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Endsal

NORDVARGR: Metempsychosis

Schwedische Schule auf voluntaristischer Seelenwanderung


NORDVARGR: Metempsychosis
Genre: Post Industrial
Verlag: Cyclic Law
Vertrieb: Cyclic Law
Erscheinungsdatum:
31. März 2018
Medium: CD / LP / MC / DL
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Der notorische NORDVARGR hat sich als Sujet für sein neues Album die Seelenwanderung – griechisch metempsychosis – ausgeguckt, doch, Obacht!, selbstverständlich "not in the classic reincarnative sense, but as a study of how souls rather than being judged by a higher power, themselves chooses what flesh to inhabit". Dass der passionierte schwedische  Satansbraten das Urteil einer "higher power" so brüsk von sich weist wie der sprichwörtliche – ha, ha! – Teufel das Weihwasser, versteht sich freilich von selbst, und so bedeutet der Begriff Metempsychosis, wie der Promotext des erstmals federführenden Labels CYCLIC LAW ausdrücklich hervorhebt, hier eher "to freely roam between the dimensions and to cling on to any form of life at will", und nicht etwa eine, nach Maßgabe einer gewissen, transzendentalen Systemkonformität (in moralischer Perspektive bspw. Tugendhaftigkeit) zugewiesene, postmortale Existenzform, was ja quasi zwangsläufig einen hierarchisch strukturierten Rahmen mit quasi-göttlichem Zentrum erforderte. Nein, NORDVARGRs "Metempsychosis" wurzelt  mit Stumpf und Stiel in jener ebenso anarchischen wie emphatischen Willensapotheose, die seit Jahr & Tag für Kulturschaffende, die sich dem Leibhaftigen besonders nahe fühlen, so charakteristisch ist. Indes mündete freilich jeder Versuch, das fragliche metaphysische Konzept weiter zu erörtern oder gar zu beurteilen, über kurz oder lang in die alte Kontroverse von Sinn und Unsinn eines – wie auch immer umgesetzten – satanistischen Weltbildes und zöge einen religionsanalytischen Rattenschwanz sondergleichen nach sich, weshalb er an dieser Stelle beherzt im Keim erstickt werden soll. Wir leben in toleranten Zeiten und können die dollsten Dinger "einfach mal so stehenlassen" – warum also nicht einen eindunkelten, etwas krausen Spiritualismus? Solchem Vorsatz Rechnung tragend beschränkt sich der Rezensent an dieser Stelle also darauf, das Thema des Albums noch einmal kurz & prägnant zu formulieren – so in etwa: "Perspektiven und Möglichkeiten einer voluntaristischen Seelenwanderung" – , und enthält sich im folgenden weiteren obskurantistischen Geschwurbels, um nun ohne Umschweife zum eigentlichen, nämlich musikalischen, Punkt vorzustoßen.


Womit wir gleich beim ersten, absolut zentralen und alles andere beinahe nebensächlich erscheinen lassenden Eindruck wären: Dass nämlich einer der zentralen Knaller des Albums, "First East", tatsächlich der einzige Track sein soll, bei dem THOMAS MARTIN EKELUND aka TREPANERINGSRITUALEN als Gastvokalist fungiert, ist schlechterdings nicht zu glauben, denn im Grunde klingen sämtliche Vokalpassagen des, an ebensolchen durchaus nicht armen, Albums eins zu eins wie der genretranszendierende Schwarzmystiker aus Göteborg. Ursprünglich sollte die vorliegende Rezension deshalb auch harmlos-fröhlich mit einem Titel wie "Die neue NORDVARGR ist die neue TREPANERINGSRITUALEN" versehen werden, doch korrigierte die erst zwei Wochen nach Erstkontakt erfolgte Lektüre des Promotextes schließlich jenen fatalen, ebenso spontanen wie selbstverständlichen Eindruck, der nach mehrfachem Durchhören zu unumstößlicher Gewissheit gerann: dass nämlich EKELUND durchgängig für alle Vocals auf "Metempsychosis" verantwortlich zeichnet. Tut er aber gar nicht, nein, und auch, wenn man es nicht glauben kann noch mag: Lediglich für das besagte, fulminant brachiale "First East" weist der Infotext des Labels den charismatischen Post-Industrial-Black-Metal-Barden als Gastsänger aus, woraus der verdutzt blinzelnde Rezensent den Schluss zu ziehen sich genötigt sieht, dass alle anderen Gesangspartituren tatsächlich von HENRIK NORDVARGR BJÖRKK höchstselbst besorgt wurden – auch wenn diese Einsicht kontraintuitiver nicht sein könnte, als sie es de facto ist, was insbesondere durch einen Direktvergleich mit dem zweiten großen Smash-Hit des Albums, "Salve Teragmon", selbst für skeptische Leser nachvollziehbar werden dürfte.


NORDVARGR @ "Will To Power Electronics II", Mannheim 2016

Auch gesamtmusikalisch betrachtet ist man von TREPANERINGSRITUALEN nur einen Runenwurf weit entfernt, denn "Metempsychosis" wechselt zwar durchaus treibend-rhythmische, nach vorn gehende, und eher ruhige, rituell tönende Stücke ab, insgesamt betrachtet liegt der Schwerpunkt aber unmissverständlich auf dem eher energetischen Bereich, will heißen: die Scheibe hat zweifellos Wumms und wartet mit deutlich mehr rhythmischen Strukturen und zünftig-brachialen Vokalpassagen auf, als man das ansonsten so von typischen NORDVARGR-Veröffentlichungen gewohnt ist, weist indes aber eine exorbitante Schnittmenge mit jenem spezifischen Sound auf, den der geneigte Hörer spätestens seit dem 2014er-Album "Perfection & Permanence" von TREPANERINGSRITUALEN zu goutieren gewohnt ist. "Metempsychosis" versammelt jedenfalls sämtliche spezifischen Charakteristika der Musik des EKELUND-Projektes, wie man sie in den letzten Jahren kennen und schätzen gelernt hat: da sind diese, irgendwo zwischen Raunen, Grunzen, Grollen, Brüllen und Röhren changierenden Vocals, die treibenden Percussionparts, befremdliche Sakralgeräusche, Drone Sounds und last but not least diese unvergleichliche, sinistre, im besten authentischen, archaischen Sinne heidnische Grundatmosphäre, die TREPANERINGSRITUALEN so wohltuend von nahezu allen anderen Mitbewerbern abhebt. Und all das zusammen manifestiert sich dann, perfekt komponiert und einzigartig abgeschmeckt, in Gestalt des neuen NORDVARGR-Albums! Man höre. Man staune. "Metempsychosis" – die neue NORDVARGR. Nicht die neue TREPANERINGSRITUALEN! Auch wenn sie verflixt so klingt. Vor diesem strukturübergreifenden Hintergrund käme dem eingangs kurz angerissenen, eigenwilligen Seelenwanderungskonzept, das den Kamrat NORDVARGR auf der vorliegenden Veröffentlichung umtreibt, freilich ein charmanter Hintersinn zu: vielleicht überrascht man uns in Bälde ja mit einem TREPANERINGSRITUALEN-Album, das eins zu eins wie NORDVARGR klingt.


"Metempsychosis" wird von CYCLIC LAW übrigens in sämtlichen gängigen Formaten veröffentlicht, dabei gilt es jedoch zu beachten, dass CD- und Download- im Gegensatz zu LP- und Tape-Version den Track "Salve Teragmon", LP- und Tape- im Gegensatz zu CD- und Download-Version hingegen den Track "Silent Host" umfassen. (Was das soll? Höfliche Antwort: Keine Ahnung ...) Als Grundlage für die vorliegende Besprechung diente die Download-Version des Albums. – Sollte es übrigens im Vorangegangenen nicht hinreichend deutlich geworden sein, so sei es an dieser Stelle abschließend noch einmal ausdrücklich auf den Punkt gebracht: "Metempsychosis" ist ein famoses Album mit hohem Faszinationsfaktor, das praktisch keine Längen aufweist und dem geschätzten Leser somit guten Gewissens ans Herz gelegt werden kann, insbesondere, wenn er TREPAN ... - aber lassen wir das.


 
Endsal für nonpop.de


Verweise zum Artikel:
» NORDVARGR-Homepage
» NORDVARGR @ bandcamp
» NORDVARGR @ facebook
» NORDVARGR @ SoundCloud
» NORDVARGR @ discogs
» TREPANERINGSRITUALEN-Homepage
» TREPANERINGSRITUALEN @ bandcamp
» CYCLIC LAW-Homepage
» "Metempsychosis" @ CYCLIC LAW

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Zusammenfassung
Ungewohnt abwechslungsreiches & wuchtiges neues NORDVARGR-Opus, das wie eine Koproduktion mit TREPANERINGSRITUALEN klingt. Isses aber gar nicht, auch wenn T. M. EKELUND einmal Gastvocals beisteuert. Indes weiß das Ergebnis in jedem Fall zu überzeugen: "Metempsychosis" hat Wumms & macht Laune!

Inhalt
01: Into The Cycle Of All And Nothing (1:36)
02: Metempsychosis (3:47)
03: First East (4:20)
04: At The Crossroads Of Immortality (5:31)
05: Invocation For A Malicious Spirit (4:05)
06: Salve Teragmon (3:23)
07: Manifestation (2:03)
08: Sweet Death Triumphant (4:08)
09: Consolamentum (2:48)
10: Livet Tar Slut (6:03)

CD im 6-Panel-DigiPak, limitiert auf 500 Exemplare; LP in transparentem Vinyl, limitiert auf 200 Exemplare; Cassette im Foldout Cardboard Slip Case, limitiert auf 100 Exemplare.
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