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Michael We.

THE JOY OF NATURE: The Empty Circle (2)

Rastos De Sangue E Fragmentos Da Tradição


THE JOY OF NATURE: The Empty Circle (2)
Genre: Neofolk
Verlag: Ahnstern


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So, genau so hatte ich mir die Musik dazu vorgestellt, als ich Ende 2006 die ersten Zeilen des Kollegen ROY L. über THE JOY OF NATURE auf NONPOP las. Seine Worte wurden in meinem Kopf zu jenen Tönen, die nun auf "The Empty Circle Part II" zu hören sind. Deshalb bin ich sehr froh, dass der Portugiese LUÍS COUTO seine Ankündigung nicht wahrgemacht hat, den zweiten Teil seiner Trilogie noch experimenteller gestalten zu wollen. Ganz im Gegenteil, wie es bereits der Untertitel verrät: "Rastos De Sangue E Fragmentos Da Tradição" oder "Trails Of Blood And Fragments Of The Tradition", so die englische Übersetzung, ist wesentlich traditioneller, folkloristischer als sein Vorgänger geworden, mit dessen höhligen, esoterisch klingenden Dark Ambient-Abschnitten ich mich nicht so recht anfreunden konnte. Wer an dieser Stelle zunächst die Texte von ROY oder die Besprechung von "Part I" lesen möchte, findet alle Links am Ende des Artikels.

Es ist zwar schon einige Wochen bis Monate her, dass LUÍS "The Empty Circle (II)" veröffentlicht hat, aber gerade weil das Album anders klingt als erwartet und, wie ich finde, ganz wunderbar geraten ist, soll in aller Kürze ein Überblick her. Inspiriert von portugiesischen und europäischen Traditionen und Traditionals ist die Musik sehr folkig-urig, eben traditionell. Ein Fluidum der Vergänglichkeit hüllt das Album ein, die Hand des Hörers liegt 65 Minuten lang auf dem Stein eines uralten Bauwerks; ein wehmütiges Nachfühlen. Besonders zahlreich sind die Bezüge zu den aus Feuer und Wasser geborenen Azoren und ihrer üppigen Vegetation, einige Volkslieder dieser Inselgruppe hat der Portugiese neu vertont.

Diverse Vergleiche bieten sich an: SVARROGH, WALDTEUFEL oder SANGRE CAVALLUM könnten dieses Mal Spalier gestanden haben. Letztere stammen ebenfalls aus Portugal, und tatsächlich haben einige Musiker der Gruppe am zweiten "Empty Circle"-Teil mitgewirkt. In psychedelischen Momenten erscheinen WERKRAUM, und mit einigen geflüsterten Texten zu Glockenspielen besteht Verwandtschaft zu OTWATM.
Nur das Instrumental zu Beginn weist einen leichten Anflug düsterer Höhlen auf, sofort dominieren aber die akustischen Klänge und geben den Weg vor. Zu einer weit entfernten Trommel, zu Glöckchen und Gitarre entfaltet sich eine zarte, unendlich wehmütige Frauenstimme. Nach kurzer mönchischer Überleitung breiten THE JOY OF NATURE ab dem dritten Stück ein unglaublich reichhaltiges Instrumentarium aus: Dudelsack, Dulcimer (oder Kantele?), diverse Flöten und Pfeifen, Kastagnetten, Akkordeon und und und. Es stellt sich ein mittelalterliches Marktplatzgefühl ein, wozu auch die stoische Trommel und das Tamburin beitragen: Echte, erdige Musik zum Anfassen, die ohne Umwege von den Machern zu den Hörern gelangt. Hier scheinen mir Musikgruppen wie CAPELLA ANTIQUA BAMBERGENSIS vergleichbar, die Musik von vor 1000 Jahren mit seltener Direktheit und Authentizität wieder aufleben lassen. Manchmal bekommen solche Ausflüge bei THE JOY OF NATURE fast hörspielartigen Charakter, denn im Hintergrund deutet sich durch Pferdegetrappel oder Schreie dezent die Anwesenheit von Menschen an. Bass und E-Gitarre tauchen nur ab und zu auf, ohne dass die Musik allzu pilzig wird; ebenso sparsam werden die sphärischen Chorfragmente eingesetzt. Sehr variantenreich ist dieses Mal übrigens der Gesang, welcher zwischen Mann, Frau, Duo, Chor oder diversen Flüstertönen wechselt. Die Sprache bleibt durchweg Portugiesisch, was zum urtümlichen Eindruck beiträgt.
Ein Anspieltipp: Einer meiner Favoriten ist "Sete Cidades" (7), wo ein Trommelschlag (auf 1) und Gitarrenakkorde (auf 2 und 3) einen sehr wehmütigen, melancholischen Walzerrhythmus vorgeben, dazu hinreißender Duettgesang, um welchen herum die Musik immer mal wieder in charmante Schieflage gerät.

Die Vinylsingle "The Shepherd's Tea" war die erste Veröffentlichung von THE JOY OF NATURE, und für mich schließt sich hier zunächst der Kreis, denn die Songs auf "Rastos De Sangue ..." haben einiges mit den 'Hirtenliedern' aus dem Jahr 2006 gemein, wenngleich die beiden Stücke der Single filigraner und weniger urig waren: Einsamkeit in weiter Landschaft sorgt hier wie da für eine historische, die Jahrhunderte der eigenen Heimat umfassende Melancholie. Aus dieser überaus starken, dichten Atmosphäre fällt kaum ein Stück heraus, so dass für mich – von den Werken, die ich kenne – "Rastos De Sangue E Fragmentos Da Tradição" die bislang beste Veröffentlichung von THE JOY OF NATURE ist.


 
Michael We. für nonpop.de


Verweise zum Artikel:
» JOY OF NATURE @ myspace
» aktuelle Hörprobe 1
» aktuelle Hörprobe 2
» aktuelle Hörprobe 3
» "Shepherd's Tea" @ NONPOP

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