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Endsal

NORDVARGR: The Secret Barbarous Names

Archaische Litaneien zur Beschwörung vorhersehbarer Geister


NORDVARGR: The Secret Barbarous Names
Genre: Ritual Ambient
Verlag: Malignant...
Vertrieb: Malignant...
Erscheinungsdatum:
20. Januar 2017
Medium: CD
Preis: ~13,00 €
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Eine nähere Vorstellung des HENRIK NORDVARGR BJÖRKK ist an dieser Stelle wohl einigermaßen überflüssig, ist der Mann doch seit den späten 1980er-Jahren mit Projekten wie MZ.412, FOLKSTORM, TOROIDH oder HYDRA HEAD 9 eine feste Größe im Einzugsbereich von Power Electronics, Noise und Dark Ambient skandinavischer Prägung. Seit Anfang der 00er-Jahre unter seinem Nom de guerre NORDVARGR aktiv, kann der Schwede mittlerweile auf eine imposante Diskographie zurückblicken: für den Zeitraum von 2002 bis heute listet Discogs derzeit 39 Alben auf, die samt und sonders eher dem Bereich Drone, Dark Ambient und Ritual Industrial zugeordnet werden können. Diese Rubrizierung gilt auch für das vorliegende Album, das MALIGNANT als Reissue einer, mit zusätzlichem Material von knapp 20 Minuten Dauer angereicherten EP präsentiert, die im Original August vergangenen Jahres im File-Format auf NORDVARGs Bandcamp-Seite erschienen ist.


Dass Kamrat NORDVARGR sich, in einem – durchaus elaborierten und, nun, sagen wir mal: seriösen Sinne – als Satanist sieht und demgemäß eine natürliche Affinität zu allem Sinister-Okkulten hat, ist ebenfalls hinlänglich bekannt und bricht sich in seinen Alben durchgängig mehr oder weniger explizit Bahn. Daran, dass "The Secret Barabarous Names" so gesehen eindeutig der ganz besonders expliziten Sparte zuzuordnen ist, lässt der Promotext keinen Zweifel, der das Opus als "a vocal based work inspired by the Draconian and Typhonian traditions" vorstellt und so expressis verbis im Kontext des chthonischen Pfades der Linken Hand bzw. in der Tradition eines klassischen Satanismus sethianischer Prägung verortet. Vor diesem Hintergrund soll "The Secret Barbarous Names" als kontemplativer Zeremonialsoundtrack mit quasi in- bzw. evokativer Potenz fungieren: Das mantraartige Singen der besagten, vorgeblich archaischen, "Barbarischen Namen" setze deren verborgene Macht frei, "their supposed effectiveness resting in their utterance, not their meaning. The words of power, vibrated at the correct frequency and amplitude in the correct setting and time, have the power to manifest anything." Heißt für den Rezipienten im Klartext: Augen auf während des psychoakustischen Hörvergnügens, auf dass man es nicht plötzlich mit Pazuzu, Ereskigal, Sachmet oder sonst einer ranghohen Persönlichkeit der infernalischen Heerscharen zu tun bekomme! Wer sich darüber hinausgehend intensiver mit den okkulten und paraphilosophischen Hintergründen des grimmen Vollbartträgers aus dem Norden auseinandersetzen möchte, dem sei ein Besuch auf dessen Homepage ans Herz gelegt, wo allerlei weitere Hin- und Querverweise auf unterschiedlichsten Runen-, Sigillen-, Zeremonial- und sonstigen Zauber zu finden sind – der knapp bemessene Raum einer CD-Rezension kann dem komplexen und durchaus substanzhaltigen mythomagischen Hintergründen des Herrn BJÖRKK leider nicht im Ansatz gerecht werden.


NORDVARGR @ Will To : Power Electronics II, Mannheim, Juni 2016

Stattdessen sei der Fokus der Betrachtung wieder auf ihren eigentlichen Gegenstand gerichtet, und das ist freilich die Musik. Labelseitig beschreibt man sie gewohnt vollmundig als "incredibly haunting and formidable invocations, built upon richly timbered, incantatory vocals and deep, liturgical chants, and occasionally augmented by ominous orchestral swell and ritual percussion", und das trifft es, sieht man von den selbstbeweihräuchernden Superlativen vorerst einmal ab, als Beschreibung eigentlich ganz gut. In der Tat stehen die Vocals klar im Zentrum der einzelnen Stücke und präsentieren sich durchwegs als tieffrequentes, grollendes Gechante dezidiert zeremonieller Strickart, das von unterschiedlichstem, dronigen Gebrumme und Gedröhne sowie da & dort verhaltenen Percussionelementen unterlegt ist. In der qualitativen Beurteilung des Werkes sieht man seitens MALIGNANT offenbar keinen Grund, tief zu stapeln: "All of it is endlessly stretched out into lightless passages of primordial malevolence and suffocating dread, completing an album that will stand out as a highlight, even within such a lofty and illustrious discography as Nordvargr's." An diesem Punkt sei allerdings mit gutem Grund Einspruch erhoben, denn bei aller Liebe, aber sonderlich originell, innovativ oder auch spannend sind leider weder das Konzept noch das, was bei dessen Umsetzung am End' herausgekommen – nichts davon hat man im Laufe der letzten 20 Jahren nicht schon mal anderswo mindestens genausogut, wenn nicht gar besser gehört. Beim Rezensenten wenigstens ruft "The Secret Barbarous Names" mehr als handgreifliche Erinnerungen an diverse Alben von HERBST 9 sowie manches von INADE, SCHLOSS TEGAL oder LUSTMORD wach, und auch vom einen oder anderen skandinavischen Kollegen wie z.B. ULF SÖDERBERG aka SEPHIROTH ist man im Grunde nur einen Runensteinwurf weit entfernt.


NORDVARGR @ Will To : Power Electronics II, Mannheim, Juni 2016

Insbesondere vor dem Hintergrund des bemerkenswert facettenreichen und rundum fesselnden Albums "Anima Nostra", einer 2016 erschienenen Kollaboration NORDVARGRs mit der Künstlerin MARGAUX RENAUDIN, die übrigens auch für das aktuelle Artwork verantwortlich zeichnet, stellt "The Secret Barbarous Names", obwohl laut expliziter Info auf dem Cover dezidiert mit "Anima Nostra" verknüpft ("Recorded July - August 2016 in Nar Mattaru as part of the Anima Nostra cannon"), eher eine Ernüchterung dar: Zu wenig innovativ, zu detailarm und insgesamt viel zu vorhersehbar, taugt das gute Stück eher als Hintergrundmusik während des Lesens oder Schreibens denn als konzentriert goutierte Frontalbeschallung. Im Zusammenspiel mit ritualmagischen Praktiken oder anderweitigem obskurantistischem Treiben mögen sich freilich gänzlich andere, nachgerade haarsträubende Effekte einstellen, der Rezensent wenigstens blieb während seiner – freilich durchaus profanen – Hördurchgänge von irgendwelchen dämonischen Anfechtungen gottlob verschont. Oder er hat sie schlicht & einfach verschlafen, denn dass das musikalische Material auf vorliegender CD eine enorm ... äh ... kontemplative Wirkung zeitigt, das wenigstens steht völlig außer Frage. – Ungeachtet ihres dezidierten Schwerpunktes auf den Vokalpassagen ist "The Secret Barbarous Names" insgesamt eine eher kurzatmige Veranstaltung, die als kleiner Ausgleich immerhin in einem durchaus hübsch anzusehenden 6-Panel-Digipak feilgeboten wird. Was am Ende freilich trotzdem nicht hinreichend für den Ausspruch einer Empfehlung ist, so sie denn nicht an einen erklärten NORDVARGR-Fanatic ergeht. Im übrigen gilt: Vergleichbares hat man – nicht zuletzt von NORDVARGR selbst – schon überzeugender vernommen.


 
Endsal für nonpop.de


Verweise zum Artikel:
» NORDVARGR-Homepage
» NORDVARGR @ facebook
» NORDVARGR @ bandcamp
» NORDVARGR @ SoundCloud
» NORDVARGR @ discogs
» MALIGNANT-Homepage
» "The Secret Barbarous Names" @ bandcamp

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Zusammenfassung
Mit knapp 20 Minuten zusätzlichen Materials angereicherte Reissue einer 2016 als File erschienenen EP: ritueller Dark-Ambient-Sound mit meditativer Note und "Manifestationsgarantie", der nur bedingt zu überzeugen vermag. Nicht sonderlich originell, doch als Hintergundmusik durchaus genehm.

Inhalt
01: Mantra For Ur-Hekau (4:43)
02: Mantra For Khepr-Ta (6:17)
03: Pethach (8:02)
04: Chandrakala (5:46)
05: Nile Deep (5.28)
06: Lunar Kala Soma (4:07)
07: Gates Of Azyn (5:36)
08: Jnana (2:23)
09: Closing The Gates (6:05)

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