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STEPHAN MATHIEU: The Falling Rocket


STEPHAN MATHIEU: The Falling Rocket
Genre: Elektroakustik
Verlag: Dekorder


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Nach zwei 10''-Singles, die 2009 und 2011 erschienen sind und einigen darauf folgenden Kollaborationen, u.a. mit ROBERT HAMPSON, DAVID SYLVAIN und TASHI WADA, wurde nun, d.h. im Juni 2013, das erste Album des aus Saarbrücken stammenden STEPHAN MATHIEU als Doppel-LP auf DEKORDER veröffentlicht. Hierfür, d.h. für die Instrumentierung, nutzte MATHIEU einige schon fast klassisch zu bezeichnende Instrumente. Da wären zum einen eine 'Farfisa-VIP-233-Orgel' und zum anderen ein 'Hohner-Electronium'. Ebenfalls verwendete MATHIEU ein altes Grammophon und ein Radio, also Geräte, die technikhistorisch ebenfalls als klassisch zu bezeichnen sind. Als Echtzeit-Arrangements eingespielt, hören sich die neun Stücke dann streckenweise auch noch so an, als sänge da irgendwo wer. Dabei kam keine menschliche Stimme zum Einsatz. Es sind wohl eher Geisterchöre. Das liegt daran, dass die tief liegenden Flächen der Titel die darüber befindlichen Obertöne besonders hervorheben und man diese Töne, die ebenfalls sehr flächig sind, dann, weil man eben hauptsächlich auf diese achtet, leicht mit Chorgesang verwechseln kann. Selbst im unteren Tonbereich könnten sich lang anhaltend stehende Bassstimmen befinden. Und irgendwann, lässt man sich darauf ein, hört sich das Ganze so an, als wären alle Instrumente menschliche Stimmen ... Transmutation. Das heißt, ähnlich wie wenn Platin in einem Kernreaktor bestrahlt wird und dabei Gold herauskommt, werden hier Töne von alten Instrumenten in Chorgesänge verwandelt.

Die erste LP besteht aus vier Stücken, die alle exakt zehn Minuten und zehn Sekunden lang sind. Eine getragene, anhaltend sphärische Grundstimmung baut sich mit „Lacaille 8760“ (01) umgehend auf. Und die hält sich. Gefühlt, weil man sich davon tragen lässt, scheinen einem die vierzig Minuten der Titel insgesamt nur wie zehn. Bruchlos, wie eine ebene Fläche, und obwohl die einzelnen Stücke, da wären „Keid“ (02), „Gliese 229 B“ (03) und „55 Carcri“ (04), ein- und ausgeblendet werden, man Anfang und Ende also deutlich hören kann, fliegen sie an einem vorbei, bleiben immer in der Schwebe und halten sich und die Hörenden da, in eben dieser. Die zweite LP beginnt mit „Deneb“, einem Stück, das sich anfangs so anhört, als stimmte sich ein Orchester auf ein gleich anstehendes Konzert ein. Doch das dauert nicht lang, nur etwa zwei Minuten. Dann folgt gleich „IK Pegasi“, als quasi instrumentaler Einsatz dieses Orchesters. Beide zusammengenommen sind dann auch wieder etwas mehr als zehn Minuten lang. So wie die drei darauf folgenden Titel: „Teide 1“, „Cha 110913“ und „Kepler-11“. „The Falling Rocket“ scheint wohl auch irgendwie, schaut man sich die Titel und die Längen der Titel so an, ein Zahlenspiel zu sein. Mit „Teide 1“, Titel drei der zweiten LP, der als zeitliche Rückbindung auf die erste LP verweist, ändert sich dann jedoch der Nenner der Grundstimmung. Immer wieder setzt eine weitere Fläche oben auf. Währenddessen wechselt die darunterliegende mit der vorher oben aufliegenden. So steigt das gesamte Stück, wie vielleicht eine Rakete, die allerdings, nachdem sie den höchstliegenden Punkt erreicht hat, wieder zurückfliegen und aufschlagen wird.

Eine fallende Rakete, die dann womöglich sogar atomar bestückt ist, hinterlässt nachdem sie aufgeschlagen ist, meist nur eine Wüste. Aber erst dann. Hier verändert sie die Erdoberfläche schon während sie fällt. Aus ihrem Pfeifen werden menschliche Stimmen, die im Angesicht der nahenden Katastrophe gemeinsam singen. Eine höchst humane Reaktion. Man rückt zusammen, allem bald herrschenden Elend zum Trotz.


 
awk für nonpop.de


Verweise zum Artikel:
» STEPHAN MATHIEUs Homepage
» Label-Homepage

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» STEPHAN MATHIEU: Un Coeur Simple


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