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Thomas L.

NEW rAGE PROJECT

Satan, Set & Totenlieder


NEW rAGE PROJECT
Kategorie: Spezial
Wörter: 1227


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NEW rAGE PROJECT – Satan, Set & Totenlieder


Will man die musikalische Welt von NEW rAGE PROJECT verstehen, so muss man sich mit der Welt des Geistes dahinter – FRATER EREMOR – beschäftigen. Als Leitfigur der setianischen/satanischen Szene ist er vor allem als Begründer des „Current Of Set“ ein Begriff; der sein magisches Werk nicht zuletzt in zwei wegweisenden Büchern darstellte („Im Kraftstrom des Satan-Set“ & „Shat En Heka“). Parallel zum altägyptischen Set-Kult organisiert er weiterhin mit dem „Circle Of Hagalaz“ seit nunmehr fast zwei Jahrzehnten magische und heidnische Aktivitäten unterschiedlichster Ausrichtung: Magisches Treffen an den Externsteinen, eine Party zum Geburtstag des Seth, Höhlennächte mit rituellem Trommeln, Satanismusvorträge mit symbolischem Verbrennen von Pappkirchen oder Besuche im niederländischen Burgers Zoo, wo den Nachfahren der Seth-Tiere gehuldigt wurde – humorvoll, aber hintergründig; ernst, aber mit Spaß dabei.

Das „Große Werk“ Frater Eremors ist zweifellos der „Current of Set“. Orientierend am Leitbild des altägyptischen Set hat er eine Organisation geschaffen, die aus der deutschen Magieszene nicht mehr wegzudenken ist und zudem einen Sonderstatus einnimmt. Bemerkenswert ist zum einen die Unabhängigkeit der Gruppe, da sie, dem setianischen Motto Xeper folgend, aus sich selbst heraus entstanden ist und nicht als Abspaltung des Temple Of Set oder anderer verwandter Gruppierungen. Weiterhin sichert nicht zuletzt die ungewöhnliche Struktur des CoS auch dessen Langlebigkeit. Während andere Orden mit zahllosen Graden und Ämterhandel Konkurrenz und Vereinsmeierei fördern und fordern, sieht sich der CoS als Netzwerk Gleichgesinnter, die gemeinsam arbeiten können, aber nicht müssen. Der „Current of Set“, im Übrigen eine Wortschöpfung Kenneth Grants, betrachtet sich als Torwächter  eines archaischen Kraftstroms, der einen, aber nicht den einzigen Zugang zu diesem verwaltet. Set ist dabei das Prinzip der beständigen Wandlung; die eigene Göttlichkeit und Schöpferkraft wird angestrebt durch den immerwährenden Wandel. Nichts ist; der setianische Mensch erschafft sich selbst in jeder Sekunde seines Daseins.

Als ROMERO E. SOTES beschäftigt Frater Eremor sich mit der klassischen Magie und Meditation und veröffentlichte 2004 ein viel beachtetes Einführungswerk („Abrasch“), das sich der Energie- und Trancearbeit widmete und traditionelle Konzepte der westlichen Esoterik ohne den dogmatischen und religiösen Überbau der klassischen Geheimgesellschaften darstellte. „Abrasch“ fand seine Leserschaft vorrangig bei den esoterisch-magischen Einzelgängern, die literarisch auch von JAN FRIES bedient werden: Jene, die ohne Gruppenzwang arbeiten wollen und für die in erster Linie das Vermitteln von Techniken interessant ist. Das Pseudonym Romero E. Sotes sollte schließlich auch bei NEW rAGE PROJECT Einzug finden und später für das „Janus-Institut“ verantwortlich zeichnen.

Neben seinen magischen und okkulten Aktivitäten widmete sich Frater Eremor auch immer wieder der Musik; trat aber damit nur vereinzelt an die Öffentlichkeit. Ende der neunziger Jahre nahmen diese Aktivitäten erstmals konkrete Gestalt an in Form von NEW rAGE PROJECT. Als Grundlage für die ersten Aufnahmen dienten Ritualmitschnitte eigener und befreundeter Gruppen; bald gesellten sich Performance-Auftritte hinzu, die bis heute Kultstatus genießen. Dem ersten dieser Art konnte der Verfasser dieser Zeilen im Jahr 2001 in Dortmund bei der „666“ Party beiwohnen: Im Rahmen einer Prometheus-Performance wurde das Feuer von den Göttern zu den Menschen gebracht; Eremor betätigte sich als Feuerspucker und über INVINA und den über das Publikum mittels Seilen hinwegschwebenden DARK SHAMAN gelangte die Flamme unter die Besucher. Beendet wurde das sogar von der WAZ (Bodo Hombachs im Ruhrgebiet tonangebende Tageszeitung) mit einer lobenden Kritik versehene Spektakel mit dem Verteilen von luziferianischen 666-Hostien an das Publikum.

Das erste Album von NEW rAGE PROJECT nannte sich „Wächter des Feuers“ und bestand größtenteils aus Vertonungen der enochischen Schlüssel inklusive einer Coverversion von ANTON LaVEYs „Hymn For The Satanic Empire“, wobei der nasale Gesang LaVeys durch Death-Metal-lastige Growls ersetzt wurde. Die Enochischen Anrufungen wurden von sanften und sphärischen Keyboardklängen und rituell-monotonen Kesselpauken untermalt. Die Schlüssel wurden von der damaligen Sängerin Invina und Frater Eremor vorgetragen, Dark Shaman steuerte Trommeln und Obertongesang bei. Für mich ist „Wächter des Feuers“ nach wie vor ein Meilenstein der Ritualmusik; eines der authentischsten und schönsten Werke okkulter Musikkunst. Eine Veröffentlichung sollte durch den Berliner Verlag SECOND-SIGHT erfolgen; finanzielle Schwierigkeiten vereitelten dies jedoch, sodass das Album weiterhin nur in Form von wenigen selbstgebrannten und verteilten Exemplaren besteht.

Das zweite Album – „Set & Nepthys“ – folgte rund zwei Jahre später und war ausschließlich dem ägyptischen Mythos gewidmet. Die Besetzung bestand nunmehr aus Romero E. Sotes (aka Frater Eremor) und einer anonymen Gastsängerin. Das Album war eine Huldigung an die ägyptischen Mysterien; zu eher atonaler Musik wurden mal flüsternd und mal brachial mystische Texte rezitiert. Das Album entstand parallel zu Frater Eremors zweitem Buch, „Shat En Heka“, und kann als musikalische Schwester zu diesem bezeichnet werden.

Die nächste Veröffentlichung sollte wiederum eine komplette musikalische Wandlung vollziehen. Zum Buchprojekt „Die Dunkelheit enthüllen/Chaos, Magie und LHP“ steuerten NrP eine rund 70minütige CD bei, die diesmal rein instrumental auskommen sollte. Thematisch befasste man sich mit kabbalistischer Pfadarbeit und musikalisch drang man in den Ambient-Bereich vor.

Nach erneuten Besetzungswechseln erschien schließlich  im Jahr 2007 die Doppel-CD „Totenlieder“, die nun einen erneuten Richtungswechsel markiert. Während die erste CD neoklassisch und gothic-lastig daherkommt, erinnert der zweite Tonträger an Neofolk- und Industrialbands aus dem Hause COLD MEAT INDUSTRY. Stilistisch nicht fern von den atmosphärisch eisigen Klängen des schwedischen Kultlabels spannt diese zweite CD aber auch einen Bogen hin zum deutschen Neofolk, der durchaus mit den Frühwerken von WERKRAUM verglichen werden kann. Die freundlicherweise exklusiv für NONPOP zur Verfügung gestellten Stücke mögen dies wahrlich besser dokumentieren als jede Beschreibung.

Parallel zu den „Totenliedern“ vertonte Frater Eremor im Jahr 2007 eine CD mit den enochischen Schlüsseln im INDEX VERLAG („The Enochian Keys/The Nineteen Mystic Calls“; zur NONPOP-Rezension). Die vom britischen Astrologen JOHN DEE und dessen Gehilfen EDWARD KELLEY entwickelte – oder, je nach persönlicher Rezeption, entdeckte – Kunstsprache, soll der Kommunikation zwischen Gott und seinen Engeln gedient haben. Die Verwendung der henochischen Sprache verfügt in der esoterischen Szene über eine lange Tradition; sowohl der „Hermetic Order Of The Golden Dawn“ und dessen von ALEISTER CROWLEY geprägten Nachfolgeorganisationen als auch die „Church Of Satan“ verwenden die archaisch anmutende Sprache der Engel. Während sie jedoch bei Crowley als ein ehrfürchtig behandeltes Gut von immenser Macht behandelt wird, dient sie unter LaVeys Ägide mehr zur Unterstützung der rituellen Dramatik. Die Anrufungen wurden mit sphärischen Keyboardschleifen unterlegt, die man am ehesten mit den „Soliloqy for Lilith“-Veröffentlichungen von NURSE WITH WOUND oder STAPLETONs „Mimir“-Projekt vergleichen kann. Wenn es aufgrund der Thematik natürlich Gemeinsamkeiten mit dem Debüt „Wächter des Feuers“ gibt, so klingen beide Werke dennoch grundverschieden, da die „Enochian Keys“ sich konsequent auf die Sprache konzentriert, während die „Wächter“-CD diese in einem eher von klassischen Songstrukturen geprägten Konzept präsentiert.
Ebenfalls im INDEX VERLAG erschien LaVeys „Die Satanische Bibel“ als Hörbuch, zu dem Frater Eremor die Geleitworte verfasste und zudem die Ritualaufnahmen koordinierte. Fälschlicherweise ordnete der Verlag diese Aufnahmen der „deutschen Church Of Satan“ zu, was aber, wie im Folgenden noch zu lesen ist, keineswegs der Fall ist.

Dies sind nur einige Facetten aus dem komplexen und umfangreichen Schaffen Frater Eremors. Nun wünscht der Autor viel Vergnügen mit dem Interview, bei dem einmal mehr die verschiedenen Aspekte seiner Persönlichkeit durchkommen: Während zumeist eine gewisse Ironie und außerordentlicher Humor gepflegt werden, so ernsthaft und kompromisslos ist er, wenn der „Current of Set“ zur Sprache kommt. Vorhang auf für Frater Eremor und NEW rAGE PROJECT:

Zum Interview
Bibliographie/Diskographie
Hörproben


 
Thomas L. für nonpop.de


Verweise zum Artikel:
» NEW rAGE PROJECT
» JANUS-INSTITUT
» Current of Set
» EDITION ROTER DRACHE


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Kommentare
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workshop
Dominik T. (11-05-2009, 12:15)
gutes interview, allerdings, wenn ich das Wort "workshop" höre, möchte ich nur noch töten!

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