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Michael We.

OMASPHERE: Prélude

Klingt wie DEAD CAN DANCE?? Klingt wie DEAD CAN DANCE!!


OMASPHERE: Prélude
Genre: Ambient
Verlag: Prikosnovénie
Erscheinungsdatum:
Juni 2009
Medium: CD
Preis: ~10,00 €
Kaufen bei: Prikosnovénie


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Dieser Artikel wurde in der NONPOP-Hörschau Nr. 24 mit Musikbeispielen vertont!

DEAD CAN DANCE-Vergleiche sind gefährlich, da es schlicht unmöglich ist, dieser Ausnahmeband wirklich nahe zu kommen. Deshalb enden Alben, die 'wie DCD klingen' sollen, oft in einer großen Enttäuschung. Bei OMASPHERE erfolgt der vom Label gesetzte Vergleich mit dem Vorbild allerdings nicht zu Unrecht. Die männliche Singstimme von BRICE AMO scheint aus derselben, überirdischen Dimension zu stammen wie die von BRENDAN PERRY, wenngleich sie sich nicht dessen klaren Englischs, sondern einer fremden oder Fantasiesprache bedient. Auch die eingesetzten – vorwiegend orientalischen – Instrumente sind ähnlich, und so ergibt sich an manchen Stellen auch eine vergleichbare, tranceartige und mystische Atmosphäre.

AMO wuchs auf der zu Frankreich gehörenden Insel "La Réunion" auf, welche im Indischen Ozean (in der Nähe von Mauritius) liegt. Den Wurzeln der knapp 800.000 Inselbewohner entsprechend, verbrachte er seine Jugend zwischen traditioneller indischer bzw. afrikanischer Musik. In den vergangenen Jahren ist der inzwischen in Frankreich lebende Sänger, Musiker und Komponist vor allem als Gast der französischen Gruppe RAJNA (auch PRIKOSNOVÉNIE) in Erscheinung getreten; eine Band, die ebenfalls eine Reihe von akustischen Instrumenten aus der ganzen Welt verwendet und deren orientalisch angehauchte Musik mit weiblicher Stimme manchmal an ENYA erinnert. Von OMASPHERE selbst existiert bislang nur eine im Alleingang produzierte Demo-CD aus dem Jahr 2005. Das fluktuierende Projekt besteht momentan aus BRICE AMO und vier befreundeten Musikern, die zahlreiche persische und arabische Instrumente bedienen. Außerdem wird OMASPHERE auf "Prélude" stellenweise von den beiden RAJNA-Machern JEANNE und FABRICE LEFEBVRE unterstützt.

Nach einem kurzen, esoterischen Intro erfolgt der erste Moment des vermeintlichen Wiedererkennens: diese sanfte, behutsame und orientalische Art der Percussion, die gezupften Saiten des iranischen Santur und die klare, über dieser Welt schwebende Stimme von AMO ... Tatsächlich, das könnte auch ein Stück von DEAD CAN DANCE sein (Beispiel: "Cantara"). Das Niveau wird nicht auf Albumlänge gehalten, aber weitere Highlights folgen. "Ortern" (3) macht einen Schlenker in Richtung Ethno, Percussion und das Tremolo in der Stimme wirken sehr arabisch. Überragend ist dagegen das vierte, das Titelstück "Prélude", welches die sakrale Seite von OMASPHERE betont. Zu weichen, schwebenden Keyboard-Drones umhüllt die entrückte, weltvergessene Stimme den Hörer mit einem Silbengesang, wie ihn BRENDAN PERRY und LISA GERRARD perfektioniert haben. Tatsächlich taucht in diesem Song, leider zum einzigen Mal auf dem Album, eine Gastsängerin (JEANNE LEFEBVRE) auf, die zum Niederknien verblüffend nach GERRARD klingt: voluminös und glockenartig zu mittelalterlich anmutenden Ambientsounds (Beispiel: "The Host Of Seraphim"). Die mittleren Tracks von "Prélude" sind leider recht schwach, aber das letzte Drittel versöhnt wieder, etwa mit "Kolparter Soma", einem a capella vorgetragenen Stück, bei dem AMO zu einem vierstimmigen Kanon improvisiert, oder mit "Ecifircas", dem dramatischsten und dunkelsten Stück, bei dem die Keyboards wie traurige Streicher klingen (Beispiel: "Black Sun").

Ich will nicht zu viel versprechen: Es geht hier ganz sicher nicht um die Wiederbelebung von DEAD CAN DANCE. Dafür ist OMASPHERE übrigens auch zu eigenständig, was Songs wie "Kolparter Soma" (der Kanon) oder die vielen orientalischen Einflüsse zeigen. (Die afrikanischen Wurzeln münden übrigens in ein kurzes Dschungel-Instrumental.) Viele Momente lassen aber mit geschlossenen Augen in dieselben Tiefen eintauchen, die das große Vorbild DCD geschaffen hat. Fans sollten auf jeden Fall ein Ohr wagen.

OMASPHERE sind live auf dem nächsten Labelfestival "La nuit des fées" zu sehen, welches am 26. September in Clisson stattfindet, der Heimat von PRIKOSNOVÉNIE. Auch CORDE OBLIQUE, die auf NONPOP schon mehrfach besprochen wurden (siehe 'Links'), spielen dort.

 
Michael We. für nonpop.de


Verweise zum Artikel:
» OMASPHERE @ myspace
» CORDE OBLIQUE @ Nonpop (1)
» CORDE OBLIQUE @ Nonpop (2)
» CORDE OBLIQUE @ Nonpop (3)


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Zusammenfassung
Ähnliche Töne wie bei DCD, vielleicht einen Tick orientalischer. Hier hinkt der Vergleich mit den Vorbildern ausnahmsweise nicht, sondern Instrumentierung und die klare Stimme von BRICE AMO schaffen an manchen Stellen eine entsprechende Tiefe. Mit Gastsängerin (1x) ist die Ähnlichkeit umwerfend.

Inhalt
prik133

01 Noum
02 Platoun
03 Ortern
04 Prelude 1
05 Nome
06 Loumat
07 Yguan
08 Prelude 3
09 Revocation
10 Kolparter Soma
11 Ecifircas
12 Semfi

~ 54 min.
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