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Michael We.

PAUL ROLAND: White Zombie

Voodoo statt Gothic


PAUL ROLAND: White Zombie
Genre: Pop/Folk-Rock
Verlag: Dark Companion
Erscheinungsdatum:
Januar 2017
Medium: CD
Preis: ~15,00 €
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Wahrscheinlich ist es langweilig, wenn ich jedes PAUL ROLAND-Album lobe. Aber dieses ist nicht nur klasse geworden, sondern klingt auch ganz anders als alle bisherigen Phasen des Briten, weshalb ich eine gepflegte Portion an erneuter Euphorie für angebracht halte.
Im Sommer 1994 verbrachte PAUL einen Abend mit DR. JOHN (MACK REBENNECK), der mit seinem Voodoo-Image kokettiert, entsprechende Motive in seinen Songs unterbringt und gerne von seiner schwebenden Großmutter erzählt. In ein, zwei seiner frühen Songs hatte PAUL ROLAND das Thema schon aufgegriffen (unter anderem in "Voodoo Doll"), und nach diesem Abend nahm er sich vor, ein ganzes Album daraus zu machen. Mehr als zwanzig Jahre später, beim Experimentieren mit Trommel-Rhythmen, kam ihm das Gespräch wieder in den Sinn. Er baute, inspiriert, 22 kurze Stücke und bot sie einem italienischem Soundtrack-Komponisten für dessen Projekt an, für die Neuvertonung des Ur-Zombie-Films "The White Zombie" aus dem Jahr 1932 mit BELA LUGOSI. Dieses Projekt kam zwar nie zustande, aber befreundete Musiker überredeten PAUL, mit ihrer Hilfe aus der Demo-Vorlage ein fertiges Album zu machen. Einige der Originale wurden gestrichen, andere überarbeitet, und so entstand mit "White Zombie" das jüngste - und überraschendste - Album von PAUL ROLAND.

Schon der Einstieg ("Song Of The Black Toad", 01) ist absolut ungewöhnlich: Zu Dschungeltrommeln singt eine beschwörende, weibliche Schamanenstimme, im Hintergrund twangt eine Western-Gitarre - das erinnert nur ganz entfernt an die übliche Musik des Briten. Das Thema Voodoo scheint von Anfang an durch, transportiert vor allem über die dumpfen Trommeln und immer wieder Urwaldgeräusche. Nach Vocalsamples, offenbar aus alten Filmen, taucht in "Summoner Of Souls" (02) aber dann doch die für mich immer noch umwerfend charmante und eindringliche Stimme von PAUL ROLAND auf, die wieder mal jünger geworden zu sein scheint und mich an 80er-Alben erinnert. Der Sound bleibt allerdings, na ja, irgendwie westernmäßig, ein permanenter Twang, zwischendurch mit Flötenteil. Auch die Texte nehmen das leicht schwülstige, körperliche Flair auf, im Verlauf geht es um Zombies, Seelensammler und allerhand Rituale.
Gerade für PAUL ROLAND sehr aufwändig produziert, wartet das Album mit vielen filmischen Effekten auf, mit dunklen Chören, Stöhnen, Rasseln und diversen Vocalsamples sowie zahlreichen Gastmusikern und -Sängern. Mal klingt das etwas bekannter, wie beim Barock-Rock in "Are We Not Men?" (04) - allerdings auch hier düster und stampfend, wie auf einer Galeere. Oder beim psychedelischen Folk in "Papa John" (07) und ganz besonders in "Wake Madelena Wake" (10), einer zerbrechlichen, akustischen Ballade, rezitiert zu leisem Marimbaphon. Dazwischen liegen kürzere Instrumentalszenen mit einzelnen Silben und viele ganz andere Stücke, wie das gospelige "Wanga Wanga" (05) mit Sängerin oder das bluesige "A Ring Of Silver Coins" (09), alle mit stimmungsvollem Getrommel. Weiteres Highlight kurz vor Schluss: ein Paket mit brummendem Stoner Rock ("...Servants Of The Spirits", 15)

Ich bin echt froh, dass sich PAUL ROLAND vor ein paar Jahren entschieden hat, nicht mehr nur (erfolgreiche) Bücher auf dem Esoterik-Markt zu schreiben, sondern auch wieder zur Klampfe zu greifen. Dieses Mal erfindet er sich neu und verbindet seine Liebe zu Soundtracks und alten Horrorfilmen mit einer neuen Klangfarbe. Dunkle Rituale auf Haiti statt Gruselkeller im edwardianischen London. Stimmungsvoll, rund und klasse produziert.





 
Michael We. für nonpop.de


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Zusammenfassung
PAUL ROLAND verbindet seine Liebe zu Soundtracks und alten Horrorfilmen organisch mit einer neuen Klangfarbe. Dunkle Rituale auf Haiti statt Gruselkeller im edwardianischen London. Stimmungsvoll, rund und klasse produziert.

Inhalt
* limited 970
* hand numbered

01. Song Of The Black Toad
02. Summoner Of Souls
03. Ti Bon Voodou
04. Are We Not Men?
05. Wanga Wanga
06. Sugar Mill Scene
07. Papa John
08. Bitter Sleep (Funeral In The Road)
09. A Ring Of Silver Coins
10. Wake Madelena Wake
11. Baron La Croix
12. 20 Years Ago
13. Chant of the Black Cockerel
14. Summoning Baron Samedi
15. ...Servants Of The Spirits
16. Mambo Jo

~ 42 min.
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