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Michael We.

VIRTA: Elon Syvä Lempi

Finnische Folk-Autarkie


VIRTA: Elon Syvä Lempi
Genre: Neofolk
Verlag: Anima Arctica
Erscheinungsdatum:
Dezember 2011
Medium: CD
Preis: ~13,00 €
Kaufen bei: Amazon


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Auf irgendeinem der vielen bunten Kärtchen, die dieser CD beilagen, habe ich etwas von "Lounge & Neofolk" gelesen. Das schreckt ab, weil unwillkürlich der Gedanke an ehemalige Genregrößen aufkommt, die sich inzwischen mit Piano ins Herrenzimmer zurückgezogen haben und dort vor sich hin loungen. Erfreulicherweise hat diese Umschreibung kaum etwas mit der schönen Musik zu tun, welche das kleine Label ANIMA ARCTICA anbietet. Beheimatet in Finnland, wird es von den Künstlern selbst unterhalten und arbeitet ohne Vertrieb. Alle Produkte kommen direkt an die Kunden. Das Etikett 'Neofolk' könnte inhaltlich passen, geht es doch um 'pure finnische Kunst', wie auf der Homepage steht, um finnische Natur, finnische Werte und eine gesunde Skepsis gegenüber moderner Lebensart.

VIRTA ist selbstverständlich ebenfalls Finne, heißt eigentlich SANTTU FORSSTRÖM und stammt aus dem Städtchen Kristiinankaupunki - zu deutsch Kristinestad -, welches an der wunderschönen Westküste des Landes liegt. Hauptsächlich besingt er die Natur dort, was auch ohne Finnischkenntnisse zu erahnen ist, denn unter anderem klingt seine Musik immer mal wieder nach SVARROGH, dem brummeligen und ebenfalls sehr naturnahen Paganfolk des Bulgaren DIMO. Überhaupt ist "Elon Syvä Lempi" dankbar zu besprechen, weil sich viele Vergleiche anbieten.

Die fünf Stücke des Albums liegen zwischen jeweils fünf und zehn Minuten. Zwei Gitarren dominieren "Uneen" (01), den Eröffnungstrack. Die eine begleitend, die andere sehr klassisch und irgendwie spanisch klingend. Im Hintergrund eine dunkle Trommel und Drones, über allem die düstere, aber nicht unangenehme finnische Sprech- und Singstimme. VIRTA trägt zwar recht monoton, aber dennoch männlich-voluminös vor und erinnert mich dabei ein wenig an KIM LARSEN. Der einzige Lounge-Effekt, den ich ausmachen kann, stammt übrigens von lateinamerikanischen Rasseln.
Dramatischer und rockiger kommt "Kelopuu" (02) daher, mit Schlagzeug zwar, aber immer noch die südländische Gitarre dazu, die Stimme nun endgültig wie SVARROGH. Es existieren auch Pausen, gefüllt nur mit field recordings, zarter Gitarre und Silbengesang, zwischendurch setzt eine Flöte ein und verstärkt die folkloristische Anmutung. Während der langen Instrumentalstrecken des Stückes scheint IAN ANDERSON bei diversen Trillern hinter seiner Querflöte hervorzulugen, progressiv nach 70ern klingt VIRTA da.
Mal flüstert die Stimme mehr und die Instrumentation ist sehr reduziert, mal rütteln folk-rockigere, dramatische Passagen mit stärkerer Stimme auf, mal tönt die Gitarre spanisch, mal nach Ambient mit einzelnen, gezupften Töne; so geht es die restlichen drei Stücke weiter.
Und jetzt alle Vergleiche auf einmal: VIRTA könnte eine Mischung aus CORDE OBLIQUE, EMPYRIUM, NEST und TENHI sein, ohne jedoch ganz die Tiefe der letztgenannten zu erreichen. Dennoch sind stetig Wehmut, Weite und urige Schönheit der finnischen Landschaft zu spüren. Ein höchst beachtenswertes Neo- oder Urfolk-Debüt, dessen vorsichtiger Stilmix mit unerwarteten Wendungen viel Charme hat; dazu beeindruckt noch ein wunderschönes Cover! Ich schätze, dass sich ANIMA ARCTICA - existiert seit 2007, rund zehn Veröffentlichungen - mit weiteren solcher Alben schnell einen Namen macht.

"Elon Syvä Lempi" ist limitiert auf 400 Stück und per Mail direkt beim Label zu ordern.

 
Michael We. für nonpop.de


Verweise zum Artikel:
» ANIMA ARCTICA
» Album-Samples


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Zusammenfassung
VIRTA könnte eine Mischung aus CORDE OBLIQUE, EMPYRIUM, NEST und TENHI sein. Stetig sind Wehmut, Weite und urige Schönheit der finnischen Landschaft zu spüren. Ein höchst beachtenswertes Neo- oder Urfolk-Debüt, dessen vorsichtiger Stilmix mit unerwarteten Wendungen viel Charme hat.

Inhalt
1. Uneen
2. Kelopuu
3. Kutsun Sateen
4. Lehtoon Tyynten Aatosten
5. Joki

~ 40 min.
lim. 400
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