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Michael We.

Quintessenz: TE/DIS

Fünf Fragen an ...


Quintessenz: TE/DIS
Kategorie: Spezial
Wörter: 1323
Erstellt: 21.04.2014
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Die GALAKTHORRÖ-Mannschaft wächst. In den vergangenen Jahren verzeichnete das für 'Angst Pop' prägende Label einige Zuwächse auf wichtigen Positionen, und mit FRANK alias TE/DIS ist ein weiterer möglicher Spielmacher dazugestoßen, um im Bild zu bleiben. Kurz nach der EP "Black Swan" (Besprechung) veröffentlichte er sein erstes Vollzeitalbum "Comatic Drift" (Besprechung). Nun stellt er sich in unserer Rubrik 'Quintessenz' fünf Fragen, ganz ohne Sport ...



Hallo FRANK. Wie bei allen anderen Label-Acts auch gibt es zu Dir nicht viele Informationen. Ich kenne nur Deinen Vornamen. In der Kurzbeschreibung von GALAKTHORRÖ steht immerhin, dass Du schon in mehreren Bands gespielt hast. Klär' uns doch mal über Dein (musikalisches) Vorleben auf, soweit es der Labelkodex zulässt ...

Also ein Labelkodex bindet mich in dieser Hinsicht nicht. Offenbar gefällt MRS. und MR. GALAKTHORRÖ hin und wieder Musik von Menschen, die persönlich gar nicht groß in Erscheinung treten möchten. Für mich selbst steht dabei im Vordergrund, dass der Künstler hinter seinem Werk möglichst zurücktreten sollte. Ich für meinen Teil kann jedenfalls nicht erkennen, welchen Vorteil es dem Hörer beim Hören und Erleben der Musik bietet, wenn man irgendwelche persönlichen Dinge über den Musiker über die "Kunstfigur" hinaus weiß. Dabei gehe ich vielleicht etwas egoistisch von meiner Warte aus. Mir selbst war es nämlich immer wichtig, Reflektionsräume zu haben, die nicht durch zu viele vorgegebene Details über die Menschen hinter der Musik eingeschränkt wurden – das war ja früher auch normal. Außerdem ist es auch nicht schlecht, dem ganzen Persönlichkeitswahn in der Musik vielleicht etwas entgegen zu setzen, wie das ja einige Künstler immer wieder tun. Denn heutzutage wird man bis in die Subkulturen hinein durch die sozialen Netzwerke, durch das Ranschmeißen von Musikern via Crowdfunding et cetera oft derart mit dem Menschen hinter der Musik und dessen banaler Alltäglichkeit, die es nun einmal – auch bei mir – gibt, belastet, dass der Spaß an der Sache leidet. Da muss ich nicht auch noch mitmachen. Gleichzeitig wird ständig der Verlust der Magie, was die Musik betrifft, betrauert.

Der Hinweis des Labels auf mein musikalisches Vorleben dient eher dem zeitlichen Lückenschluss. Da ich nicht mehr Anfang 20 bin, wird nur deutlich gemacht, dass ich eigentlich schon immer Musik verschiedener Art gemacht habe – alleine oder in Bands. Ich habe mir also nicht aus einer plötzlichen Laune heraus vor ein, zwei Jahren elektronische Klangerzeuger gekauft und dann losgelegt. Das ist natürlich alles kein Wert an sich. Aus meiner Sicht ist es aber nicht unwichtig, einige musikalische Erfahrungen gesammelt zu haben; gerade was das Gefühl für Songs angeht – also zum Beispiel die perfekte Länge, Struktur, Dynamik. Natürlich werden über die Jahre auch die technischen Fertigkeiten geschult und die kritische Distanz zum eigenen Werk ist leichter zu erreichen. Vor TE/DIS habe ich allerdings auch einige Jahre überhaupt keine Musik gemacht, und es gibt auch kein Mysterium hinsichtlich meines musikalischen Vorlebens. "Black Swan" war meine erste Veröffentlichung bei einem Label überhaupt.
Im Vordergrund stand dabei eigentlich, nach einer längeren Pause mal wieder für mich Musik zu machen. Da es in erster Linie darum ging, mich selbst zu beschäftigen, habe ich für mich erst einmal die Entscheidung getroffen, in welche Richtung das Ganze eigentlich gehen sollte. Dabei kam es zu der musikalischen Grundidee, aus der dann TE/DIS wurde. Die Idee, mit den Resultaten überhaupt an ein Label heranzutreten, war dann tatsächlich eher eine spontane Aktion – und sehr begrenzt. GALAKTHORRÖ war jedenfalls das einzige Label, das jemals TE/DIS-Demos von mir bekommen hat.

"Es fällt leicht, sich auf diesen neuen Künstler einzulassen." So steht es im Labeltext zum aktuellen TE/DIS-Album "Comatic Drift". Nicht unbedingt eine Kernkompetenz für einen Angst Pop- / Industrial-Act. Bist Du die Hitmaschine von GALAKTHORRÖ?

Das kommt darauf an, wie man 'Hit' definiert. Für mich hat die neue HERZ JÜHNING-EP zum Beispiel auch eine hohe Hitdichte. Eingängigkeit – und darum geht es ja hier – ist für mich formal kein negativer Aspekt. Ich höre auch gerne mal fordernde Musik, aber ebenso bin ich ein großer Freund von guten, echten Songs und Melodien. Alles hat seine Funktion und Berechtigung. Problematisch wird es ja erst, wenn man davon spricht, dass Musik als seicht erscheint. Ob TE/DIS eine 'Hitmaschine' ist, weiß ich nicht, und wo man die Musik einordnen möchte, bleibt auch jedem selbst überlassen. Auf "Comatic Drift" gibt es jedenfalls viele Melodien und einiges an Rhythmus. Das erleichtert vielleicht eher den Zugang als bei einer anderen Herangehensweise. Ich könnte jetzt natürlich argumentieren, dass ich mit einer gewissen Eingängigkeit das Negative in der Welt oder die Texte konterkariere, oder so etwas. Das Schöne im Schrecklichen, mit musikalischer Euphorie ins Verderben …

Deine Stimme fällt auf, zum einen weil sie sehr tief ist, zum anderen weil Du sie technisch fast unverändert lässt. Sie verbreitet viel Post Punk-Flair. Hast Du eine neue Spielart im Labelkosmos aufgemacht?

Neue Spielart? Möglich. Sicherlich eine Alternative, da der Gesang schon deutlich anders ausfällt als bei anderen Label-Acts. Jedenfalls waren die Stimme und der Gesang tatsächlich gewichtige Argumente für das Label, sich weiter mit meiner Musik zu beschäftigen. Die Stimme technisch stärker zu manipulieren habe ich schon öfter probiert, war mit dem Ergebnis aber nie so recht zufrieden, weil das bei mir letztlich zu viel Wichtiges wegnimmt. Wenn ich es irgendwann mal schaffe, mir innerhalb der GALAKTHORRÖ-Landschaft eine eigene Nische mit Wiedererkennungswert einzurichten, dann hätte ich aus meiner Sicht jedenfalls schon eine Menge erreicht.

Bei einigen Deiner Stücke muss ich an "Being Boiled" oder generell an alte Songs von THE HUMAN LEAGUE denken. Zufall, Absicht, oder hast Du ganz andere musikalische Vorbilder?

Der Vergleich zu "Being Boiled" ist für mich schon nachvollziehbar, weil ich ja auch oft mit langen, tiefen Tönen arbeite, die die Struktur des Songs letztlich bestimmen und auch das Harmoniegerüst vorgeben. Ebenso verhält es sich mit den Drum-Computer-Einsätzen. Absicht ist das allerdings nicht, und den generellen Vergleich kann man aus meiner Sicht auch nur zur Musik – nicht zum Gesang – in der Frühphase von THE HUMAN LEAGUE ziehen – also zu einem Album wie "Reproduction". Musikalische Vorbilder zu nennen, wenn man sich seit zig Jahren recht intensiv mit Musik beschäftigt, halte ich für recht schwierig. THE HUMAN LEAGUE sind das bei mir allerdings nicht. Als es darum ging, die Grundlagen für TE/DIS zu entwickeln, wollte ich auf jeden Fall ohne Experimente dahin, was mich schon immer in der Musik fasziniert hat. Ich habe quasi eine Bestandsaufnahme meiner wirklichen musikalischen Interessen gemacht und mir natürlich auch überlegt, was ich mit meinen Mitteln, also auch gesanglich, überhaupt umsetzen kann. Somit geht es um pure Elektronik, eine gewisse Eingängigkeit, eher verhaltene Grundstimmung und einen Gesang mit – ich sage jetzt mal klischeehaft – 'düsterem' Touch. Der Rest ist das Ergebnis von Möglichkeiten. Natürlich ist das Interesse an ursprünglicher Industrial Music, Minimal Elektronik, Post Punk und Wave nicht wegzudiskutieren, da komme ich einfach her. 

Wie viel Zeit und Energie hast Du für Musik? Werden wir von Dir als TE/DIS in Zukunft regelmäßig etwas hören, oder wird es eher ein paar Jährchen bis zum nächsten Album dauern?

Das Musikmachen ist schon eine Leidenschaft für mich, so dass ich mich damit durchaus regelmäßig beschäftige – also auch Zeit und Energie vorhanden ist. Gedanklich bin ich ohnehin schon weiter als "Comatic Drift", das ja nun schon einige Zeit fertig ist. Ich bin allerdings kein Musiker, den Inspirationen blitzartig wo auch immer überkommen, sodass ich auf regelmäßige Arbeit mit den Geräten angewiesen bin. Die Fokussierung und Zurückgezogenheit ist da schon wichtig für mich. Letztlich müssen die Ideen für eine Veröffentlichung einfach reichen; man muss also selbst ernsthaft vom Ergebnis überzeugt sein. Darüber hinaus spielen dann natürlich auch die Planungen des Labels eine Rolle. Wir werden also sehen. Zunächst mal bin ich sehr froh, dass "Comatic Drift" fertig geworden ist und auch veröffentlicht wurde.

FRANK, vielen Dank für das Interview!

 
Michael We. für nonpop.de


Verweise zum Artikel:
» TE/DIS @ Facebook
» GALAKTHORRÖ
» TE/DIS @ GALAKTHORRÖ
» Quintessenz mit HERZ JÜHNING

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» TE/DIS: Comatic Drift


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