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Michael We.

ÀRNICA: Tot Creuant L'Últim Bosc

Ein Waldspaziergang in Katalonien


ÀRNICA: Tot Creuant L'Últim Bosc
Genre: Urfolk
Verlag: Fronte Nordico


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Ein schönes Stück Vinyl zum Jahresabschluss. Das Trio aus Katalonien steht mit einigen weiteren Bands für den Begriff 'Ur-Folk', also für traditionsbewussten, handgemachten, knorrigen und urtümlichen Folk, der stark mit der jeweiligen Herkunftsregion verwurzelt ist. Das nur einseitig bespielte 12inch-Album auf FRONTE NORDICO widmet sich dieses Mal den ausgedehnten, heimischen Wäldern, die sich seit Jahrhunderten mehr oder weniger erfolgreich gegen den so genannten Fortschritt wehren. Wir spazieren also mit "Tot Creuant L'Últim Bosc" durch einen dunklen, nebligen und geheimnisvollen Wald und damit, wie ÀRNICA betonen, auch durch unsere eigene Seele ...

Wie bei allen Alben der Spanier, die ich kenne, riecht es innerhalb weniger Sekunden nach Moos, Erde und Vergangenheit. Zu Wasserplätschern tönen alte, folkloristische und selbstvergessene Gesänge sowie eine urige Trommel, sehr nah und authentisch. Wenn sich dann noch das Akkordeon dazu mischt, bekommt die Naturverbundenheit eine sehr romantische Note. Eine der rezitierenden Stimmen erinnert mich deutlich an STURMPERCHT, repetitiv, einprägsam und beschwörend, und so zieht das Bild einer Waldlichtung als Stätte für alte Märchen und Sagen herauf. Die ineinander übergehenden Stücke sind dunkel und im besten Sinne einfach, nun Akustikgitarre und Trommel, dazwischen sowohl spanische, rufende Rezitation, aber auch rauer, anheimelnder Gesang – ich sehe Masken und Rituale. Zu erneutem Wasserplätschern scheint dann tatsächlich eine Geschichte, ein Märchen erzählt zu werden, das Getrommel noch uriger mit händischer, holziger Percussion und verwehtem, immer wieder schamanischem, beschwörendem Gesang – die Waldgeister rufen. Die keltisch anmutende Passage – klassisch mit einer Art Dudelsack – hat etwas von einem Zug, einem Marsch durch den Wald, und eine ältere Frauenstimme gegen Ende, dieses Mal zu schnelleren Trommeln und Gitarren, rundet das Motiv des Geschichtenerzählens ab.

Ich bin jedes Mal wieder verblüfft, was für eine satte und urige Stimmung ÀRNICA hinbekommen. Auch ohne die knappen Liner Notes dringt das Thema des alten, knorzigen Waldes aus jeder Pore des Albums. Zum wieder und wieder und wieder hören. Einziger Wermutstropfen: Trotz der tollen FRONTE NORDICO-Aufmachung, dem stahldicken Karton und dem schönen Cover sind 20 Euro oder mehr für eine EP ein stolzer Preis.

 
Michael We. für nonpop.de


Verweise zum Artikel:
» ÀRNICA @ Bandcamp

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