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Michael We.

Rose Of Memory ... (T.S. ELIOT-Sampler)

... Rose Of Forgetfulness.


Rose Of Memory ... (T.S. ELIOT-Sampler)
Genre: Neofolk
Verlag: Wrotycz


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Albumteaser mit Ausschnitten

Was für eine Überraschung! Keine Vorankündigung, unbekannte Labels und mehrere (nahezu) unbekannte Bands – das Ergebnis: eine der schönsten Neofolk- und Neoklassik-Platten des Jahres. WROTYCZ aus Polen (BOCKSHOLM oder CONTAGIOUS ORGASM) und BRUDENIA aus Russland (einige ältere VÖs von ORCHIS, DEAD VOICES ON AIR oder MOON FAR AWAY), zwei beschauliche Label, haben sich für dieses Projekt zusammengetan. Neben NEUTRAL aus Russland (hier schon häufiger erwähnt) und deren Ableger WALDSONNE sind keine namhaften Bands an Bord, allenfalls noch ROMOWE RIKOITO aus Kaliningrad könnten ein Begriff sein. Auch die Idee eines T.S. ELIOT-Samplers ist nun nicht gerade neu, zu sehr bieten sich die metaphysischen, schwebenden Gedichte des US-Lyrikers gerade für das Neofolk-Umfeld an. Aber dennoch klappt die Vertonung hier bis auf ein, zwei Ausnahmen ganz besonders gut.

Manche Projekte, die teilweise auch mehrfach oder in Abwandlungen auftreten, vertonen Gedichte im Originaltext, andere lassen sich lediglich davon inspirieren und verwenden Auszüge oder nur wenige Zeilen. Gleich der Opener ist ein klassisch akustischer Neofolk-Song. Romantisch-traurig und hauptsächlich dominiert von der Gitarre, ansonsten mit dezenten Tupfern anderer akustischer Instrumente. Bemerkenswert ist das Gesangsduett Mann-Frau: Die tiefe, bassige und ruhige Männerstimme passt perfekt zu der elfenhaften, kristallklaren Frauenstimme! Bei den Lyrics handelt es sich offenbar um die freie Übersetzung eines ELIOT-Gedichtes ins (warum auch immer) Altpreußische, dessen undefinierbar historisches Flair zusammen mit dem östlichen Akzent eine besondere Melancholie ausmacht. Musikalisch lassen sich Vergleiche mit COURAGE OF LASSIE, ZLYE KUKLY oder einigen italienischen Neofolk-Projekten (CORDE OBLIQUE zum Beispiel) ziehen, übers gesamte Album gesehen gibt es von der Stimmung her Parallelen zu "Beauty Reaps The Blood Of Solitude" von NATURE & ORGANISATION.
"I Do Not Hope" (02) wirkt mit Streichern und Klavier sehr neoklassisch, auch hier mit toller (männlicher) Stimme, vor allem im ersten Teil des Songs eher rezitierend und sehr lyrisch-britisch.
Es bleibt bei schwelgerischer Musik mit trauriger Gitarre, romantischen Melodiebögen und häufig eingesetzten Frauenstimmen, auch bei "The Dry Salvages" (03) im Hintergrund zu hören. Selbst bei einem so langen Stück (neun Minuten) verfällt das Arrangement nie ins Kitschige und trägt auch diese Länge, aufgelockert durch instrumentelle Zwischenparts. Ein erneut sehr mitreißendes, sehr folkiges Duett mit Flöte ("Bewangiskas Pintegas Wangas", 04) erinnert mich an ruhige JAHRTAL-Stücke. "Children's Voices" (05) sorgt kurz für ungläubige Blicke ins Booklet: Ich hätte hier viel Geld verwettet, dass DAVID TIBET singt, auch das Tamburin hätte gut dazu gepasst. Der Vorbild-Charakter von CURRENT 93 während ihrer ruhigen Neofolk-Phase ist unüberhörbar.
Weitere, folkige Stücke in Singer/ Songwriter-Manier folgen, "Hippopotamus" von WALDSONNE (10) lässt gar Parallelen zu STEELEYE SPAN erahnen. Lediglich "Rannoch" (08) – zum ersten Mal ein synthetisch waberndes, tuckerndes Bett als Begleitung – und "April Is The Cruellest Month" (12) – eine elektronische Spielerei zwischen Dark Ambient, Minimal und Noise – fallen etwas aus dem Rahmen und passen nicht zur Stimmung. Den Schluss bilden NEUTRAL, sehr geheimnisvoll mit verhallten Gitarren und Synthiedrones. Der Text wird erst geflüstert und später mit schauspielerischer Leistung sehr leidenschaftlich vorgetragen. Das professionellste Stück des Albums, außerdem sehr nah an der ursprünglichen Form eines Gedichts.

Eine wirklich gelungene Hommage an einen großen Lyriker. Fast alle Lieder strahlen starke Empathie aus, verströmen lyrisches und romantisches Flair. Feine Songs, tolle Stimmen, klassischer und ruhiger Neofolk. Wer mit einer (oder mehreren) der vielen genannten Bands etwas anfangen kann, mag garantiert auch diesen Sampler.

 
Michael We. für nonpop.de


Verweise zum Artikel:
» Rose Of...@ discogs
» Infos zu ELIOT
» ROMOWE RIKOITO @ myspace

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» Rezensionen : Ars Benevola Mater


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