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Tony F.

ONEIROGEN: Kiasma


ONEIROGEN: Kiasma
Genre: Drone
Verlag: Denovali
Vertrieb: Cargo


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Nach zwei limitierten Vinyl-Veröffentlichungen – die natürlich auch als Download zu haben sind – erscheint das neue Album von ONEIROGEN nun nicht nur auf Vinyl sondern auch als CD. ONEIROGEN ist das Projekt von MARIO DIAZ DE LEON, der in den 90er Jahren als Gitarrist mit der Metalcore-Truppe DISEMBODIED unterwegs war. Musikalische Bezüge zu dieser Zeit sind auf „Kiasma“ allerdings eher nicht zu finden. Eine Annäherung an den Sound des Projekts kann im ersten Schritt schon durch den Projektnamen erfolgen, da „Oneiros“ bekanntlich das griechische Wort für Traum ist. Somit sind oneirogene Pflanzen oder Mittel dazu da, einen traumähnlichen Zustand herzustellen. Mit diesem Wissen ist man auch musikalisch auf der richtigen Spur. Spinnt man den Faden weiter, so könnte man auch bei der Oneirophrenie landen, die einen deliriösen Zustand beschreibt, in dem man Traumbilder oder Halluzinationen als real empfindet.

Folglich dürfte den Hörer der weitestgehend instrumentale, Drum- und Percussion-freie Klangmix aus Drones und elektronischen Klängen nicht weiter verwundern. Vorherrschend sind dabei schwebende und auch grollende Gitarrensounds, die erhabene und melodische Flächen auslegen, die schlussendlich mit elektronischen Sounds unterfüttert werden. Diese Mischung oder Herangehensweise ist mittlerweile natürlich nicht mehr revolutionär, aber MARIO DIAZ DE LEON gelingt es, packende, breitwandige Melodien zu entwerfen und mit einer gewissen Wucht in den Raum zu stellen. Diese Melodiewälle werden z.B. im Fall des gelungenen „Mutilation“ von hintergründigen, elektronischen Impulsen in Bewegung gesetzt, die andererseits aber auch noch Platz für kleine, fast synthetisch klingende, angeschlagene Gitarren-Klangläufe wie zu Beginn von „Numina“ lassen. Längere, ruhige Passagen mit fein ziselierten Soundfrickeleien sollte der Hörer allerdings nicht erwarten. Die reine Elektronik bleibt bei all dem merklich im Hintergrund, wobei wie so oft bei Musikern mit derartiger Biographie auch auffällt, dass man es nicht gerade mit einem Elektronik-Hexer zu tun hat. Prätentiöse Samples oder Soundspielereien finden aber glücklicherweise auch nicht statt. Bleibt das Album weitestgehend instrumental, so wurde das letzte Stück „Mortisomnia“, dessen Name schon perfekt zum Sound und zum Bandnamen passt, zusätzlich mit rauen Vocals versehen, die noch einmal für Abwechslung sorgen. Somit lässt sich „Kiasma“ wahrlich als traumwandlerischer Trip erleben, der mit der Kraft der Melodie mächtige Bilder zu erzeugen im Stande ist. Und das war ja wohl auch das Ziel, oder?


 
Tony F. für nonpop.de


Verweise zum Artikel:
» ONEIROGEN @ Facebook


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