Mix) und NEUMA (Programming, Synthesizer, Cello) gegründet. Beiden gehört das kleine, japanische TILTLOOSE-Label. Einige Monate später stieß Sänger TAO dazu, live wird das Trio von Videokünstler AKIYOSHI KITAGAWA ergänzt. MOSS ist ebenfalls Mitglied bei MANITS, einer Art Dub-Kollektiv, welches schon bis an die wohlwollenden Ohren von SMITH & MIGHTY aus Bristol gelangte. TAO singt auch für IMAGINION, ein weiteres japanisches Frickel-Projekt, das elektronisch und akustisch erzeugte Töne mischt. Zu diesem Umfeld gehört auch NOBLE, das Label, auf dem "So, I'll Take Your Hand And ..." gerade erschienen ist.

Für den achtteiligen Frühlingsteppich auf diesem Album haben YARN:MOOR zunächst einmal Unmengen an Geräuschen in freier Natur, Küche und Bad gesammelt: das Rauschen des Windes, das Piepen der Vögel, das Aufdrehen des Wasserhahns. Keine Ahnung, ob das Trippeln von Ameisen und das Scheinen der Sonne auch Geräusche machen, aber es klingt, als wären sie dabei. Geschleust durch viele alte Analoggeräte und einige Laptops und ergänzt von TAOs Stimme ist etwas seltsam Vertrautes dabei herausgekommen, das der Hörer schon lange zu kennen fühlt. In Geräten gesprochen: klingt nach MIDI-files und C64. Musikalisch ausgedrückt: Töne, die uns an berühmte Klassikstücke oder bekannte Weihnachtslieder erinnern, bis auf das noisige Glitzern im Hintergrund.
Die ersten beiden Stücke kommen ohne Vocals aus; schöne, einfache Melodien, denen allerhand Geräusche einen Rhythmus vorgeben. Immer noch warm und schimmernd, aber flotter in Richtung Dub werdend legt sich die Musik in "1014" (3) um die gebrabbelten, hellen japanischen Worte von TAO. Dessen Stimme, die bei YARN:MOOR-Songs den Unterschied zwischen 'gut' und 'himmlisch' ausmacht, taucht in zwei weiteren Stücken auf: dem filigranen, wie ein Abendgebet geflüsterten "One Cold Day" und dem nervösen, aber dafür umso melodiöseren "Pool Of The Sun" mit einigen Trip Hop-Elementen.

YARN:MOOR haben viel von der innigen Verträumtheit und der Naturnähe der oben schon erwähnten Isländer, was sich ja auch in den Titeln ("Cold Day", "Spring Breeze", "Forest") niederschlägt. Dazu kommt ein ähnlich ästhetischer Riecher für poppige PC-Basteleien wie bei THE NOTWIST. Von der Stimmung her ist "So, I'll Take Your Hand And ..." vergleichbar mit dem jüngst besprochenen Album von ETHAN ROSE. Blubbernde Popsongs ohne Pop, Texte ohne Reime. Auf Anhieb sehr berührend und herzerwärmend.

"Ephemera", das letzte Stück, ist übrigens zum Releasedatum der CD im Nachtprogramm des Deutschlandfunks gespielt worden. Tut für diese Besprechung nicht viel zur Sache, macht aber Hoffnung. Auf bessere Musik. Besseres Radio. Eine bessere Welt.


 
Michael We. für nonpop.de


Verweise zum Artikel:
» YARN:MOOR @ last.fm


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Zusammenfassung
Neues Projekt aus Japan, das jede Menge field recordings mit warmen Computersounds und der hellen, brabbelnden Stimme von Sänger TAO mischt. Bezaubernd und filigran wie tanzende Staubkörnchen vor einem sonnigen Fenster.

Inhalt
1. Warm, Sweet And Freeze
2. It's Blooming
3. 1014
4. One Cold Day
5. After Time In The Forest
6. Pool Of The Sun
7. Snuffed At Spring Breeze Today
8. Ephemera
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