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Michael We.

TROUM: Acouasme

Ohne Thema, mit viel Wucht


TROUM: Acouasme
Genre: Drone
Verlag: Cold Spring
Erscheinungsdatum:
28. Dezember 2015
Medium: CD
Preis: ~11,00 €
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Die neue TROUM kommt, was die Vorab-Ankündigungen angeht, recht unspektakulär daher. Keine Themenwelt wird aufgemacht, es geht lediglich um den Klang, der etwas harscher und industrieller sein soll als auf vorangegangenen Werken – beides zutreffend. Mir ist das immer die liebere Variante, ohne allzu eng gesetztes Thema in die Musik einsteigen zu können, und nicht die Musik auf Kompatibilität zur vorgegebenen Idee abklopfen zu müssen. So bleibt als Info nur noch zu erwähnen, dass es sich bei "Acouasme" um das erste originäre TROUM-Album seit zwei Jahren handelt, nach Beendigung der 'Power Romantic'-Trilogie mit "Mare Morphosis" (2013, Besprechung) und der Zusammenarbeit mit RAISON D'ÊTRE im vergangenen Sommer (Besprechung). Halt, einen Fingerzeig gibt uns das deutsche Drone-Duo über den Titel des neues Werkes dann doch mit, allerdings einen sehr gemäßigten: Bei "Acouasme" handelt es sich in der Medizin um einen (selten verwendeten) Begriff für akustische Halluzinationen, was eigentlich für fast die gesamte Diskografie von TROUM gilt.

"Aliens Laughing About Us" (01) arbeitet mit dröhnenden, knirschenden Drones, was bei mir sofort das klassische Eisberg-Bild halluziniert. Unruhige Fieberträume werden genährt von höhligen, metallenen Klängen, von diesem Heulen und Jammern, wenn sich Metall aneinander schiebt. Der Titeltrack "Acouasme" (02) knüpft mit leichteren, schwebenden Drones an. Die höhlige und fluoreszierende Atmosphäre bleibt aber, verstärkt insbesondere durch doomiges, dunkles Trommeln im Untergrund. Überhaupt weckt die Musik von TROUM dieses Mal ein Doom-Gefühl bei mir, weil sie etwas extrem Schleichendes und Erdiges hat. Industrielles Stöhnen in Wellenbewegungen formiert sich in "Omega Melancholicum" (03) zu melodiösen und mysteriösen Clustern, zu nach oben perlenden Klängen. Maschinen schieben "Outer Brain Outsourcing" (04) an, liefern ein langsam ansteigendes Stampfen. Dazu bilden TROUM mit ihren typischen Drones eine sich vernetzende Verbindung, eine große und intelligente Fläche. Mächtig und hypnotisch verdichtet sich das Stück im letzten Viertel zu einer der fulminantesten Passagen, die ich von dem Projekt kenne. Über dem erdigen Wummern, das "Somnolenz" (05) trägt und welches später zu einer Art durchgehendem Gemurmel wird, liegen durchscheinende Drones. Und "Signe Du Miroir" (06) schließlich, das beinahe 20minütige Abschlussstück, erinnert mich von vielen Sounds her an DEAD CAN DANCE. Uriges, höhliges und sehr 'altes' Trommeln in doomiger Langsamkeit, zu dem nach und nach einige fiepende Sonar-Sounds stoßen, die zu einem signifikanten Heulen, ja Röhren anwachsen.

Vordergründig handelt es sich um eines der ruhigeren TROUM-Alben, Stichwort 'doomige Langsamkeit'. Allerdings ist es bei genauem Hinhören so intensiv wie sonst kaum eines. Die geänderte Klangfarbe fällt auf; ja, etwas industrieller oder noisiger vielleicht. Dafür sorgt eine oft sehr klare Percussion für Zusammenhalt und Antrieb, für rhythmische Strecken. Einzelne Sounds sind sehr gut zu identifizieren, aber je länger ein Stück dauert, desto mehr erwächst aus der Masse an Elementen ein monolithisches Massiv. Eine wuchtige TROUM-Veröffentlichung, die nach zwei, drei Durchgängen immense Sogwirkung entfaltet und ab sofort zu meinen Favoriten in der umfangreichen Diskografie gehört.



 
Michael We. für nonpop.de


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Zusammenfassung
Vordergründig handelt es sich um eines der ruhigeren TROUM-Alben. Allerdings ist es bei genauem Hinhören so intensiv wie sonst kaum eines. Eine Veröffentlichung, die nach zwei, drei Durchgängen immense Sogwirkung entfaltet und ab sofort zu meinen Favoriten in der umfangreichen Diskografie gehört.

Inhalt
01. Aliens Laughing About Us (7:48)
02. Acouasme (10:59)
03. Omega Melancholicum (10:06)
04. Outer Brain Outsourcing (12:59)
05. Somnolenz (7:00)
06. Signe Du Miroir (17:57)

~ 66 min.
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